Schlagworte in die Online-Suchmaschine tippen wenn man etwas wissen will: für uns einer der liebenswertesten Vorteile der digitalisierten Gesellschaft – und für die meisten mittlerweile alltägliche Routine wie Essen kochen wenn man Hunger hat. Teilweise suchen wir uns durch einen ganzen (Arbeits-)Tag. Warum nicht gleichzeitig auch noch was Gutes aka Grünes tun?

Allen, die daran Interesse haben, bietet die Suchmaschine Ecosia ihre Dienste an. Wer dort sucht, setzt sich automatisch für einen höheren Baumbestand ein. Allein Anna hat seit Juli im übertragenen Sinne schon mehr als 700 Bäume gepflanzt. Woher wir das wissen? Zeigt die Seite ihren Nutzern netterweise oben rechts immer aktuell an. Ein gutes Gefühl! Das durchaus darüber hinweg tröstet, dass es bei Riesen-Konkurrent Google leider immer noch ein ganz kleines bisschen mehr Suchergebnisse gibt. Als Zweitsuchmaschine aber ist Ecosia unsere absolute Nummer Eins!

Und offenbar gibt’s generell viele Fans: Gerade konnte Ecoisa die 5 Millionen-Bäume-Grenze knacken. Grund genug für ein Gespräch mit Head of Media Relations Jacey Bingler:

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Liebe Jacey, Bäume pflanzen mit Ecosia, bitte erklär doch noch Mal ganz easy, wie genau das praktisch läuft.

Wie bei jeder anderen Suchmaschine auch wird bei Ecosia Werbung neben den regulären Suchergebnissen angezeigt. Jedes Mal, wenn ein Nutzer auf so eine Anzeige klickt, werden wir von unserem Partner Bing und dessen Werbetreibenden bezahlt. Diese Werbeeinnahmen nutzen wir, um unsere laufenden Kosten wie Personal, Büromiete, Server und Hosting zu decken. Vom Gewinn spenden wir dann jeden Monat mindestens 80 Prozent direkt an unsere Baum-Pflanzprojekte. Das sind mittlerweile mehr als 100.000 Euro finanzieller Unterstützung monatlich.

Und welche Projekte fördert ihr aktuell?

Unsere Projekte sind derzeit PUR Projet in Peru, The Eden Projects in Madagaskar und WeForest in Burkina Faso.

Warum habt ihr euch bei der Förderung speziell auf das Anpflanzen von Bäumen festgelegt?

Bäume sind die effizientesten CO2-Filter der Welt. Dass sie gut für die Umwelt sind, ist also schon mal klar. Sie können zudem ganze Landschaften und Ökosysteme verändern und wertvollen Lebensraum für mehr Biodiversität und bedrohte Tierarten schaffen. Außerdem helfen Bäume in kargen Gegenden auch die Wüste in Schach zu halten, den Wasserzyklus wieder in Gang zu bringen und trockene Böden wieder in fruchtbares Ackerland zu verwandeln.

So können die neuen Bäume ganze Dörfer ernähren. Die Gemeinden rund um die Pflanzgebiete können Obst und Gemüse, Samen und Kräuter für ihren eigenen Verbrauch ernten oder auf den lokalen Märkten verkaufen. Von den Einnahmen können sie Medikamente bezahlen, ihre Kinder zur Schule schicken und stabilere Unterkünfte bauen. Durch die Arbeit im Pflanzprojekt erhalten Frauen ein eigenes Einkommen, Männer müssen nicht mehr meilenweit reisen, um Geld zu verdienen. Das erlaubt den Familien dann in den fruchtbaren Waldregionen sesshaft zu werden anstatt auf der Suche nach Einkünften ihre Heimat verlassen zu müssen.

Wer Bäume pflanzt, unterstützt also nicht nur die Umwelt, sondern hilft vor allem die politische, wirtschaftliche und gesundheitliche Situation rund um die Pflanzgebiete zu stabilisieren. Ziemlich beeindruckend, oder?

Absolut! Geht es Ecosia darüber hinaus trotzdem auch noch darum, hier bei uns das Thema Aufforstung – und damit auch Nachhaltigkeit, Green Lifestyle und Co. – weiter in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken?

