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Nicht wissen ist nicht wissen wollen

Ein Abendessen in einem mexikanischen Restaurant, an einem gewöhnlichen Freitagabend. Ich spreche mit meinen beiden Sitznachbarn über die Plastikverschmutzung der Ozeane. Ein fast gewöhnliches Gesprächsthema in meinen Freund*innenkreisen. Wir kommen darauf zu sprechen, dass es die Aufgabe von Kunst und Kultur sei, an ein möglichst großes Publikum zu kommen, und diesem die umweltbezogene Probleme zu vermitteln.

Daraufhin frage ich: „Ja, aber kann man heutzutage wirklich noch behaupten, nicht zu wissen?“ Mein Sitznachbar weist daraufhin, dass ein Großteil der Menschheit an so existenziellen Problemen leidet, dass sie sich nicht einmal Gedanken über die Umwelt machen, da sie kaum ihr eigenes Überleben sichern können. Ich stimme zu, wir, hier in Deutschland, können kaum verlangen, dass sich beispielweise Geflüchtete darum sorgen, dass sie auf ihrem Weg zu viel Müll liegen hinterlassen. Aber umso dringender wird die Frage: Können wir in Deutschland, ja vor allem in einer so weltoffenen Stadt wie Berlin, behaupten, wir wüssten nichts von all dem was passiert? Wir wüssten nicht, dass unser CO2 Ausstoß zu hoch ist? Dass Lebensarten aussterben? Dass die Ozeane versauern? Und vor allem, können wir behaupten wir wüssten nichts vom Klimawandel, wo doch 2018 das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in Deutschland ist?

Mein Sitznachbar weist mich wieder daraufhin, dass das hier – in einer weiten Geste umfasst er unsere Umgebung mit ausgestreckten Armen – die Realität sei in der ich lebe, aber das sei meine Seifenblase. Außerhalb davon leben andere Menschen in anderen Realitätsseifenblasen und sind sich eben nicht über die Auswirkung ihres Verbrauchs und Lebensstils auf die Umwelt bewusst. Aber das bezweifle ich stark, denn wer auch nur ab und an die Nachrichten liest oder habherzig dem Radio zuhört, der muss doch mitbekommen, dass beispielweise ab 2021 Einweg Plastikgegenstände in der EU verboten sein werden. Große Plakate von WWF die einen Delfin mit Plastik im Mund zeigen, sind kaum zu übersehen. Jede*r hat doch mindestens eine*n Bekannte*n der oder die sich vegan ernährt mit dem oder der man sich über diese Ernährungswahl unterhalten hat. Sogar die Werbung die mir auf Instagram angezeigt wird, erinnert mich daran, wie viel Plastik in den Meeren schwimmt.

Vor kurzem hatte ich ein Gespräch bei dem ich meinem Mitbewohner, der für ein Wochenende nach Düsseldorf wollte, sagte, dass ich Inlandsflüge prinzipiell doof fände. Er meinte daraufhin, dass er sich nie darüber Gedanken gemacht hätte, dass Flugzeuge so viel mehr CO2 ausstoßen würden als Züge oder Busse. Als ich vor einiger Zeit mit meiner Mutter einkaufen war und ihr vorschlug, doch die unverpackten Äpfel zu kaufen, um so Plastikabfall zu vermeiden, reagierte sie zuerst gereizt darauf. Sie meinte, irgendwo reichte es ja auch mit dem nachhaltigen Handeln, man müsste ja nicht übertreiben. Ein paar Tage später rief sie mich an um mir zu sagen, dass sie auf einen Artikel über Mikroplastik in den Weltmeeren gestoßen sei und mir jetzt Recht gäbe.

An den Informationen kommt man aber eben nicht vorbei, auch wenn man mit nur halboffenen Augen durch die Welt läuft wird man feststellen müssen, dass man unvermeidbare negative Auswirkungen auf eben diese Welt hat, die sich aber durch unser bewusstes Handeln einschränken lassen. Nicht wissen ist, bei der Informationsflut die wir haben, nicht wissen wollen.

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