Warum wir auch weiterhin Oatly trinken

Huch. Da ist die nachhaltige Bubble letzte Woche mal wieder geplatzt. Der Grund: unser liebster Hafermilch Hersteller Oatly hat zehn Prozent seiner Anteile an den Investor Blackstone verkauft. Und dessen CEO Stephen A. Schwarzman ist Trump-Supporter und hat gerade drei Millionen Dollar an einen Pro-Trump Super Pac gespendet. Außerdem hält Blackstone auch Anteile an brasilianischen Unternehmen, die beschuldigt werden, den Regenwald für Soja abzuholzen. Autsch!

Und: Yeap, das finden wir auch richtig, richtig eklig. Und falsch. Und trotzdem: let’s grow up! Wir alle stecken in diesem System namens Kapitalismus. Bis wir was besseres finden, müssen wir und alle nachhaltigen Brands nach dessen Regeln spielen. Auch wenn die konventionelle Seite unsere ethischen und moralischen Grenzen schon immer überschritten hat. Es ist unsere größte Herausforderung als Gesellschaft, innerhalb der unfairen Spielregeln des Kapitalismus Wege zu finden, auf denen wir die vielen Fehler des bestehenden Systems korrigieren können – oder zumindest zeigen, wie wir es besser machen könnten.

Es gibt nicht viele große Unternehmen, die es dabei schaffen einen echten Impact zu haben. Unter den wenigen ganz oben steht die schwedische Brand Oatly. Sie hat Hafermilch als echte Alternative zu Kuhmilch aus der Nische in den Mainstream gebracht. Mit gutem Marketing, gutem Design und natürlich mit Geschmack und Konsistenz. Die Zeit hat die Brands letztes Jahr sogar als Alptraum der Milchbauern bezeichnet. Kaum ein Unternehmen hat es in den letzten Jahren geschafft so disruptive zu sein. Oatly ist quasi das Tesla der Milchindustrie.

Und jetzt sowas? Ja genau. So was. Denn noch immer müssen Kühe in Deutschland 31 Millionen Tonnen Milch pro Jahr produzieren. Inklusive aller negativen Folgen für Umwelt, Nitratbelastung fürs Grundwasser durch Gülle und natürlich ziemlich beschissenen Haltungsbedingungen. Wir brauchen eine Revolution und wir brauchen Masse und Mainstream, wenn wir etwas verändern wollen. Wie sowas aussehen kann, hat Oatly in den letzten Jahren gezeigt. Jetzt ist es Zeit für die nächsten Schritte: weltweite Produktion, Wachstum und Marketing. Und glaubt uns, die letzten drei Begriffe gehören für uns eigentlich zum Hexenzeug des Neoliberalismus. Aber wisst Ihr, was wirklich schlimm ist? Wenn ein paar Milliarden Menschen in Indien und China von der europäischen und amerikanischen Lobby so richtig Lust auf Milchprodukte gemacht bekommen: „Got Milk?“

Ja, wir alles verachten Trump. Und ja, wir können auch nicht verstehen, wie man seine Politik und alles wofür er steht unterstützen kann. Aber viel wichtiger ist für uns, dass ein zutiefst kapitalistisches Unternehmen, wie Blackstone, dessen einzigste Wahrheit Profit ist, sein Geld hin zu einem nachhaltigen Investment shiftet. Das macht man nur, wenn glaubt, dass sich diese Investition lohnt und eine Zukunft hat. Und genau durch so etwas verändern sich Märkte und Systeme. Die beste Folge davon? Das Investment geht auf und ist profitabler, als beschissene Soja-Felder für europäische Kühe und deren Milch auf ehemaligem Regenwald. Und letztlich ist es doch genau das, was wir brauchen.

Zu guter Letzt: es handelt sich um zehn Prozent Anteil an Oatly. Das heißt, 90 Prozent gehören dem Unternehmen oder anderen Partnern, inklusive Entscheidungshoheit über Investitionen oder Unternehmensstrategien. Wer also auf dieser Grundlage zu #noatly und co aufruft, kann uns gern in den Kommentaren erklären, wie er oder sie unser System nachhaltiger verändern können, als das die Schweden auf dem Gebiet der Milch machen.

Ihr wollt jetzt trotzdem lieber andere Ersatzmilch trinken? Auch ok! Schließlich gibt’s genug leckere Oatly-Alternativen. We like zum BeispielVoelkel Haferdrink, Natumi und dm Bio. And you?

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