Warum dieser Artikel wichtig ist:

„Wenn nur ich das mach‘, was bringt das denn dann?“ ist eine Frage, die wir nicht mehr hören wollen. Wer was verändern will, darf klein anfangen – und wenn’s noch ein paar andere machen, wird oft ganz schnell was Großes draus.

Grauer Himmel, bunte Outfits. Jeden Januar wird die Berliner Großstadtwinter-Tristesse ein paar Tage lang lustig unterbrochen von der Fashionweek mit ihren Schauen und Messen. Interessant für uns: diesmal weniger die neuen nachhaltigen Designs und ethisch korrekten Innovationen, als vielmehr die wachsende Community rund um die Idee, das (Fast-)Fashion-Karrussell endlich auszubremsen und die ganze Industrie Schritt für Schritt ein bisschen langsamer und bewusster zu gestalten.

Denn was noch vor zwei Jahren gerade zu utopisch klang, nimmt langsam aber sicher Form an. In Form von eco-fairer Fashion, die sich endlich auch glaubhaft als solche bezeichnen lässt, in Form von Aufmerksamkeit die endlich auch mal aus Richtung Mainstream und nicht immer nur von denen kommt, die immer schon öko waren – und vor allem in Form eines wachsenden Gemeinschaftsgefühls. Dieses Gefühl wärmt nicht nur das Slowfashionherz. Vor allem scheint es einen neuen Aktivismus zu entfachen, den wir dringend brauchen!

Ein gutes Beispiel dafür ließ sich während der grünen Messen Ethical Fashion Show und Green Showroom in er Lounge der Fashion Changers finden, wo etliche JournalistInnen und Blogger nicht nur neue Styles ausprobieren, sondern auch neue Pläne schmieden konnten. Angeheizt wurden diese durch den abschließenden Talk zum Thema „Wie viel Macht haben KundInnen“ mit Viertel \ Vor-Marcus, Modern Muse Nike van Dinther vom Online-Magazin This is Jane Wayne, Gemeinwohlökonomie-Unternehmer Jörg von Kruse von I+M Naturkosmetik, der versierten Konsumforscherin Tina Müller von der Copenhagen Business School und Esther Rühe vom Slowfashion-Blog  Die Konsumentin als Moderation.

Ein Panel, dass sich besonders gen Ende endlich mal in einen rasanten Aufruf entwickelte, der den einen oder die andere im Publikum dazu animiert haben dürfte, einen ThinkTank (Marcus), eine Partei (Nike) oder zumindest eine neue Gresprächsthemenreihe im Freundeskreis (alle) zu gründen.

Dass das was bringt und dass wir an einem Punkt sind, den wir nutzen sollten, bestätigt für Nike unter anderem der jüngste Shitstorm (inklusive Dandy Diary-Aktion) rund um den Rassismus-Vorwurf gegen H&M. „Der wurde wahrscheinlich auch von einer Einzelperson angezettelt“, sagt die Autorin. Und Jörg erinnert daran, dass sich aus der ebenfalls einst von Verbrauchern gestarteten Bio-Bewegung beim Essen ein großer Mart entwickeln konnte.

Unsere Prognose: Bei den Klamotten geht’s sogar schneller, weil besagte Bios von damals, schon rund 30 Jahre Vorarbeit geleistet haben. Und weil sich Nachhaltigkeit aktuell zu einem bleibenden Trend entwickelt – aka gesellschaftlich ein ganz anderes Standing hat, als alles auch nur im Ansatz Grüne von damals. „Man kann heute kein Modelabel mehr gründen, ohne sich Gedanken zum Thema Nachhaltigkeit zu machen“, meint Nike. Wir hoffen, dass sie Recht behält! „Die Zahlen sagen: VerbraucherInnen geht es noch immer um das überzeugendste Produkt“, weiß Tina. „Der Aspekt der Nachhaltigkeit muss also selbstverständlicher Weise von den Unternehmen hinzugefügt werden.“

Bleibt die Frage, wer die Unternehmen in letzter Instanz dazu bringt. Nike nervt, dass an diesem Punkt allzu oft vor allem der Verbraucher oder die Verbraucherin in die Pflicht genommen werden. Sie fragt (genau wie wir): „Wann wird die Politik präsent?“ Für Marcus ist vor allem die Unternehmenspolitik der Schlüssel. „Aber auch gegen die können wir als KonsumentInnen unsere Stimme erheben!“ Seiner Meinung nach kann das konkret und effektiv vor allem auf kleiner, sprich beispielsweise lokaler Ebene passieren.

Marcus betont, was wir als Viertel \ Vor, als Nachhaltigkeits- oder Slowfashionblogger und zunehmen sicher auch als konventionelle Portale auf mittlere Sicht (bestenfalls alle) wollen: über das reine Schreiben hinaus mehr Einfluss generieren. Einfluss auf Vorgänge, die wir für falsch halten – und die wir besser machen wollen. Dazu müssen wir wohl oder übel über unseren Tellerrand schauen. Auch in Richtung Politik und auch, egal wie unsexy das erstmal klingen mag, in Richtung eigener politischer Einsatz. Denn, da spricht uns Nike eine alte Viertel \ Vor-Philosophie aus der Seele,: „Die Antwort liegt vielleicht auch darin, nicht in seiner Blase stecken zu bleiben, sondern auch möglichst viele andere zu erreichen.“

Das ganze Gespräch gibt’s zum Nachhören (diesmal leider mit ein paar Handy-Störgeräuschen, sorry!) via Viertel \ Vor Mixcloud oder mit Bild über den Lifestream der Fashion Changers auf Facebook. Viel Spaß!

FOTOS: Michi Schunck für V \ V, Emilie Elizabeth und Constanze Neubert für Fashion Changers

4 Kommentare

  1. Pingback: Planet Schlussverkauf: wie uns Konsum die Zukunft kostet | notyetaguru.com

  2. Leider ist die Vertonung bei mir gestört, es surrt die ganze Zeit nebenher 🙁 Wahrscheinlich war ein Mikro in der Näe oä. Trotzdem Danke für das Online Stellen des Talks, sehr spannend, auch mit Surren… 😉

    • Marcus Werner

      Hallo Geraldine, ja, das haben wir leider auch erst danach gemerkt. Da waren so viele Handys im Raum, dass das Funksignal leider viele Störgeräusche hat. Wir hoffen man bekommt trotzdem die wesentlichen Inhalte mit.. LG

  3. Pingback: Fashion Week Recap / Highlights im Herbst/Winter 2018 - Nicetohave Mag

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