Warum dieser Artikel wichtig ist:

Die Ausrichtung unseres Wirtschaftssystems spielt eine entscheidende Rolle dabei, ob wir es schaffen, den Klimawandel und das Artensterben aufzuhalten. Wenn wir hier etwas ändern wollen, müssen wir verstehen, warum wir noch im Nachteil sind und wie man das ändern kann.

Wenn man sich, so wie wir, täglich mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigt, landet man automatisch irgendwann bei den Themen Politik und Wirtschaft. Das ist zwar nicht gerade sexy, aber wenn wir wirklich etwas verändern wollen, müssen wir verstehen, warum die Dinge so sind wie sind. Und vor allem, warum es so schwer ist, den Status Quo zu verändern. Jetzt sind wir zwar nicht gerade als Wirtschaftsexperten bekannt, für eine wichtige Erkenntnis reichen Marcus vier Semester BWL jedoch gerade noch aus: unsere Welt erlebt gerade das größte Marktversagen jemals!

Wir versuchen das mal so einfach wie möglich zu erklären: Auf der einen Seite stehen die Anbieter, also alle Hersteller und Unternehmen. Auf dem von ihnen so geliebten freien Markt geht es vor allem um größtmögliche Gewinne und Wachstum. Die stärksten Unternehmen verdienen am meisten Geld und setzen sich auf dem Markt am Ehesten gegen ihre Konkurrenten durch. Das Problem dabei ist, dass diejenigen, die am dreckigsten sind, oft am meisten Geld verdienen. Außerdem interessieren den freien Markt die Folgen der Ausbeutung der Rohstoffe erst ab einem Punkt, an dem sie knapp werden. Dann ist es aber zu spät, denn wir leben auf einem Planeten mit endlichen Rohstoffen.

Auf der anderen Seite stehen wir Kunden. Dem Großteil geht es dabei um zwei Dinge: die Kosten, das heißt wie teuer ein Produkt ist, und die Bequemlichkeit, sprich welches Produkt oder Angebot den geringsten Aufwand bedeutet. Jetzt kommt das Problem: faire und ökologisch hergestellte Produkte und Dienstleistunge unterliegen auf dem freien Markt fast immer ihren konventionellen Konkurrenten.

Beispiel Kosten: nur eine Nische ist bereit für nachhaltig hergestellte Produkte auch mehr Geld auszugeben, wenn es das gleiche Produkt konventionell zu einem Bruchteil des Preises gibt. Die Masse wird sich immer für den besseren Preis entscheiden. Und es geht immer nur um die Masse, wenn wir eine Chance haben wollen. Beispiel Bequemlichkeit:  man kann über das Auto und seine Industrie denken, was man will, aber es ist noch immer eines der bequemsten Möglichkeiten von A nach B zu kommen. Es steht meistens vorm Haus, man steigt ein und man fährt meistens direkt am Ziel vor. Das kann der ÖPNV nicht leisten und beim Fahrrad fahren muss man sich ja anstrengen. Es gibt unzählige andere Beispiele, man kann im Grunde alle Öko-fairen Brands durch deklinieren. Fast alle sind den konventionellen Brands in mindesten einem der Punkte unterlegen. Das ist ein Problem, dass wir lösen müssen, wenn wir unser Klima und damit unsere Lebensgrundlage nicht endgültig gegen die Wand fahren wollen.

Der freie Markt auf einer kapitalistischen Grundlage kann und wird dieses Umsteuern nicht leisten. Er wird immer gewinnen, weil er entweder die besseren Preise oder eben mehr Bequemlichkeit anbieten kann. Dass sich irgendwann eine Kultur des ökologischen Gewissens durchsetzen wird, ist ein Wunschtraum. Dieses Gewissen entwickelt sich so langsam, dass er hinter den knappen Zeitplan, den wir zum Umdenken noch haben, zurückfällt. Wir müssen schneller sein! Und der einzige Weg schneller zu sein, ist ein Umdenken in der Politik.

Alle Unternehmen, Produkte, Dienstleistungen und Herstellungsprozesse, die nachhaltig ausgerichtet sind müssen subventioniert werden, um den Nachteil gegenüber ihren konventionellen Konkurrenten auszugleichen. Mit dem Zug fahren muss viel günstiger sein, als das Flugzeug zu nehmen. In den Städten müssen der ÖPNV, das Fahrrad und die Fußgänger priorisiert werden. Bio-Lebensmittel, faire Produkte und Ökostrom dürfen nicht mehr teurer sein, als konventionelle usw.. Dass dieser Weg funktioniert, wird jeden Tag irgendwo auf der Welt bewiesen. Von der Starthilfe zu erneuerbaren Energien in Deutschland, über ein striktes Plastikverbot in Ruanda, bis hin zu den fast schon utopisch tollen Fahrrad-Konzepten in Kopenhagen oder Amsterdam oder dem Aussperren von Autos aus Innenstädten, wie Paris oder London. Ein Umdenken funktioniert. Man muss es nur wollen.

Klar werden die neoliberalen Gläubigen aufschreien und laut Sozialismus rufen. Sie werden uns erzählen, dass der freie Markt alles regelt und dass immer weiteres Wirtschaftswachstum wichtiger ist, als alles andere. Aber das stimmt nicht. Vor allem haben wir die Aufgabe, diesen Planeten auch für alle kommenden Generationen zu erhalten. Wir können doch nicht innerhalb von nur 200 Jahren alles kaputt machen, was Milliarden von Jahren gedauert hat aufzubauen. Deshalb brauchen wir Hilfe in Form eines radikalen Markteingriffs zu Gunsten aller ökologischen, nachhaltigen und fair hergestellten Produkte und Dienstleistungen. Die große Frage ist: welche Politiker sind Willens, diesen Weg radikal zu gehen? Lasst uns genau die in die Regierungen wählen. Wir haben nämlich nicht mehr viel Zeit.

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