Warum dieser Artikel wichtig ist:

Über Geld spricht man nicht. Das finden in unserer Gesellschaft immer noch sehr viele. Und so ist es kein Wunder, dass die wenigsten wirklich hinterfragen, in was genau ihr Erspartes so investiert wird. Die Antwort: zu oft in Waffen, Atomstrom und andere dreckige Industrien. Wer das nicht mehr will, muss die Bank wechseln. Gut, dass es neue, nachhaltige Alternativen gibt!

Bis Sommer 2017 war Jakob Berndt, 37, bei seinem überaus erfolgreichen ersten Social-Business Lemonaid aktiv. Dann hat er kurz durch geschnauft – um gleich wieder los zu legen. Wieder mit einem innovativen Konzept. Diesmal allerdings nochmal in einer ganz anderen Liga: Zusammen mit seinen neuen Partnern Inas Nureldin und Michael Schweikart hat Jakob „Tomorrow“ gegründet, ein neues nachhaltiges Girokonto fürs Smartphone, das sich ab sofort zu einer ernstzunehmenden Bank entwickeln soll. Zu einer Bank, der wir unser Geld zur Abwechslung mal mit gutem Gewissen anvertrauen können – und die gleichzeitig viel zeitgemäßer, praktischer und cooler funktioniert, als andere aktuelle Finanzanbieter. Denn dass sich in der Usability gerade so viel verändert, inhaltlich aber fast alles gleich bleibt, treibt Jakob an mal wieder wirklich etwas zu verändern. Wir haben den ebenso ambitionierten wie eloquenten Kulturwissenschaftler, der ganz früher auch mal in der Werbung gearbeitet hat, in Hamburg getroffen. Und noch am gleichen Tag – soviel schon mal vorweg – haben wir ein Viertel \ Vor-Konto bei „Tomorrow“ angemeldet.

Lieber Jakob, seit ein paar Monaten arbeitet Ihr an Eurem Projekt. Wann geht’s endlich los?

Ende April ist die Basis-Version der App fertig und wird für vier Wochen im engen Familien- und Freundeskreis getestet. Ab Juni kann dann jeder ein Konto eröffnen. 1300 erste Kunden stehen schon auf der Warteliste. Wer gleich zum Start dabei sein will sollte sich beeilen. Denn wir gehen erst mal ganz bewusst nur mit einer begrenzten Anzahl an Kunden und Kundinnen an den Start, um die Prozesse zuverlässig und professionell halten zu können.

Gleichzeitig zielt Ihr von Beginn an sehr hoch, wollt vom reinen Girokonto bestenfalls zu einer kompletten nachhaltigen Bank werden.

Auf jeden Fall! Klar wissen wir auch: Wir haben uns da viel vorgenommen. Die meisten Leute, denen wir anfangs von Tomorrow erzählt haben, reagierten erst Mal fast geschockt und fragten: Wie ne Bank? Man kann doch nicht einfach’ne Bank gründen. (lacht) Und uns ist schon bewusst, dass das ein ganz schön dickes Brett ist, das wir da bohren wollen. Gleichzeitig machen wir schnelle Fortschritte: technologisch sind wir schon sehr weit. Bisher bekommen wir ein super Feedback und hoffen auf viele progressive Kunden, die den Weg mit uns gehen wollen.

Ihr benutzt immer wieder das Wort progressiv. Die grünen Banken, die’s schon gibt, finden wir leider eher klassisch. Wo spürt Ihr auf Eurem Sektor eine Aufbruchsstimmung?

 In sofern als dass sich in dem Bereich technologisch gerade ganz viel ändert – so wie alle Branchen von der Digitalisierung betroffen sind. Am Handel kann man’s mit am Deutlichsten sehen – an den Karstadts die verschwinden und den Amazons die wachsen. Und nicht wenige Menschen sagen den Banken oder dem Finanzwesen eine ähnliche Veränderung voraus. Und die lässt sich ja auch schon fest machen, an den so genannten „Mobile Banks“ zum Beispiel, die keinen Filial-Apparat haben und starken Rückenwind bekommen – während sich die angestammten Banken gleichzeitig sehr schwer tun.

Warum?

