Warum dieser Artikel wichtig ist:

In die Herstellung eines konventionellen T-Shirts fließen 2720 Liter Wasser. Für das Waschen, Färben und Imprägnieren von Fastfashion werden weltweit jedes Jahr
1,7 Millionen Tonnen Chemikalien verwende. Genäht wird meist unter Menschenunwürdigen Bedingungen. Deshalb muss eco-faire Mode jetzt ganz schnell ganz sexy werden – am Besten immer für alle.

Sie sind schon mit die coolsten und gleichzeitig klügsten Kids der Slowfashion-Szene – und haben sich trotzdem nochmal neu erfunden: Esther Rühe und Anna Kessel etablierten sich als Bloggerinnen mit dem Kunstkinder-Magazin. Bis das Baby erwachsen wurde. Jetzt heißt ihr Online-Auftritt  Die Konsumentin. Geblieben ist der unverwechselbar un-ökologische Stil des Hamburger Hammer-Duos. Neu ist noch mehr Inhalt. Und genau das finden wir gut. Ganz generell – aber auch weil wir uns fragen: Wer sollte uns denn die Welt der grünen, fairen Mode noch besser noch näher bringen, als die beiden lässigen Feministinnen Esther (by the way Agrarwissenschaftlerin für ökologische Landwirtschaft) und Anna (Kulturwissenschaftlerin, und und unten rechts im Bild)? Eben! Die beiden haben unter anderem schon diverse Vintage-Sales organisiert und kuratiert und 2016 den Ethicalfashion-Guide „Wardrobe Revolution“ herausgegeben. Ihr nächstes Ziel: Europas Slowfashion-Aktivisten vernetzen. Wir sind gespannt! Und haben schon vorab im Gespräch um mehr Informationen zu allen Ambitionen gebeten. Here we go: 

Ihr Lieben, „Die Konsumentin“ klingt erstmal harmlos, ist aber ja ganz generell auch eine Machtposition. Wird diese Position von vielen Käuferinnen aka Konsumentinnen unterschätzt?

Wir haben unser Magazin „Die Konsumentin” genannt, weil wir genau das glauben – und weil wir etwas daran ändern möchten: Die Menschen neigen dazu ihre eigene Stimme zu unterschätzen. In einem marktwirtschaftlichen System in dem die Nachfrage den Markt regulieren soll, sind jedoch die Verbraucher und Verbraucherinnen diejenigen die das Angebot bestimmen und somit Macht über Produktion und Produktionsbedingungen haben. Das gilt natürlich auch für Mode, ganz am Ende der Produkt-Kette.

Inwiefern kann das fatal sein?

Nun wenn wir unsere Stimme nicht erheben, hört sie keiner. Aber gehen wir mal vom Gegenteil aus: Wenn niemand mehr unfair produzierte und gehandelte sowie der Umwelt schädigende Waren kauft, werden die Anbieter reagieren müssen. Der Kassenbon ist unser täglicher Stimmzettel. Und diese Macht sollte gerade uns weiblichen Konsumentinnen – an die ja immer noch ein Großteil der Luxuswaren adressiert sind – bewusst sein. Wir wollen dazu motivieren, den Stimmzettel zu nutzen! Unter anderem dadurch, dass wir zeigen, wie viele ästhetisch und qualitativ befriedigende Mode-Alternativen es inzwischen auf dem Markt gibt.

Genau das finden wir so wichtig – und Euch deshalb auch so toll. Aber mal `ne andere Frage: Ginge unsere Gesellschaft eigentlich auch fast oder sogar ganz ohne Konsum? Und wäre das Eurer Meinung nach überhaupt erstrebenswert?

An dieser Stelle sollten wir über die Definition und das Verständnis von Konsum sprechen. Der Begriff Konsum kommt aus dem Lateinischen und bedeutet Verbrauch. Aus biologischer Sicht sind wir – die keine Photosynthese betreiben – Konsumenten. Pflanzen beispielsweise werden den Produzenten zugeordnet. Wir Menschen verbrauchen Sauerstoff und brauchen energiereiche Nahrung um zu überleben. Konsum ist also erst mal nichts Schlimmes. Schwierig wird es wenn wir Überkonsum betreiben, also mehr verbrauchen als nachwachsen, beziehungsweise regeneriert werden kann. Gerade wenn wir Luxusgüter wie Mode konsumieren wollen müssen wir also in Kreisläufen denken: Das was wir ernten, verarbeiten, ge- und verbrauchen muss am Schluss dem natürlichen Kreislauf zurückzuführen sein. Dies ist speziell in der Bekleidungsindustrie zu einem großen Problem geworden. Aber natürlich ist es kein Unlösbares!

Wie sähe eine mögliche Lösung aus?

Anstatt Kleider aus erdölbasierten Fasern herzustellen können wir zum Beispiel natürliche und damit kompostierbare Materialien verwenden.

Das neue Magazin liefert noch mehr Antworten. Solche, die laut Eigendefinition die auf die Konsumentin von heute zugeschnitten sind. Haben Konsumentinnen eigentlich ähnliche Fragen? Oder könnt Ihr beobachten, dass sich aktuell eher verschiedene Shopper-Strömungen bilden?

Wir machen da momentan allerlei spannende Beobachtungen, die eine einzelne Antwort eigentlich immer schwieriger machen. Denn es gibt durchaus verschiedene Strömungen in der bewussteren Modeszene, denen man nicht immer gleichzeitig gerecht werden kann – und vielleicht auch gar nicht muss.

