Kooperation statt Konkurrenz: Wiebke Clef launcht Collab-Label

„Add something better“ ist der Slogan von Addition. Und damit meint Brand-Chefin Wiebke Clef mehr als das Gewisse Extra in unserer Eco Fair-Fashion Garderobe. Hinter den Statementpiece-Kulissen sind’s vor allem langersehnte Synergieeffekte, die sie damit auch über den super hippen Teil der Green-Bubble hinaus hinzufügt. Jede Kollektion ist eine Kooperation. Und nach unseren liebsten Boots in Zusammenarbeit mit Werner Schuhe und Harold’s Bags kommt diese Woche die zweite Kollektion: Eine kleine Knaller-Auswahl an modernen und gleichzeitig zeitlosen Kleidern, Röcken und Oberteilen, die Jahreszeiten übergreifend das gewissen Etwas in unsere Outfits zaubern können. Wie es dazu kam, warum wir überhaupt noch neue Teile brauchen und wieso wir zusammen auch in der Mode weniger allein sind? Wir haben die Gründerin der Hamburger Glore-Stores gefragt:

Liebe Wiebke, danke für den Leo-Print! Lieb’ ich seit ich denken kann, kriege ich Second Hand – aber bisher kaum in eco-fair. Was Dich inspiriert?

Eigennutz! (lacht) Ich liebe Leo-Print nämlich selbst – und habe ihn auch so noch nicht wirklich gefunden.

Wir kennen Dich als Top-Einkäuferin. Bei Glore finden wir schon viel von dem, was ein zeitlose skandinavischer oder aktueller Streetwear-Look braucht. Was hat Dir noch gefehlt?

Der Leo-Print ist tatsächlich das beste Beispiel. In meiner Welt gehört er mittlerweile zu den klassischen Prints. Dass bisher keine unserer Brands Leo wirklich umgesetzt hat, ist eine der Motivationen dafür, dass es Addition gibt. Manche Themen oder Trends werden in unserer kleinen grünen Mode Bubble einfach nicht oder nicht genug umgesetzt.

Was fehlte den Brands, denen Du mit addition noch das gewisse Etwas hinzufügst?

Manchmal etwas Mut, würde ich sagen.

Sind wir da gemeinsam immer stärker? Vor allem, wenn es um so große Veränderungen, wie die der Textilindustrie geht?

Ganz klar ja. Egal um welches Thema es geht.

Welche Synergien werden in der Branche noch zu oft verschenkt oder zu selten genutzt?

Einige! Ich finde, dass wir viel mehr zusammenarbeiten, Erfahrungen teilen und mit nutzen sollten. Es ist doch auch spannend sich innerhalb der Branche mit anderen zusammenzutun, neue Ideen umzusetzen, vielleicht auch neue Wege zu gehen und neue Kund:nnen anzusprechen. Es geht doch darum möglichst viele Menschen von einem nachhaltigeren, bewussteren Konsum zu überzeugen. Da sollten wir alle an einem Strang ziehen, uns nicht als Konkurrenten sondern als Team für die gleiche Sache sehen. Ich finde es beispielsweise super, wenn sich verschiedene Vertriebsagenturen in dieser besonderen Orderzeit zusammentun, um es ihren Kund:innen leichter und angenehmer zu machen.

Ist dafür noch immer genug Platz, auf einem Green-Fashion-Markt, auf dem plötzlich alle mitspielen wollen?

Es tut sich zwar gerade recht viel – und ja, alle wollen ein bisschen mitspielen – aber Ziel sollte es doch sein, alle Konsument:innen da draussen von nachhaltiger Mode zu überzeugen. Bis wir das geschafft haben, ist noch viel zu tun – und sehr viel Platz.

Welche sind die größten Benefits aus den Addition-Kooperationen? Was könntest Du alleine nicht so gut machen, wie mit anderen?

Die Expertise und die Erfahrungen der beiden Brands was die Produktion angeht ist Gold wert. Wir hätten allein zum Beispiel niemals Schuhe gemacht, weil das Thema viel zu komplex ist und wir davon zu wenig Ahnung haben. Mit unserem Partner an der Seite konnten wir aber genau das umsetzen, was wir uns vorgestellt hatten und von dem wir denken, dass es auf dem Markt und in unserem Sortiment gefehlt hat.

