Schminkst du dich noch oder pflegst du schon? Die Hamburger Haar- und Make-Up Artistin Lisa Scharff benutzt privat und im Job nur noch natürliche Produkte. Mit Erfolg! Unsere Kolleginnen vom wunderschönen Eco-Mag Peppermynta haben für ihre Rubrik Pep Talks mit Lisa über Naturkosmetik gesprochen – über gängige Vorurteile, vor allem aber über die unschlagbaren Vorteile organischer Pflegeprodukte. Here we go:

Liebe Lisa, wann und warum hast du angefangen, dich für Naturkosmetik zu begeistern?
Bei mir war es im wahrsten Sinne des Wortes ein organischer Prozess! Es fing vor circa zwei Jahren an, dass ich mich aus Interesse sehr viel mit dem Thema gesunde Ernährung beschäftigt habe. Eine Zeit lang habe ich sogar zu 100 Prozent vegane Kosmetik ausprobiert. Durch meine Recherche bin ich, auch berufsbedingt, relativ schnell auf das Thema Naturkosmetik gestoßen. Das war zu diesem Zeitpunkt vor allem international schon viel mehr verbreitet und gerade online und auf Blogs cooler aufgemacht, als in Deutschland. Die Informationen über herkömmliche Kosmetik und vor allem das Wissen über deren Inhaltsstoffe haben mich ziemlich geschockt. Deshalb habe ich mich mich entschieden, meine Produkte umzustellen. Daraufhin probierte ich viel aus, Pflege- und Make-up Produkte, und war ziemlich schnell überzeugt.

Gab es ein Aha- beziehungsweise eine Art Erweckungserlebnis?
Ein Aha-Erlebnis: Mein Gesichtsöl war aufgebraucht und ich hatte noch etwas von meiner alten konventionellen Gesichtscreme – zwei Minuten nach dem Auftragen hat meine Haut darauf mit allergischen Flecken reagiert. An diesem Punkt war für mich klar, dass es nicht mehr zurückgeht. Aus dieser Entscheidung heraus startete ich mehrere Testphasen. Die Ergebnisse waren so aussagekräftig, dass ich eine echte Leidenschaft für organisches Make-Up entwickelte. Daraufhin beschloss ich, auch in meinem Job nur noch mit Naturkosmetik zu arbeiten. Mittlerweile gibt es so tolle Produkte, die den üblichen Mainstream-Marken in nichts nachstehen – ganz im Gegenteil.

unbenannt-0036-34 unbenannt-0036-35-2

Inwiefern haben sich dein eigenes Schminkverhalten und dein Hautbild seitdem verändert?
Ich muss ja zugeben: So richtig Probleme mit meiner Haut hatte ich zum Glück nie. Aber ich habe eine echte Schwäche für pure Öle aus Hagebutte oder Argan entwickelt und merke richtig, wie meine Haut die konzentrierten Inhaltsstoffe aufsaugt und sich extrem genährt anfühlt. Da meine Haut sehr trocken ist und schnell spannt, ist das für mich nach der Reinigung das Wichtigste! Früher hatte ich gerade im Sommer gerne einmal Pusteln durch eine Allergie. Das ist komplett zurückgegangen. Und meine Haut ist definitiv noch weicher und glatter als vorher.

Beim Schminken gilt bei mir vor allem Weniger ist mehr. Klingt abgedroschen, ist aber wirklich etwas dran. Es gibt ein paar tolle und natürliche Basic Produkte, die ich morgens benutze, um etwas frischer auszusehen. Auch hier liebe ich ölbasierte Creme-Produkte wie zum Beispiel von RMS oder Kjaer Weis. Davon brauche ich erstens weniger, weil diese so konzentriert sind und zweitens kann man sie total gut mischen oder ein Creme-Rouge zum Lippenstift umfunktionieren. Am Anfang war das ungewohnt, aber auf der Haut fühlt es sich richtig gut an. Vor allem mit dem Wissen über die guten Wirk- und Inhaltsstoffe darin.

