Warum dieser Artikel wichtig ist:

Jedes Jahr landen acht bis 13 Millionen Tonnen Plastikmüll in den Weltmeeren. Ist es da nicht auch schon egal, ob wir hier heute einen Einweg-Kaffeebecher sparen oder nicht? Nein! Denn wenn viele kleine Schritte machen, wird oft ein großer draus.

Bei Viertel \ Vor, das ist keine Big News, propagieren wir die Politik der kleinen Schritte. Das eigene Leben Step by Step und vor allem im persönlichen Tempo ein bisschen nachhaltiger zu gestalten, halten wir für die einzig gängige Möglichkeit. Gerade in einer Gesellschaft, die sich längst auf den praktischen Luxus des Alles-immer-und-noch-mehr eingestellt hat. Und gleichzeitig ist uns natürlich auch klar, dass ziemlich schnell ziemlich viel passieren muss, wenn wir unsere (Um-)welt noch retten wollen. Ein Widerspruch in sich? Möglich. Manchmal. Aber eben nicht immer! Ein Paradebeispiel dafür, dass viele Baby-Schritte auch zu einem großen Ziel führen können, sind die aktuellen Entwicklungen in der No-Plastic-Bewegung.

Noch nicht mal drei Jahre ist es erst her, dass Milena Glimbovski ihren verpackungsfreien Supermarkt Original Unverpackt in Berlin aufgemacht hat. Kurz zuvor eröffnete ein ähnlicher Laden in Kiel. Was zunächst für viele wie ein ungewöhnliches Projekt anmutete, schlug Wellen. Innerhalb kürzester Zeit. Weniger Müll zu machen wurde interessant. Nicht nur für Ökos, sonden vor allem für die Presse, auf Instagram und damit auch sehr schnell in der Öffentlichen Wahrnehmung. Kurz nachdem die deutsche Bundesregierung im April 2016 die freiwillige Kostenpflicht für Plastiktüten beschloss, gibt es in den meisten Geschäften (nur noch) Paper-Bags.

Wenig später reflektierten immer mehr Menschen dann gleich noch ein anderes Produkt, dass bis dahin als völlig selbstverständlich und sogar super-cool wahrgenommen wurde: den Einweg-Kaffee-to-go-Becher, der übrigens mit Nichten aus Papier sondern durch die innere Beschichtung aus Kunststoff besteht. Auch ohne Deckel. Innerhalb kürzester Zeit etablierten sich, nicht nur in den Großstädten, verschiedene Pfandbecher-Systeme. Aktuell ruft sogar der Berliner Radio Sender Fritz zum „Abbechern“ auf. Viel mehr Mainstream geht nicht!

Und jeder Einzelne, ob Vollblut-Öko oder Frisch-Interessierter, der vermeintlich kleine Aktionen wie diese unterstützt, der schützt uns zwar nicht unmittelbar vor dem Klimawandel, vorm Erdöl-Aus oder vor neuen Plastik-Teppichen in den Weltmeeren – aber jeder der Aktionen wie diese unterstützt, der übt Druck aus. Druck, der auch die Big Player zum Handeln bewegt.

So testen Discounter wie Penny und Rewe aktuell, wie man das Bio-Logo in die Schale einer Avocado oder einer Süßkartoffel einlasern kann, um beide nicht mehr getrennt von den konventionellen Lebensmitteln verpacken zu müssen. Fast-Fashion-Brands wie adidas oder Kunert schaffen mit Produkten aus recyceltem Kunsstoff Aufmerksamkeit für die Problematik. Und laut dem Tagesspiegel haben sich im vergangenen Jahr 40 große Konzerne wie Coca-Cola, Henkel, L’Oreal und Danone dazu verpflichtet, weniger Plastik einzusetzen. Das Unternehmen Unilever, zu dem Marken wie Dove und Knorr gehören, wolle zudem ab 2025 nur noch Kunststoffe einsetzen, die komplett recyclebar sind.

Klar, das ist noch lange hin und auch diese so genannten Bio-Kunsstoffe haben ihre Tücken und weniger Konsum-Anreiz würde uns allen noch weiter bringen. Aber allein der Fakt, dass endlich in Ansätzen über den Endgegner Plastik und seine Folgen für unser aller Leben nachgedacht wird, empfinden wir als Riesen-Fortschritt. Und war als einen der zwar spät, dann aber ziemlich schnell erfolgt ist – und immer größere Kreise zieht.

Zum Glück! Denn schon jetzt schwimmt mehr Plastik als Plankton in den Ozeanen. 2050 soll es laut einer aktuellen Studie des World Economic Forums (WEF) sogar mehr Müll geben als Fische. Nun ist 2050 noch länger hin als 2025. Und weil wir Optimisten sind und sein wollen, motivieren uns diese Zahlen anstatt uns zu erschrecken. Weil oben genannte Fakten Fakten sind. Weil sich etwas ändern kann. Weil wir etwas ändern wollen. Jeden Tag ein kleines Stück. Macht mit!

FOTOS: Marcus Werner

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