Die Facetten der Nachhaltigkeit sind vielfältig. Klar, dass wir immer wieder neue Bereiche entdecken, in denen wir uns in Richtung grünen Bereich noch verbessern können. Einen tragen wir gern mitten im Gesicht: unsere Sonnenbrille. Diese und natürlich auch Lesebrillen-Modelle sind in den meisten Fällen nämlich gemacht aus unserem Endgegner Plastik. Gut, dass es mittlerweile die Möglichkeit gibt, sich dagegen zu entscheiden – und eine weniger Erdöl basierte und besser abbaubare Version zu wählen. Von der österreichischen Brand neubau eyewear zum Beispiel.

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neubau ist nach dem gleichnamigen Wiener Kreativ-Stadtteil benannt, gehört zum Hause Shilouette und ist seit Juni 2016 als Eigenmarke als „Hommage an die Kreativität und den Zeitgeist der Millenials-Generation“ angetreten. Seitdem macht das Brillen-Label durch hochrangige Designer-Kooperationen auf sich aufmerksam. Vor allem aber auch durch einen interessanten Green-Lifesyle-Ansatz, durch Etuis ohne Klebstoff auf Cellulosebasis, Putztücher aus recycelten PET-Flaschen – und durch ein neues nachhaltiges Rahmen-Material: naturalPX.

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Was das ist, wie das geht und was es bringt? Darüber haben wir mit Global Brand Director Daniel Liktor, 38, gesprochen. Und wir haben die neuen nachhaltigen Modelle auch gleich selbst ausprobiert.

Lieber Daniel, der April 2017 stand bei neubau unter der Überschrift Nachhaltigkeit. Kommt Ihr damit vor allem dem Trend nach? Oder ist Euch die Umwelt generell ein Anliegen?

Nachhaltigkeit ist uns ein extrem ernstes Anliegen, das zusammen mit Urbanität, Authentizität und Witz einen unserer vier Markenwerte darstellt – und stetig mehr manifestiert wird.

Wie?

Wir produzieren komplett lokal. Unsere Produktionsstätte befindet sich in einem Wasserschutzgebiet, in dem die Umweltschutzauflagen härter geworden sind. Das wir hier sitzen ist zwar ein Zufall, hat uns aber auch nicht zum Umziehen bewogen. Denn wir wollen und können die Anforderungen einhalten.

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Was erst mal gar nicht so selbstverständlich klingt. Ihr müsst schließlich auch mit Chemikalien arbeiten, oder?

Klar, durch Farben und die Galvanotechnik zum Bearbeiten von Metallen beispielsweise. Das läuft hier alles unter extrem hohen Standards. Wir halten hohe Auflagen ein, um bei der Produktion den Wasser- und generell den Umweltschutz zu gewährleisten. Dazu kommen Kleinigkeiten, die den Arbeitsalltag ein bisschen grüner machen. Wir haben eine eigene Solarladestation für Elektrofahrräder, wo Mitarbeiter ihre E-Bikes aufladen können.

Das alles sind Themen, die bei unseren Mutterkonzern Silhouette schon lange verankert sind. Und bei neubau eyewear war von Anfang an klar, dass Nachhaltigkeit sogar noch ein größeres Thema sein würde. Nicht weil’s ein Trend oder sogar ein Mega-Trend ist, sondern weil wir’s als Selbstverständlichkeit ansehen. Abgesehen davon gehen wir davon aus, und wünschen uns auch, dass sich unsere Zielgruppe dafür interessiert. Über unsere Initiative „See & Do Good“ fördert neubau ein Projekt zur Stadtbegrünung in Wien, kooperiert mit einem New Yorker Bienenschutzreservat und macht gemeinsame Sache mit dem Upcyling-Label „Gabarage“ wo aus gebrauchten Materialien, neue und nützliche Produkte entstehen. Und besonders schön finde ich natürlich, dass wir unser Gedankengut jetzt wirklich auch bis ins Material spielen können.

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Ja, seit Kurzem seid Ihr dabei das Material Eurer Gestelle von Plastik auf den Polymer-Kunststoff „naturalPX“ umzustellen.

Richtig. Vorher haben wir uns dem Rohstoff bedient, den auch Silhouette für die Fertigung benutzte, und der komplett Erdöl basiert ist. Doch jetzt wurde ein Rohgranulat entwickelt, bei dem 65 Prozent stattdessen aus dem nachwachsenden Rohstoff Rizinusöl bestehen. Für neubau eyewear haben wir uns sofort für den Umstieg entschieden.

Musstet Ihr dazu in der Produktion viel Umstellen?

Das ist das Interessante: nein. Das Material lässt sich genau so verarbeiten, wie das alte Plastik. Für unsere Designs ergeben sich durch den Materialwechsel keinerlei Nachteile.

Auch was das fertige Produkt angeht?

Nein. Auch die Materialeigenschaften sind absolut vergleichbar. Unsere Brillen aus „naturalPX“ sind nicht schlechter oder kurzlebiger. Das haben verschiedene Tests bewiesen.

Und wie sieht’s mit den Kosten aus?

Die sind nicht gleich – aber nur minimal höher.