Warum glaubst du, gibt es immer noch so viele Menschen, denen es völlig egal ist, was sie sich auf die Haut schmieren?
Ich glaube, dass bei vielen Menschen das Bewusstsein für dieses Thema einfach noch nicht da ist. Sie wissen schlichtweg nicht, was da beispielsweise in ihrer täglichen Creme drinsteckt. Natürlich gibt es gerade jetzt, wo das Thema Naturkosmetik so richtig boomt, viele Informationen und Artikel darüber. Aber eben noch nicht genug. Ich denke es ist wichtig, dass mit dem Thema an sich noch viel mehr Leichtigkeit und Spaß vermittelt wird. Viele sind mit dem Strom an Informationen und Produkten auch überfordert und wissen nicht, wo sie anfangen sollen.

unbenannt-0036-262

Wie erklärst du „absoluten Beginnern“, warum sie Naturprodukte benutzen sollten?
Oh, es gibt wahnsinnig viele Punkte und Fakten, die dafür sprechen ab sofort Naturprodukte zu benutzen. Am liebsten sage ich am Anfang immer: Deine Haut ist dein größtes Organ. Wusstest du, dass sie bis zu 60 Prozent aller chemischen Inhaltsstoffe aus Pflege-, Make-up- und Haarprodukten oder Parfums absorbiert? Noch genauer: Fast alle konventionellen Beauty-Produkte (selbst Babyprodukte) enthalten giftige Stoffe wie Parabene, PEGs, Silikone, Mineralöle, Sulfate und Parfum – um nur einige zu nennen. Viele davon wirken in unseren Körpern hormonverändernd und können teilweise krebserregende Eigenschaften mit sich tragen oder direkt in Verbindung mit Allergien oder Ausschlägen stehen. Die Durchschnittsperson benutzt täglich um die zehn verschiedenen Produkte auf ihrer Haut und nimmt damit bis zu 130 Chemikalien in ihren Blutstrom auf – das ist schon heftig, finde ich.

Durch diese Informationen fangen die meisten wirklich an, ihre Routine einmal zu überdenken. Vor allem die, die schon auf Bio-Lebensmittel setzen und gesund leben. Naturkosmetik ist quasi nur die logische und natürliche Erweiterung und Ergänzung für die Gesundheit.

Wichtig ist mir, zunächst einmal das oben genannte Bewusstsein zu wecken und darauf aufmerksam machen. Und zum Schluss die gute Nachricht: Es gibt so unglaublich tolle Marken und organische Produkte zu entdecken. Der Markt wird immer größer und mittlerweile wird wirklich jeder fündig. Einfach mal ausprobieren – es macht Spaß!

Welche sind die größten Irrtümer, die es in Bezug auf Naturkosmetik gibt?
Ich denke, gerade im Bereich Make-up gibt es noch zahlreiche Frauen, die davon überzeugt sind, Naturprodukte funktionieren nicht. Klar, es ist eine Umstellung. Aber die heutigen Produkte performen inzwischen 1:1 im Vergleich zu konventionellen. Man muss nur wissen welche, und wie sie anzuwenden sind. Ich glaube, viele betrachten das Thema zu einseitig. Wenn man Hautprobleme hat und ab jetzt nur noch Naturkosmetik benutzt, heißt das nicht automatisch, dass diese dann verschwinden. Ein ebenso großer und wichtiger Faktor ist und bleibt die Ernährung. Wenn der Stoffwechsel nicht richtig arbeitet und das Immunsystem schwach ist, der Körper nicht genug Nährstoffe oder die richtigen Vitamine erhält, kann so viel gecremt werden wie man will – es wird sich nichts verändern! Schönheit von innen und außen, die Kombination aus beidem, das bringt die besten Erfolge.

unbenannt-0036-66

Wie reagieren die Menschen, die du schminkst, auf die Naturprodukte, die du verwendest?

Also bis jetzt wirklich überwiegend positiv und interessiert. Meistens sind sie auch erstaunt, dass es wirklich funktioniert. Aber das kommt erst, nachdem ich fertig bin. Wenn ich vorher, zum Beispiel dem Fotografen, erzähle, ich arbeite nur mit Naturkosmetik, kommt da meistens noch ein skeptischer Blick… Models, die ja oft extrem empfindliche Haut haben, weil sie tagtäglich mit Dutzenden von Make-up Produkten in Berührung kommt, freuen sich über die Produkte und wollen wissen, wo man das eine oder andere Produkt bekommen kann. Vor allem höre ich oft, dass es sich wirklich gut und angenehm auf der Haut anfühlt.

Was würdest du dir für den deutschen Naturkosmetik-Markt wünschen?
Ich würde mir wünschen, dass noch viel mehr deutsche coole Marken entstehen, die organische Make-up Produkte machen. Im Moment sind uns da meiner Meinung nach, vor allem Australien und Amerika in punkto Design und Aufmachung weit voraus. Dennoch: Es werden ja immer mehr, und ich freue mich jedes Mal wie ein kleines Kind, etwas Neues testen zu können!

DIESES INTERVIEW IST ZUERST ERSCHIENEN AUF: peppermynta.de  Bildschirmfoto 2016-08-29 um 09.52.32

FOTOS: Elena Zaucke

Einen Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*