„Nachhaltigkeit ist der neue Luxus“, diese fragwürdige Punch-Line lesen und hören wir in letzter Zeit immer wieder. Gerade im so genannten Lifestyle-Bereich, in Magazinen, in der Mode, in der Werbung, wird alles, was regional, fair oder öko ist, unter dem recht interpretationsoffenen Begriff Nachhaltigkeit zusammen gefasst – und als irgendwie elitär angepriesen.

Keine schlechte Sache, könnte man da erstmal denken. Schließlich werden so neue Begehrlichkeiten geweckt. Wahrscheinlich sogar bei einer Zielgruppe, die CO2-Fußabdruck, Ressourcen und Herstellungsbedingungen bisher eher semi-interessant fand. Und vor allem bei einer Zielgruppe, die „es sich leisten kann“. Aber ist nicht auch genau das dann die Krux?

Zwar ist der Grund, aus dem wir bessere Kaufentscheidungen treffen, am Ende völlig egal. Und wer sich nun beispielsweise für ein Eco-Fair-Fashion-Teil statt für einen konventionellen Pulli entscheidet, weil er oder sie das für besonders luxuriös hält, gerne! Wichtig ist nur, dass nicht plötzlich ein Großteil der Gesellschaft Nachhaltigkeit als Privileg derer ansieht, die es sich leisten können. Denn so ist das Interesse daran, sich damit auseinanderzusetzen, bei der großen Masse im Keim erstickt.

Dass diese Gefahr besteht, zeigt sich im Bereich Ernährung schon lange. Besonders, wenn’s um Fleisch geht, heißt’s immer wieder: „Das ist nichts für uns, denn die Durchschnittsfamilie kann sich leider nicht dauernd Bio-Hühnchen leisten.“ Nein, nicht dauernd. Aber durchaus ab und zu. Genau wie wenn es um neue Kleidung geht. Slow-Fashion ist gar nicht so teuer – solange wir nicht erwarten, den Style wie die Unterhose zu wechseln. Denn die Antwort liegt, nicht in allen, aber doch in vielen Bereichen am Ende mal wieder in unserer Lieblings-Floskel: Weniger ist mehr. Denn dann ist der vermeintliche Luxus plötzlich leistbar für alle.

Dann, wenn wir endlich aufhören zu erwarten, dass jeden Tag oder sogar jeden Tag mehrfach Fleisch auf den Tisch kommt. Dann, wenn wir es nicht mehr normal finden, uns jede Woche oder jeden Monat etwas Neues zum Anziehen zu kaufen. Dann wenn wir wieder anfangen, Dinge auszubessern oder zu reparieren. Wenn wir uns besser überlegen, was wir wirklich brauchen und wie lange wir daran wohl Freude haben werden. Klingt nach Verzicht? Hart aber is‘ so. Erstmal! Denn im zweiten Schritt, das versprechen wir, steigt die Freude an dem, was wir uns gönnen. Das ist Luxus.

2 Kommentare

  1. Vielen Dank, Anna. Das hast du toll geschrieben und triffst es auf den Punkt. Ich bin immer wieder begeistert von eurer Denkweise und schneide mir von einigem eine dicke Scheibe ab. Vor kurzem kam der Artikel online weshalb ihr vielleicht kein nachhaltiges Online-Magazin mehr sein wollt. Bitte gebt das niemals auf. Ihr leistet großartige Arbeit.

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