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Warum habt Ihr den Aufpreis nicht auf den Verkaufspreis umgelegt? Glaubst Du, dass die Nachhaltigkeit den Kunden und Kundinnen keinen höheren Preis wert gewesen wäre?

Doch, doch, ich würde schon davon ausgehen, dass sie für den Umweltaspekt auch mehr bezahlen würde. Aber da wollen wir als Unternehmen ganz klar ein Zeichen setzen. Wir wollen sagen: Ja, wir können und wollen eine umweltfreundlicherer Variante anbieten, ohne dass Käufer und Käuferinnen einen Nachteil erfahren.

Und die Umstellung läuft jetzt peu à peux?

Genau. Wir sind mit den drei Modellen Valerie, Bob und Dani gestartet, die schon an die Optiker ausgeliefert wurden. Und ab sofort wird eben alles, was ab jetzt an Neubestellungen kommt, direkt aus „naturalPX“ hergestellt.

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Seid Ihr damit in einer gewissen Pionierrolle im deutschsprachigen Raum?

Wir haben keine Alleinstellung in Bezug auf die Verwendung von nachhaltigen Rohstoffen. Aber wir sind in einer Pionierrolle zusammen mit höchstens zwei oder drei anderen.

Und damit macht Ihr wahrscheinlich auch Werbung – auch, um Bewusstsein für das Thema Plastik zu schaffen?

Genau. Aber nicht mit dem erhobenen Zeigefinger. Wir machen das nicht belehrend, sondern subtil. Zum Beispiel mit unserer aktuellen Kampagne.

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Mit The Frame Of Mind hat neubau einen auch einen relativ neuen Blog – auf dem wir ja netterweise auch schon vorgestellt wurden. Wollt Ihr die Seite künftig auch noch mehr zur Aufklärungsarbeit in Sachen Nachhaltigkeit nutzen?

Mit dem Blog wollen wir vor allem den neubau-Lifestyle an unsere Kunden und Kundinnen weitergeben. Dabei ist die Marke in drei von vier Bereichen präsent. Alle anderen beschäftigen sich allein mit Inhalten. Und da kann Aufklärung durchaus auch ein Thema sein. Aber wie gesagt: ohne Dogma!

In den letzten Monaten hat man Euch unter anderem bei Shows von Grinko in Mailand und Hien Le in Berlin auf den europäischen Laufstegen gesehen. Warum setzt Ihr auf so hochwertige Fashion-Koops?

Was wir damit zeigen wollen ist, dass unsere Produkte vom Design her so stark sind, dass Fashion-Designer sie mit auf den Laufsteg schicken.

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Ist ein gutes Design wichtig, um überhaupt ein grünes Produkt verkaufen zu können?

Nein, das glaube ich nicht grundsätzlich. Ich denke eher, dass es da zwei Seiten der Medaille sprich der Herangehensweise gibt. Und bei der Entscheidung für eine von beiden kommt’s ganz klar auf die Branche an, in der man sich bewegt. Geht es beispielsweise um Lebensmittel, halte ich Verpackung und Design für relativ unwichtig. Ich persönlich gehe am liebsten zum kleinen Bio-Tante-Emma-Laden um die Ecke, der Demeter-Ware hat und messe die Qualität fast sogar eher danach, ob auch mal eine verschrumpelte Möhre im Gemüseregal liegt. In einem solchen Bereich finde ich die Optik relativ unwichtig, beziehungsweise auch wenn sie öko aussieht, völlig oder sogar besonders passend.

Im Lifestyle-Bereich ist das natürlich was anderes. In der Mode sowieso aber auch in Bezug auf Brillen finde ich es durchaus wichtig, dass das Produkt schön und zeitgemäß verpackt ist. Vor allem wenn Du die breite Masse erreichen willst. Anderenfalls landest Du immer in der Nische.

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FOTOS: Marcus Werner

Dieser Artikel erscheint in freundlicher Zusammenarbeit mit neubau eyewear

4 Kommentare

  1. Schöne Fotos sind das und toll, dass sich das Nachhaltigkeitskonzept bei neubau durch sämtliche Produkte und auch Verpackungen durchzieht. Ich finde es wirtschaftlich (vielleicht sogar sozio-ökonomisch) betrachtet nachhaltig von fossilen auf nachwachsende Rohstoffe umzusteigen. Es mag auch Biokunststoffe geben, die tatsächlich umweltfreundlicher sind. Bei einem Drop-In, wie beschrieben, würde ich solche Claims aber nur machen, wenn eine Ökobilanz diese auch belegen kann. Viele Biokunststoffe haben da (aktuell noch) Trade-Offs. Und: Ein biobasiertes Plastik ist Plastik. Tolle Modelle – insbesondere Diana gefällt mir gut!

    • Anna Schunck

      Vielen Dank für den Hinweis, liebe Julia! Wir bleiben zum Thema – auch generell – auf jeden Fall am Ball! Dir einen schönen Abend und viele Grüße aus Berlin-Brandenburg, Marcus & Anna

  2. Wir sind Fan deiner Bilder!
    Besser hätte man die nachhaltige Linie x Neubau nicht präsentieren können.

    Liebe Grüße,
    Rebecca und Lara [www.moresmore.com]

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