Ganz richtig! Wir wollen vor allem zeigen, dass auch ohne Spenden von außen neben der fairen Bezahlung von Mitarbeitern und so weiter in einem Geschäftsmodell viel Platz für Spenden sein kann. Wir hoffen, dass immer mehr Unternehmen sich das Prinzip Social Business ansehen und wenigstens einen kleinen Teil ihrer Gewinne spenden.

Euer Kooperationspartner ist Microsoft Bing. Warum nicht die noch beliebtere Plattform Google?

Zu Beginn war sogar eine Kooperation mit Google vereinbart, die Google aber zwei Tage vom Ecosia-Launch im Dezember 2009 gekündigt hat. Die Begründung: Durch eine direkte Verbindung zwischen Klicks auf Werbung und einem guten Zweck würde der Nutzer verführt ohne Interesse sinnlos auf Werbung zu klicken um mehr Werbeeinnahmen für den guten Zweck zu generieren, was Googles Werbetreibenden schaden würde. Bereits in 2009 gab es präzise, technische Lösungen beliebige oder betrügerische Klicks auf Werbung herauszufiltern und damit zu verhindern, dass Werbetreibende zu schaden kommen. Das Argument lässt sich also gut entkräften.

2014 kam heraus, dass Bing schmutzigen Strom genutzt hat. Wie ist der aktuelle Stand.

Microsoft nutzt nach eigenen Angaben nur noch Ökostrom aus nachhaltigen Energiequellen.

Und was sagt ihr Leuten, die etwa aus Gründlichkeitsgründen, noch andere Anbieter als Ecosia zum Suchen vorziehen?

Solange Nutzern bewusst ist, dass es ausgezeichnete Alternativen zum Marktführer gibt, zu denen man ganz leicht mit nur wenigen Klicks wechseln kann, finden wir, dass jeder Nutzer die Suchmaschine nutzen sollte, die im am meisten liegt. Solange es nur ein bewusste Entscheidung ist. 

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Das Ecosia-Team wirkt bei unseren Treffen zumindest von außen immer sehr harmonisch, fröhlich und motiviert. Was macht dir oder euch persönlich bei der rbeit besonders viel Freude?

Selbst wenn man nach einem eher mittelmäßig erfreulichen Tag – und den gibt’s trotz kuscheligem Büro, gemeinsamen Frühstück und immer Mal wieder arbeiten aus dem Ausland sogar bei uns – nach Hause geht, weiß man immer: Die Idee ist top und vollkommen unterstützenswert. Niemand steckt sich heimlich etwas in die Tasche. Und alle Kollegen glauben wirklich an die Sache. Das ist unbezahlbar und wenn man einmal dabei ist, kann man sich auch nicht mehr vorstellen für ein Unternehmen zu arbeiten, dem hauptsächlich Aktienwerte und Investorenbefriedigung am Herzen liegen.

Was wünschst du dir Ihr für die Zukunft von Ecosia?

Dass wir irgendwann genug Nutzer haben um unser großes Ziel erreichen: eine Milliarde Bäume zu pflanzen zu. Die Idee mit etwas so nützlichem und einfachem wie einer Suchmaschine den Planeten aufzuforsten ist so cool, das muss einfach was werden!

Und letzte Frage: Welche Tipps hast du für Menschen, die auch direkt noch mehr für mehr Grün beziehungsweise für mehr Bäume tun wollen.

Viele Kleinigkeiten in den Alltag integrieren und beibehalten ist oft nachhaltiger und effektiver als sich an wenigen, riesigen Lebensumkrempelungen zu probieren, daran zu verzweifeln und anschließend alles wieder aufzugeben. Kleinvieh macht tatsächlich richtig viel Mist – zum Beispiel 5 Million Bäume – und das darf man sich nicht schlecht reden lassen.

Wir sind nicht alle dazu geboren uns an Castor-Transporte zu ketten oder bei Charity Events dicke Checks zu unterschreiben. Aber mit kleinen, bewussten Aktionen und Entscheidungen können wir alle viel ausrichten. Es gibt immer mehr richtig gute Alternativen, wir müssen sie nur nutzen und damit gleichzeitig mehr Druck auf die ganzen Branchenriesen ausüben. Wenn die dann irgendwann mitziehen – oder mitziehen müssen, geht es richtig bergauf!

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FOTOS: Ecosia

2 Kommentare

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