Zum einen gibt es die Idee des grünen Konsums. Diese beinhaltet mehr oder weniger das was wir vorhin beschrieben haben: Nachwachsende Rohstoffe, biologischer Anbau, regenerative Energien.

Die zweite große Strömung baut auf ethischen Konsum. Hier stehen die sozialen Arbeits- und Produktionsbedingungen im Vordergrund. Hier könnte man wohl auch am besten die Bewegung rund um vegane Mode einordnen, die sich vor allem um das Tierwohl sorgt – dabei aber eben nicht immer auf die Umweltverträglichkeit von Textilien achtet.

Als dritte – sehr spannende und teilweise kontrovers diskutierte – Strömung findet sich alles um das Thema Recycling. Hier werden bereits produzierte, gebrauchte, aber noch nicht vollends verbrauchte, Produkte weiter genutzt, verarbeitet oder als Rohstoffe wiederverwendet. Bei dieser Idee stehen die Verlängerung der Lebenszeit von Produkten und die Schonung von Ressourcen im Vordergrund.

Aber: So unterschiedlich die Ansätze auch sein mögen, die Fragen der heutigen Mode-Konsumentinnen ähneln sich im alltäglichen dann natürlich doch stark: „Wie kann ich in meinem Alltag, in dem die diversen Slow Fashion Ansätze noch nicht im Mainstream gelandet sind, Zugang zu entsprechenden Produkten und Alternativen finden?” Hier wollen wir in möglichst viele verschiedene Richtungen Antworten geben, ohne dabei die ein oder andere Richtung als die einzig Wahre zu betiteln.

Habt Ihr Euch auch deshalb für ein ganz neues Magazin entschieden?

Auf jeden Fall! In unserem Umfeld haben wir immer wieder ähnliche Fragen und Aussagen wie: „Ich würde ja… Aber ich weiß nicht wie und wo“, gehört. Da wir uns mittlerweile ein so umfangreiches Wissen zu den gerade genannten Thema angeeignet haben, möchten wir Antworten für all die interessierten Slow-Fashion-Enthusiastinnen zugänglich machen, in dem wir die nötigen Informationen einfach und ästhetisch ansprechend aufbereiten. Das frisch gestrichene Magazin richtet sich mit seinem Fokus also etwas weniger stark auf uns als Bloggerinnen und mehr auf die Bedürfnisse und Fragen der Leserinnen – aka kritische Konsumentinnen!

Was bleibt, was ist neu?

Wir als Slow-Fashion-Trägerinnen, Genauer-Nach-Fragerinnen und möglicherweise auch Inspirationsquelle, was den eigenen Stil angeht, bleiben natürlich. Was ebenfalls bleibt ist unser Standort Hamburg, in dem die Szene zwar klein aber fein ist und unglaublich toll zusammenhält!

Und was neu ist? Ganz viele Antworten für den Mode-Alltag, zum Beispiel in Form von monatlichen Fashion-Personality-Tests. Und außerdem ein bisschen mehr Austausch mit anderen Städten – das soll europaweit gehen! Wir haben nämlich festgestellt: Während die ethische Szene auf anderen Kontinenten gut vernetzt ist, tun sich die europäischen Label, Mode-Macherinnen und Store Inhaberinnen noch etwas schwer darin, eine gemeinsame grüne Bewegung ins Leben zu rufen. Wir wollen die ganzen tollen Neuentdeckungen von Kopenhagen bis Barcelona ein wenig mehr ins Bewusstsein unserer Leserinnen rücken. Und hoffen natürlich, dass auch einige der liebsten Eco Fashion Stores auf unsere Entdeckungen reagieren werden. Denn da mangelt’s unserer Meinung nach momentan am meisten: An der Zugänglichkeit zu den wirklich schönen Fair Fashion Alternativen.

Und was findet die Leserin darüber hinaus bei Euch? Und interessiert das auch den Leser?

Wir haben’s gerade schon verraten: Unser neues Herzstück wird wohl der monatliche Test. Den kann die Leserin machen, um auf ihren Stil und ihre Bedürfnisse zugeschnittene Antworten zu finden. Und das soll natürlich möglichst auch dem Leser ein paar tolle Labels und Slow Fashion Spots mit auf den Weg geben.

Ihr seid jetzt genau seit einer Woche online. Welche ist Eure Lieblings-Launch-Anekdote?

Für eine richtige Dosis Kunstkinder-Spaß schaut doch mal hinter die Kulissen unserer letzten, sehr turbulenten Woche. In der Rubrik „Behind The Scenes” gibt’s gerade noch viel Feierei. Und in Zukunft dann unsere Zwischendurch-Outfits und nachhaltige Geschichten aus dem Alltag.

Wir kennen Euch: Ihr seid immer in Action! Gibt’s schon wieder nächste Ziele?

Über den Re-Launch ist das bisher ein wenig auf der Strecke geblieben, also in Zukunft: Auf jeden Fall Europa erkunden und die verschiedenen kleinen Eco- und Fair Fashion Szenen stärker miteinander ins Gespräch bringen.

Vielen Dank, Ihr Lieben. Wir freuen uns drauf!

FOTOS: Die Konsumentin // Gretchen Fotografie

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