Weil sie einfach sehr groß sind – und damit zwangsläufig schwerfällig. Und vielleicht auch vom Mindset nicht progressiv genug, um Veränderungen schnell und konsequent mitzugehen.

Veränderungen durch Digitalisierung?

 Genau. Veränderungen durch Digitalisierung, die die Produkte und das Kundenerlebnis verändern. Diese Veränderungsmöglichkeit bringt neue Akteure auf den Markt und lässt andere alt aussehen. Dabei ist vieles trotzdem alter Wein in neuen Schläuchen. Denn was bei den neuen Angeboten inhaltlich passiert ist meistens genau das gleiche wie eh und je. Die neuen Technologien fühlen sich zwar cool und easy peasy an und lassen sich vom Handy aus steuern. So weit, so smart. Aber auch über die neuen Möglichkeiten und Banken fließt Geld in Industrien, von denen der Kunde das vielleicht – oder ziemlich sicher – gar nicht will. Ein besonders perfides Beispiel dafür ergab sich im März aus dem Amoklauf in der Schule in Florida: der Pensionsfond der Lehrer war massiv investiert in den Hersteller des Maschinengewehrs, das für das Massaker benutzt wurde. Das klingt so verrückt. Das kann man sich gar nicht ausdenken! Und das passiert im Prinzip allenthalben. Ob es nun um Konzerne geht, die Deinen Kiez aufkaufen oder Deine Lebensmittel genetisch manipulieren – alle bekommen irgendwo ihr Geld her. Und das ist im Zweifel eben das Geld, das Du irgendwo auf Deinem Konto liegen hast. Das ist keine News. Aber es ist eben ´wenigen Leuten bewusst. Und das wollen wir ändern. Wir wollen, dass der technologische Umbruch auch einen Werteumbruch zur Folge hat.

Was wollt Ihr anders machen?

Wir wollen nachhaltige Finanzen ins Bewusstsein neuer, junger Zielgruppen rücken. Bei uns geht’s um die Frage: Welchen Impact hat das Geld, das auf meinem Girokonto, im Depot oder auf dem Sparbuch liegt?

Glaubst Du, dass diese Frage viele Menschen interessiert?

Ich glaube, dass die Antwort darauf wenigen bewusst ist. Die wenigsten Leute sind sich überhaupt bewusst, dass Geld eine ökologische und soziale Wirkung hat. Da gilt es noch viel Aufklärungsarbeit leisten. In ganz vielen Bereichen fangen die Leute längst an, bewusster zu konsumieren, kaufen Bio, haben grünen Strom oder fahren weniger Auto. Wie konsequent das dann wirklich gelebt wird, sei mal dahin gestellt. Nur im Bereich Finanzen ist eben nicht mal das Bewusstsein da! Und das ist eigentlich total schade, weil gerade da ein so enormer Hebel vorhanden ist. GLS, Triodos, Ethikbank und Umweltbank machen da hervorragende Arbeit, bieten aber offensichtlich nicht die Zusatzleistungen, die heute viele Kunden zu erwarten scheinen.

Das alte Ding: Ein Produkt, das gut für die Welt ist, muss mindestens so gut oder eigentlich besser sein, als die Produkte, die es schon gibt…

Genau. „To change the world you have to throw a better party than those destroying it“, hab’ ich neulich irgendwo auf Twitter gelesen.

Und es stimmt! Abgesehen davon: Ist es eigentlich mittlerweile normal und unproblematisch für alle ihr Geld per App zu verwalten? Oder ist das vor allem eine Zielgruppenfrage?

Für Viele ist Geld ganz sicher ein sehr sensibles Thema und immer noch was anderes als wenn man sich Pizza oder ein paar Sneakers per App kommen lässt. Geld ist immer intimer! Das will man im Zweifel nicht jedem x Beliebigen anvertrauen. Deshalb ist es wichtig, dass wir, wie jede andere Bank, auf die so genannte Einlagensicherung vertrauen können. Das heißt jedes Konto ist bis 100.000 Euro gedeckt. Selbst wenn wir damit jetzt totalen Murks machen würden. Was wir natürlich nicht vorhaben.

