„Neulich im Café, da bestellt sich einer ’n Espresso to go. Und ich denke: Wohin willst Du damit gehen? Zur nächsten Mülltonne?“ Dieses schöne Zitat ist nicht von uns, sondern so oder so ähnlich aus einem der Musikstreams von RadioLoveLove. Und: Es ist uns noch unwiderruflicher im Gedächtnis geblieben, als der garantiert gute Musikmix dazu. Denn es ist so wahr! Und es ist so bescheuert. Sollte sich nicht jeder von uns zumindest die Qualitytime nehmen, die es dauert, drei Schlückchen Espresso „für hier“ zu trinken? Die Antwort ist ja. Und wenn schon nicht für sich selbst, dann bitte spätestens für die Umwelt.

Denn die leidet unter dem Drang dauernd ein Heißgetränk mit sich herum tragen zu müssen in fast unfassbarem Maß: 320.000 Einweg-To-Go-Becher werden in Deutschland jede Stunde weg geworfen. Jede Stunde! Jährlich sind’s laut Deutscher Umwelthilfe (DUH) rund 2,8 Milliarden.Zur Veranschaulichung: Mit dieser Anzahl könnte man jeden Tag eine Becherschlange von Berlin nach Venedig legen. Da fragt man sich doch, wie der ganze Müll überhaupt in die Abfalleimer passt. Ungetrennt übrigens! Denn so ein Becher ist aus Plastik, immer. Nicht nur die runde Schnabelkappe besteht aus dem miesen Material, das nicht abgebaut werden kann. Auch der vermeintliche Pappbecher dazu ist von innen mit Kunststoff beschichtet und wird damit statt zu Papier- ebenfalls zu Plastikmüll. Und wir erinnern uns: Every Piece of Plastic Ever Made Still Exists Today. Wohin auf Dauer mit dem ganzen, sorry, Scheiß?

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Ein Scheiß, der By The Way natürlich auch ständig neu produziert werden muss. Denn, wie der Name schon empfiehlt, benutzt kaum ein Mensch einen Einwegbecher zwei Mal. Und so liegt die durchschnittliche Lebensdauer eines To-Go-Cups bei 15 Minuten. Ein Viertelstündchen Nützlichkeit, für das jährlich 43.000 Bäume gefällt, 11.000 Tonnen Kunststoff verarbeitet und 1,5 Milliarden Liter Wasser verbraucht werden. Bei der Produktion entstehen außerdem etwa 83.000 Tonnen CO2.

Vor lauter Schockstarre in Anbetracht dieser Zahlen ist uns der Espresso längst kalt geworden. Wer im Gegensatz zu uns bis hier her cool bleibt, dem sei noch gesagt, dass alles, was der Umwelt schadet potenziell auch schädlich für uns Menschen ist: Im Becher-Plastik sind fast immer giftige Weichmacher, wie beispielsweise perfluorierte polymere oder potenziell hormonelle Stoffe wie Polystyrol. Und diese Chemikalien lösen sich in Hitze (Kaffee) und Fett (Milch) besonders schnell und erfolgreich auf – können vom Körper aber nur sehr langsam wieder abgebaut werden. Eine gesundheitliche Beeinträchtigung kann laut Verbraucherzentrale nicht komplett ausgeschlossen werden.

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Kein Wunder, dass nicht nur in der Berliner Regierung seit Jahren um Besteuerung oder gleich um ein ganzes Verbot für Einweg-To-Go-Becher gekämpft wird. Und nicht, dass es uns generell besonders liegen würde, ständig nach Regeln und Gesetzen zu schreien: In diesem Fall wär’s wirklich besser!

Klar wollen auch wir dann und wann statt dem Espresso mal einen großen Milchkaffee bestellen – und mitnehmen. Und klar wissen auch wir, dass nichts eine Busfahrt durch den Regen so aufwertet, wie ein warmes Getränk in der Hand. Verzichten wollen und müssen wir darauf zum Glück ja auch nicht, nur auf die ollen Einwegbecher. Und zwar konsequent und ab sofort! Wir sagen tschüss, bis nie, doofe Plastikmüllschleudern –  und schlürfen was wir unbedingt mitnehmen wollen ruhigen Gewissens aus Alu- oder Keramikbechern oder einfach aus alten Schraubgläsern, die man für alles mögliche ruhig einfach mal in der Handtasche haben kann. Just try it!

FOTOS: Marcus Werner

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