Warum dieser Artikel wichtig ist

Bewusst zu konsumieren ist nicht nur besser für die Umwelt und die Tiere – sondern auch sehr viel gesünder für uns selbst.

Es gab einmal eine Zeit in der Einkaufen für mich ein wahres Vergnügen war. Im Supermarkt herrschte absolute Freiheit bei der Auswahl meiner Produkte. Mir war egal, wo etwas herkam, was da drin war oder wer dafür sterben musste – hauptsache es schmeckte mir. Die einzige Einschränkung war damals der Preis. Billig musste es sein! Denn als Student hatte ich so gut wie kein Geld, und das was ich hatte, hab‘ ich lieber für Partys, Sprühdosen und Reisen ausgegeben. Das waren tolle Zeiten. Das waren naive Zeiten.

Heute ist der typische Supermarkt für mich auf ein Minimum zusammengeschrumpft. Nicht nur weil ich jeglichen Respekt vor der Lebensmittelindustrie verloren habe, sondern vor allem, weil ich beim Einkaufen 95 Prozent der angebotenen Waren einfach ignoriere. Wenn ich nämlich genau hinschaue, sehe ich nicht mehr die bunten Bilder auf den Verpackungen sondern vor allem das sehr viel weniger farbenfrohe System dahinter.

Ich sehe Nahrung, die vor Süßstoffen, Geschmacksverstärkern und künstlichen Ersatzprodukten ächzt. Ich sehe das Preis-Dumping der Industrie. Ich sehe die riesigen Müllberge der Verpackungen in der Verpackung in der Verpackung. Ich sehe all das Plastik, dass vielleicht in unseren Meeren landet. Ich sehe die vielen Rohstoffe, die verbraucht werden und von denen die Hälfte eh weggeschmissen wird. Vor allem sehe ich jedoch heute, wie ungesund das alles ist, was wir in uns reinstopfen sollen.

Als ich vor einem Jahr beschlossen habe so gut wie keinen Zucker mehr zu essen, habe ich erstmals wirklich angefangen, darauf zu achten, welche Inhaltsstoffe in verarbeiteten Lebensmitteln sind. Ein Schock! Die Trash-Food-Abteilung war zwar noch nie mein zuhause, aber auch das Ausmaß der Zutaten vermeintlich normaler Alltags-Produkte hat mir von einem auf den anderen Tag jeglichen Appetit verdorben.

Aus heutiger Sicht war dieser Schritt damals eine Art Befreiung. Ich fühle mich, als ob ich eine bunte Werbewand vor mir eingerissen habe, die mich von dem abgelenkt hat was ich wirklich wollte – nämlich gesundes Essen kaufen. Heute geht mein Weg im Supermarkt geradewegs zur Obst- und Gemüseabteilung, zur Pasta und manchmal noch zum Käse – that’s it. Mir geht es damit wesentlich besser und ich bin viel fitter als früher. Vor allem aber weiß ich endlich was ich wirklich esse, weil ich die Zutaten meines Essen selbst kontrollieren kann.

Auch wenn ich mir manchmal meine alte Naivität zurückwünsche, bin ich doch froh, daß ich irgendwann angefangen habe nachzudenken. Denn so wird es dann auf einmal ganz einfach bewusster zu konsumieren.

FOTOS: Marcus Werner / Anna Schunck

Ein Kommentar

  1. Genau so lief es bei mir etwa auch ab. Aber die Freude am Einkaufen hat es mir zum Glück nicht genommen. Eher im Gegenteil. Man hat nicht die typische Reizüberflutung, wenn man sich hauptsächlich in der Obst- und Gemüseabteilung aufhält und wird wesentlich kreativer bei der Essensplanung.
    Und man fühlt sich weniger manipuliert!

    Sonnige Grüße
    Jaimie

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