Und wie ist es mit der Skepsis gegenüber den Anlageprojekten? Ist es wohlmöglich sogar so, dass die Allgemeinheit dem, wir sagen einfach mal, Scheiß vertraut, weil eben gelernt ist, dass der Scheiß die Kohle bringt?

Da gibt es ja zum Glück belastbare Meta-Studien, die belegen, dass Investitionen in nachhaltige Projekte durchaus sehr rentabel sind. Nicht immer mit so einem krassen Peek, wie wenn man wirklich in den absoluten Schweinkram investiert.

Generell gilt es zwischen zwei Arten der Investition zu unterscheiden: Die, bei der der Kunde selbst investiert, zum Beispiel die 500 Euro von Oma, über deren Einsatz er selbst bestimmen kann – und die bei der die Bank selbst aktiv wird. Die so genannten Einlagen. Im diesem Kreditgeschäft gehen wir als Bank ins Risiko. Nicht die Kunden.

Michael Schweikart

Welche Projekte sind das?

Nur solche, die wir für ökonomisch vernünftig und für sozial wie ökologisch vertretbar und nachhaltig halten. Biolandwirtschaft, Regenerative Energie et cetera, pp.

Wie wählt Ihr eure Projekte aus?

Hier werden wir die exakten Prozesse noch entwickeln müssen, weil wir nicht von Tag eins an mit der Kreditvergabe beginnen. Was wir schon heute haben ist ein harter Kriterienkatalog, der von Tag eins an ein Versprechen dazu abgibt, was es bei uns nicht geben wird. Nämlich alles, wobei der Planet runter gewirtschaftet wird oder wobei Menschen zu schaden kommen: Rüstung, Kohlekraft, Nuklearenergie, all das. Welcher Biohof oder welches Social-Startup dann von uns finanziert werden wird, zeigt sich im zweiten Schritt.

Inas Nureldin

Wer ist im ersten Schritt Eure Zielgruppe?

 Zum Start sind es Privatkunden und perspektivisch auch kleine Unternehmen, zum Beispiel Startups aus dem grünen Bereich. Allesamt Akteure die sagen: Ich will bei einer Bank sein, die die gleichen Werte teilt, wie wir – aber auch bei einer, die technologisch auf der Höhe der Zeit ist.

Auf der Homepage steht, dass ihr alles zusammen mit uns entwickeln wollt. Was genau heißt das?

 Zugegeben, die „Community“ beschreien natürlich gerade alle. Aber gerade im Bankenbereich ist das durchaus etwas Besonderes, ein Paradigmenwechsel. Eben weg von: Gebt uns Euer Geld und wir wurschteln damit im Verborgenen rum, bis es Rendite gibt. Das war ja bisher oft so’n bisschen das stille Übereinkommen.

Was?

Dass man, solange die Rendite stimmt, gar nicht so genau nachfragt, woher sie genau kommt. Wir wollen das transparent machen. Und das ist auch Punkt zwei. Bei uns wird ein Konto ein bisschen mehr kosten, dafür gibt es keine Unklarheiten. Wir wollen stattdessen eine Kunden-zentrierte Perspektive einnehmen und gucken, wo und wie können wir gemeinsam neue Lösungen entwickeln können. Dabei wollen wir hören, was die Leute am traditionellen Banking wirklich stört. Das könnte zum Beispiel sein: „Ne, dass man fürs Dispo bezahlen muss und die Bank einem quasi gerade wenn man schon in den Miesen ist auch noch in die Eier tritt, das finden wir doof.“ Und dann gilt es, einen neuen Ansatz zu suchen. Wir halten es für eine große Chance, unsere Entwicklung im Dialog zu gestalten.

Habt Ihr dazu auch schon ein konkretes Pricing?

Ja. Das wird zum Einen ein Gratisangebot sein, bei dem Du ohne Barriere erst Mal einfach an Tomorrow teilnehmen kannst. Einfach damit auch Leute die skeptisch sind angesprochen werden, uns vielleicht erst Mal als Zweitkonto ausprobieren können. Dazu ein kostenpflichtiges Premiumkonto, mit dem man den gesamten Kosmos kennen lernen kann. Ich glaub’ da sind die Leute auch bereit für. Da orientieren wir quasi uns an der Generation Spotify: Die Leute die dafür heute bezahlen, sind genau die, die ihre Musik früher kostenlos runter geladen haben. Da könnte man dann auch meinen, dass die denken, warum soll ich dafür plötzlich bezahlen? Aber wenn Du’n Produkt bietest, das so gut und neu ist und so convenient, dass es damit noch mehr Spaß macht, dann zahle ich dafür sehr gern pro Monat. Und ich glaube genau so ist es auch beim Banking. Wenn da jemand kommt, bei dem ich das Gefühl habe der verarscht mich nicht und bietet mit handfeste Mehrwerte, dann wird es den Leuten das Wert sein.

