Warum dieser Artikel wichtig ist

Um den Klimawandel aufzuhalten, müsste jeder Bewohner einer Industrienation 80 Prozent seines CO2-Ausstoßes einsparen. Wir fangen heute damit an. 

Fliegen macht mehr Dreck als Spaß – das ist keine Big News. Die Emission auf der Strecke von Berlin nach San Francisco beispielsweise lässt fünf Quadratmeter ewiges Eis schmelzen. Heißt: Mit jedem Flug treten wir unserem individuellem CO2-Fußabdruck so sehr in den Arsch, dass alle vermiedenen Tüten oder To-Go Kaffeebecher dagegen leider ein Witz sind. Um auch nur annähernd unter dem 2 Grad Ziel zu bleiben, für das jeder Bewohner einer Industrienation etwa 80 Prozent seines CO2-Ausstoßes einsparen müsste, wäre das Streichen von Flügen wahrscheinlich eine der individuell wirkungsvollsten Maßnahmen.

Gefahr erkannt, Gefahr gebannt: Schweren Sonnenanbeter-Herzens haben wir soeben eine bezahlte Urlaubsreise nach Übersee abgelehnt. Weil wir damit nichts hätten machen können, als sehr großen Spaß zu haben, heißes Wetter und weiße Strände zu genießen – und Aufmerksamkeit auf eine Destination zu ziehen, die einerseits Tourismus braucht und auch nachhaltigen Tourismus fördern muss. Aber das können wir andererseits eben auch von Berlin aus berichten.

Klar werden wir jetzt nicht nie wieder fliegen. Aber wir werden besser und bewusster auswählen. Und das wollen wir hiermit eigentlich Euch allen ans Herz legen. Denn wenn wir immer weiter kopflos abheben, dann gibt’s in gar nicht allzu ferner Zukunft unter anderem Überflutungen, die ganz Bangladesch unbewohnbar machen könnten. Leugnen wir das, lügen wir uns selbst in die Slowfashion-Tasche, während wir ein seltsam verregnetes Hitzerekordjahr nach dem anderen erleben.

Und so kommen wir also kaum noch drum herum, um die wirklich unangenehmen Frage: Müssen wir alle verzichten lernen? Die Antwort lautet: leider ja. Eine der härtesten Tatsachen unserer Zeit wird sein oder werden, dass wir unsere große klein gewordene Welt aufgeben müssen. Wenn wir wirklich etwas gegen den Klimawandel tun wollen, statt nur über Trump zu schimpfen, können wir nicht im gleichen Maße Fernreisen buchen, wie früher Ausflüge an die Ostsee.

Dabei mit guten Beispiel voran zu gehen, haben wir uns selbst ausgesucht – und fest vorgenommen. Gleichzeitig ist es aber auch unsere Aufgabe, zu berichten und zu dokumentieren, Anregungen zu geben und wenn man mal ganz ehrlich ist, auch Aufmerksamkeit auf uns zu ziehen. Denn damit ziehen wir auch Aufmerksamkeit auf unser Thema, das große Thema Nachhaltigkeit. Und genau das wollen wir ja. Aber reicht es dabei, dass wir für unsere Flüge grundsätzlich als eine Art Ausgleich über Atmosphäre oder MyClimate den Fußabdruck berechnen lassen und einen entsprechenden Betrag in Klimaprojekte investieren?

Auch diese Antwort ist klar, aber viel schwerer zu akzeptieren: leider nein. Deshalb haben wir uns fest vorgenommen immer öfter abzusagen. Kurze Flugstrecken sowieso. Und ab sofort eben auch Mal die Langstrecke. Zumindest als Versuch. Das klare Niemalsmehr schieben wir noch auf. Sorry, so weit sind selbst wir wohl nicht. Gezielter auswählen, wann’s sein muss und wann nicht wollen wir aber durchaus. Das wird der Teil vom Green Lifestyle, der keinen Spaß macht, der nicht gut aussieht oder erkennbaren Benefit bringt. Das wird ein Abschied. Einer mit weinendem Auge. Aber einer, der sein muss. Wirklich! Zumindest das eine oder andere Mal.

FOTOS: Marcus Werner

4 Kommentare

  1. Es tut doch , ehrlich gesagt, garnicht wirklich so sehr weh auf Langstreckenflüge zu verzichten. Ich sitze gerade gemütlich beim Campen und konnte kaum fassen wie schön das Verzascatal ist. Der letzte Urlaub ging nach St Peter Ording und der Sand war unglaublich weich und strahlend!

  2. Danke für den tollen Beitrag – ihr formuliert etwas, das so auch schon lange in mir wächst. Nur möchte (oder kann?) ich vorerst nicht aufs Entdecken der großen klein gewordenen Welt verzichten. Haltet uns auf dem Laufenden und vor allem: macht weiter so!

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