Sie sind klein, elektrisch und heißen SION, Streetscooter oder ETaxi. In Deutschland rollt eine neue Generation von Elektroautos an – und alle haben eins gemeinsam: Sie kommen nicht von den traditionellen Autobauern. Vielmehr nehmen die Macher hinter den einzelnen Projekten das elektronische Ruder selbst in die Hand und zeigen damit den großen Autokonzernen den Mittelfinger: „Wenn Ihr es nicht macht, bauen wir die Zukunft eben selbst“.

Viel zu zögerlich haben die alten Autokonzerne in den letzten Jahren auf den sich anbahnenden Switch reagiert. Zwar haben alle das eine oder andere Elektroauto im Portfolio, aber die meisten Modelle wirken bisher eher uninspiriert und bauen oft auf alten Modellen auf, in denen irgendwo noch Batterien untergebracht werden. Statt wirklich ein besseres Produkt zu präsentieren, bleiben die Angebote der Autobauer an die Zukunft der Mobilität noch weit hinter den fossilen Modellen zurück. Das Kernproblem: es dauert viel zu lange, den Akku für viel zu wenig Reichweite wieder aufzuladen.

Hier kommen die Kleinen ins Spiel, die gegenüber den großen Unternehmen einen gewaltigen Vorteil haben: Sie unterliegen keinem Marktdruck und können unabhängig von einer bereits bestehenden Modellflotte und Infrastruktur arbeiten. Das bereitet die Grundlage für freies Denken und frische Ansätze.
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Das Projekt SION von SonoMotors stattet sein Auto zum Beispiel mit Solarzellen auf dem Dach aus, die am Tag bis zu 30 Kilometer Reichweite generieren können. Warum auch nicht? Technisch ist dies heute kein Problem mehr. Zudem gewährt SION das Aufladen des Akkus mit der TESLA-Geschwindigkeit von 43 KW. Die Modelle von Mercedes, BWM und Co liegen ausgebremst zwischen 3,6 KW und 11 KW und brauchen viel zu lange, um wieder aufgeladen zu sein. Das macht die Fahrzeuge unattraktiv für einen Massenmarkt, der es im fossilen Bereich gewohnt ist, dass ein Auto nach fünf Minuten betankt ist.

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Einen noch radikaleren Weg geht das neue City eTaxi. Das Besondere ist, dass sich die Entwickler vom traditionellen Geschäftsmodell der Autoindustrie verabschieden und damit einen Paradigmenwechsel vorausahnen lassen. Besitz, Größe, Schnelligkeit und Luxus sind demnach keine Kategorien mehr, in denen in Zukunft gedacht wird. Vielmehr spielen Zweckmäßigkeit, Verbrauch und ökologische Gesichtspunkte eine viel größere Rolle.

Dass es im Auto keine fest eingebauten Akkus gibt, sondern ähnlich wie bei Digitalkameras schnell zu wechselnde Batterien, ist hierbei fast die kleinere Randnotiz. Die sich daraus ergebenden neuen Geschäftsmodelle rund um das vernetzte Auto sind um ein Vielfaches interessanter. Vom Batterieleasing über das kollaborative Fahren und Mieten des Autos bis hin zur Nutzung als Zwischenspeicher für Energie – ein sinnlos herumstehendes und wertvollen Platz verschwendendes Auto soll es in Zukunft nicht mehr geben.

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Zwar sind die oben genannten Beispiele noch in der Entwicklungs- und Erprobungsphase, dass die Realisierung aber auch sehr schnell gehen kann, zeigt das Beispiel Streetscooter. Dieser wurde an der TU in Aachen entwickelt und war für die Deutsche Post so überzeugend, dass sie das Unternehmen gleich gekauft hat und nun eine eigene, elektrische Zustellflotte aufbaut. Da wären wir dann auch wieder beim besagten Mittelfinger, der bei den Entscheidern der traditionellen Autobauern wie ein kleiner, unbequemer Stachel wirken sollte. Schließlich reden wir hier von regionalen und studentischen Projekten.

Die wahre Konkurrenz sitzt drüben im Silicon Valley und heißt Tesla, Google oder Apple – frische Ideen und innovative Ansätze inklusive. Es braucht daher mehr Mut und vor allem den Willen, die Automobilindustrie in eine elektrische Zukunft zu führen. Die fossile Vergangenheit macht nicht nur unser Klima kaputt, sondern gefährdet zudem auch noch den Automobilstandort Deutschland.

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