Und was bietet Tomorrow im Premium-Segment dann genau?

Zum Einen schlaue Sparmöglichkeiten, besonders smart durch Digitalität. Da gibt’s ja tolle Ansätze, beispielsweise jedes Mal, wenn Du einkaufst aufzurunden und den entsprechenden Betrag aufs Sparbuch zu schicken. Oder Sparziele setzen. Da hast Du natürlich mit dem Handy besonders gute Möglichkeiten. Und in diese Richtung wollen wir den Kunden so viel wie möglich anbieten. Außerdem möchten wir ein spannendes Ökosystem aus dem Bereich Nachhaltiger Konsum zur Verfügung stellen. Ich bin momentan so ein bisschen auf Roadshow, treffe Partner wie Avocadostore, Armedangels, die German Coworking Federation und ähnliche. Denn wir wollen Akteure, die das Thema schlau angehen, es leben und innovative Ideen haben, zusammenbringen und andocken. Auch als Anreiz für die Kunden, da einen neuen und direkten Zugang zur Community zu bekommen.

Ist Tomorrow neben der reinen Bank eigentlich auch eine Art Aufklärungskampagne?

 Muss es sein! Denn ich denke, da ist noch ganz viel Arbeit zu leisten. Denn Geld ist eben nicht Klamotte oder Essen. Es betrifft zwar auch alle – aber die Berührungspunkte sind eben viel weniger präsent. Dabei ist das Thema so groß und es passiert da so viel, dass wir gedacht haben: ja! Da muss was gemacht werden.

Ist das Dein Antrieb?

Ja, das Motiv ist schon, die Möglichkeiten aufzuzeigen, die bisher nicht ausreichend genutzt werden. Wir alle bezahlen jeden Tag Sachen – bestenfalls auch noch vorrangig nachhaltig produziert. Es kann doch nicht sein, dass gleichzeitig mit unserem Geld immer noch so viel Mist passiert! Da wirklich was zu verändern kommt mir zugegebenermaßen bisher eher schwerer vor als damals mit Limonade. Trotzdem haben wir auch in diesem Bereich ein klares Ziel: nachhaltiges Banking zum Must have zu machen!

Die faire Bankkarte als Visitenkarte, die man gerne auf den Tisch knallt! So stellen wir uns das ja auch vor. Eine Girocard von der Deutschen Bank kommt für uns rüber, wie’ne Primart-Tüte.

Bin ich ganz bei Euch! Unser, zugegeben etwas ironisches, internes Motto ist: Lass’ uns Geld wieder zum Statussymbol machen. Aber eben gutes Geld.

Wo Du gerade Lemonaid ansprichst: Warum war dort die Zeit für Dich vorbei?

Wichtig ist wirklich, dass es nach neun Jahren für mich persönlich an der Zeit für neue Projekte und Ideen ist. Lemonaid an sich geht ja immer weiter! Und das ist gut, richtig und wichtig so. Ich selbst hatte einfach den Wunsch, mich Neuem zu widmen. Lemonaid werde ich dabei immer im Herzen tragen. Dass wir das Thema Nachhaltigkeit für den Markt entstaubt haben, ist dabei das, was mich am stolzesten macht. Neben der umfangreichen Projektarbeit im globalen Süden natürlich.

Pusht Dich der Erfolg von Lemonaid jetzt auch für Tomorrow, oder trennst Du das total?

Mindestens habe ich natürlich die Erfahrung machen dürfen, dass es funktionieren kann. Ob mich das jetzt dafür qualifiziert, dass es noch mal klappt… Schau’n mer mal.

Aber es motiviert, vielleicht?

