Zero Waste ist wahrscheinlich eine unserer größten Challenges. Wir wollen gern so wenig, wie möglich Müll produzieren, aber im Alltag nehmen wir uns einfach zu wenig Zeit, um das Thema effizienter anzugehen. Umso besser, wenn das andere für einen übernehmen und mitdenken. So wie das Hamburger Zero Waste Café In guter GesellschaftHier kann man nicht nur sehr gut frühstücken und Kaffee trinken, man kann das vor allem ohne schlechtes Gewissen tun. Die Macherinnen Ina und Alana, sowie das Team dahinter, sorgen dafür, dass alles frisch hergestellt und so wenig, wie möglich weggeschmissen wird. Wir haben uns mit Ina über ihre eigene Zero Waste Challenge unterhalten.

Ina ist Co-Founderin von In guter Gesellschaft

Ihr seid ein Zero Waste Café. Was heißt das?

In guter Gesellschaft gibt es jetzt seit circa einem Jahr. Ich mach das mit meiner guten Freundin Alana zusammen. Wir verzichten hier komplett auf Plastik und kaufen alles, was geht, unverpackt ein. Das funktioniert, weil wir sehr viel selbst machen und wir deshalb einen überschaubaren Wareneinkauf haben. Dafür brauchen wir viel Personal und vor allem Zeit für die Zubereitung. Am Anfang haben wir bewusst geschaut, was wir überhaupt Zero Waste bekommen. Daraus haben wir unser Angebot entwickelt. Alles andere wäre wesentlich schwieriger geworden.

Wie sieht das konkret aus?

Wir stellen zum Beispiel vegane Milch aus Hafer und Mandeln selbst her. Die Zutaten holen wir in großen Papiersäcken. Außerdem kochen und legen wir ein oder stellen Marmeladen her. Wir haben auch mal gefüllte Teigtaschen angeboten, aber wieder aus dem Angebot genommen, weil die Produktion so zeitintensiv war, dass die Teigtaschen eigentlich 25 Euro gekostet hätten. Da muss man dann auch realistisch sein.

Wie sind Eure Erfahrungen bis jetzt?

Wir merken schon teilweise, dass wir auch mal an unsere Grenzen kommen. Sonntags ist es manchmal auch so, dass wir um 14 Uhr einfach nichts mehr haben. Grillgemüse herzustellen dauert halt lange, und wenn es leer ist, ist es leer.

Verstehen das auch die Gäste?

Nicht immer: “Wie kann man denn Sonntags nichts mehr haben?” Das verstehe ich auch. Aber für uns ist es wichtiger, dass wir alles verbrauchen, als dass wir die Hälfte unserer Ware wegschmeißen müssen, weil sie verdorben ist. Das wär für uns das Schlimmste. Aber da finden wir gerade auch unsere Balance.

Wie seid Ihr dazu gekommen einen verpackungsfreien Ansatz zu wählen?

Alana und ich kennen uns seit vielen Jahren und sind gute Freundinnen. Aber wir hatten auch sehr unterschiedliche Lebenswege. Ich komme eher aus der freien Wirtschaft, Alana ist schon länger in der Nachhaltigkeits-Szene unterwegs. Nachdem sie eine Zeit lang Tausch-Cafés organisiert hat, wo man hochwertige Klamotten tauschen konnte, haben wir nach einer festen Location gesucht. So kamen wir zu dem Konzept Kaffee und Kuchen – und zu unserem Ansatz: „Wenn, dann richtig!“ Wir wollten kein klassisches Gastronomie-Konzept, sondern etwas, was in Richtung Nachhaltigkeit geht. Herausgekommen sind wir da, wo wir jetzt sitzen.

Kommen Gäste auch gezielt bei Euch vorbei, weil Ihr Zero Waste seid?

Beides. Wir haben viele Leute, die unser Konzept unterstützen und toll finden. Ich würde sagen, dass 20-30 Prozent wissen, was wir machen und deshalb kommen. Dem Rest gefällt und schmeckt es bei uns einfach gut.

Du kommst aus der freien Wirtschaft. Wie siehst Du die Business-Seite von nachhaltigem Wirtschaften?

Es ist tatsächlich nicht so leicht. Wir wussten beide, dass wir hier nicht als Millionäre rausgehen und darum ging es uns auch nicht. Aber wir wollten ein Bewusstsein schaffen und Dinge aufzeigen, die uns persönlich wichtig sind. Ich glaube in Großstädten, wie Hamburg oder Berlin, findet das sehr viel Anklang. Uns war es wichtig, dass wir nicht jeden Monat tief in die Tasche greifen müssen, um so etwas darstellen zu können. Klar haben wir immer wieder Up’s und Down’s. Gerade bei den Personalkosten haben wir ursprünglich mit viel weniger geplant.  Aber trotz allem haben wir es bis jetzt ganz gut geschafft.

Kostet Zero Waste bei Euch im Cafe auch mehr?

Wir wollen nicht teurer sein, nur weil wir Zero Waste sind. Das ist uns wichtig. Wir wollen zugänglich sein und nicht so dogmatisch. Wir wollen, dass die Leute zu uns kommen, weil es ihnen schmeckt und weil sie sich wohlfühlen. Eigentlich kann es nicht sein, dass es teurer ist, in Unverpacktläden einzukaufen.

Kann Verpackungsfrei in der Stadt eigentlich funktionieren oder wird das immer eine Nische bleiben?

Meine Erfahrung ist, dass es in Privathaushalten schwieriger ist, als hier im Café zum Beispiel. Es funktioniert, wenn man in großen Mengen immer das Gleiche einkauft und gereifte Prozesse hat. Aber sobald man mehr Abwechslung will, wird es wesentlich aufwendiger, teurer und zeitintensiver. Das muss man dann schon wollen.

In guter Gesellschaft

Sternstraße 25
20357 Hamburg

Website: In guter Gesellschaft

Instagram: @ingutergesellschaft
Mo: geschlossen
Di-So:  09 – 21.00 Uhr

2 Kommentare

  1. Cool, da war ich bei einem Hamburgausflug zufällig mit meinem Freund. Habe damals gar nicht gewusst, dass es sich um ein Zero Waste Cafe handelt, aber sehr gefreut, als der Person vor mir an der Kasse kein Plastikbecher mitgegeben wurde.

Einen Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*