Das auf jeden Fall! Dass man sich so’n Markt schnappt, auf dem Vieles in die falsche Richtung geht und den umzukrempeln versucht, das macht mir großen Spaß! Als unterstützend empfinde ich dabei das Netzwerk, das ich in den letzten Jahren aufbauen konnte. Und ich mag auch das weiße Blatt Papier, so’ne ungeschriebene Geschichte, die noch vor einem liegt. Da lachen meine Kollegen auch manchmal über mich, weil sowohl der Tec- als auch der Finanz-Talk noch totales Neuland für mich sind. Da jeden Tag dazu zu lernen treibt mich an.

Wo siehst Du Tomorrow in fünf Jahren?

Da sind wir natürlich einen Riesenschritt weiter! Jetzt sind wir ja erst Mal „nur“ ein Konto. In fünf Jahren werden wir eine Bank sein – selbst oder mit Partner. Und wir werden das Thema Finanzen ganzheitlicher bespielen. Und ich denke, dass der Ansatz, das Thema nachhaltige Finanzen aus der Nische zu holen, bis dahin umgesetzt werden konnte. Dazu wollen wir einen großen Beitrag leisten.

Woran denkst Du liegt es, dass die Leute zunehmend ein Interesse daran verspüren, wirklich etwas verändern zu wollen?

Das ist ja ne sukzessive Entwicklung, eine Dynamik, die aktuell immer mehr Fahrt aufnimmt. Ich tu mich schwer daran, das an dem einen Faktor fest zu machen. Hat sicher auch mit den heutigen medialen Möglichkeiten zu tun, man durchschaut die Dinge vielleicht leichter als früher. Gleichzeitig gibt es mehr Angebote. Und vielleicht ist es wirklich auch der ganz, ganz lange Rattenschwanz dessen, was in den 1968er Jahren schon angefangen hat – und jetzt nimmt’s eine neue Form an. Den Menschen wird mittlerweile weniger Prinzipientreue abverlangt. Dadurch werden Barrieren abgebaut. Das ist gut, kann aber auch kritisch betrachtet werden, wenn’s dann in so einen Wohlfühl-Konsumismus mündet. Man kann eben auch nicht alles mit dem Gang in den Demeter-Supermarkt abhaken. Ich finde es wichtig, dass man alle Bereiche seines Lebens auf seinen persönlichen Fußabdruck abklopft. Gern auch Schritt für Schritt. Aber Konsum allein kann es nicht gewesen sein. Es bleibt auch unerlässlich, dass man weiter auf die Straße geht – und sich für strukturelle, systemische Fragen einsetzt!

Wo siehst Du sonst die Stellschrauben für Nachhaltigkeit?

 Zum einen in weniger Dogma, weniger Tadel. Man muss es den Leuten leicht machen, siehe „die bessere Party“ von der wir vorhin sprachen. Gleichzeitig komme ich gerade an den Punkt, an dem ich denke: man muss das System auch prinzipiell in Frage stellen. Konsum an sich, zum Beispiel. Genau wie Ihr habe auch ich sehr lange gepredigt, es gehe nicht um Verzicht. Mittlerweile denke ich: doch, auch das! Man kann nicht immer alles ständig verfügbar haben wollen. An der Stelle fängt es natürlich ein bisschen an weh zu tun. Aber auch da kommst Du mit guten Angeboten drum herum. Zum Beispiel in dem Du sagst: Man kann echt geilen Urlaub in der Uckermark machen, statt: Flieg nie wieder nach Marokko.

Und außerdem ist es für uns auch Politik. Denn es müssen radikalere Schritte sein, als nur die kleinen.

 Stimmt. So sehr ich an soziales Unternehmertum glaube – man kann und darf das Primat der Gestaltung nicht allein der Wirtschaft überlassen. Es braucht eine neue Form der Mobilisierung. Auch und vor allem in dem politischen Bereich. Seit etwa einem Jahr findet bei mir persönlich eine starke Repolitisierung statt. Ich merke: Ich hab’ keine Lust mehr auf den Parteienapparat zu schimpfen, sondern denke, dass man jetzt vielleicht wirklich selber mal mitmachen muss.

Bestimmt! Vielen Dank für das Gespräch, lieber Jakob. 

FOTOS: Marcus Werner

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