Du bist schon lange im Fair Fashion-Game. Warum hat es 11 Jahre gedauert, bis Du vom Store zur eigenen Brand gekommen bist?

Ich hab den Store komplett ohne Vorkenntnisse eröffnet und musste mich in das ganze Einzelhandel-Game erstmal eingrooven. Und viel lernen, sehr viel! Ich liebe es Dinge einfach zu machen und auszuprobieren. Aber dieses learning by doing erfordert natürlich Zeit. Mittlerweile bin ich sicher was den Store angeht, weiss wie was läuft und konnte mir ein spitzen Team und eine gute Basis aufbauen – auch wenn die, zugegebenermaßen durch die Pandemie gerade ganz schön ins Wanken gerät. Trotzdem konnte ich darauf aufbauen und mich jetzt an etwas Neues heranwagen.

Trotz Corona.

Natürlich war und ist die momentane Lage sehr herausfordernd. Wir haben 2020 im ersten Lockdown gegründet und uns entschieden, dass wir den Label-Weg gehen wollen. Wie lange die Pandemie dauert, hatte ich unterschätzt. Und sie stellt uns emotional und vor allem finanziell wirklich vor einige Herausforderungen.

Was treibt dich trotdzem?

Wie tief überzeugt ich von Addition bin. Und es hilft mir tatsächlich auch viel zu tun zu haben und mich immer weiter zu bewegen, ich brauch das irgendwie.

Und bist dabei immer eine Teamplayerin: Auch auf dem Brand-Blog und auf Social Media spielen das Miteinander und miteinander Lernen in Form der Addition-Musen eine wichtige Rolle. Welche Message möchtest Du selbst mit möglichst vielen anderen teilen? 

Alles, das sich meines Erachtens auch zu einhundert Prozent in Addition widerspiegelt: Lasst uns uns immer für die bessere Alternative entscheiden, egal um was es geht.

Wer oder was ist Deine ganz persönliche Muse? 

Vieles um mich herum, vor allem aber wohl die Natur in der ich lebe und mein starkes, tolles Team.

Was war das letzte, was Du über nachhaltige Mode gelernt hast? 

Etwas was ich immer wieder neu lerne und mich immer wieder überrascht: um sicher zu gehen, dass irgendetwas wirklichh nachhaltig ist, sollte immer doppelt nachgefragt werden.

Eins unserer krassesten Learnings war, dass wir mit den bereits existierenden Kleidern die ganze Welt für 30 Jahre anziehen könnten. Müssen wir überhaupt noch Neues adden? Warum?

Eigentlich natürlich nicht. Wir können auch wirklich über Mode und deren Wichtigkeit streiten. Ich glaube aber, dass Mode immer Bestand haben wird. Es ist ein so emotionales Thema und viele drücken sich bewusst oder unbewusst darüber aus. Dafür bietet Addition eine gute, bessere Alternative. Wir werden die Menschen nicht dazu kriegen, nicht mehr zu konsumieren. Vielleicht schaffen wir es, dass es weniger wird.

Schaffen wir den Systemwandel im Kleinen und mit unserem Kassenbon als Stimmzettel – oder müssen wir über die Kaufentscheidung hinaus politisch werden?

Ich glaube das wichtigste ist, dass wir uns immer wieder bewusst machen, dass jeder Schritt zählt. Jede bessere Entscheidung hilft. Vor allem Auflärung und Wissen ist da  das  Mittel der Wahl. Je mehr wir wissen, desto bessere Entscheidungen werden wir treffen.

Der Addition-Slogan ist „add Love and Sustainability“. Welcher Bereich außer Mode braucht Deines Erachtens noch mehr Love?

Ganz klar: Selflove! Wenn wir alle mehr bei uns wären und mehr auf uns hören würden, wir einfach besser zu uns wären und unsere Gefühle und Bedürfnisse ernster nehmen würden, müssten wir uns weniger vergleichen und viele negative Emotionen und Gedanken würden verfliegen. Wenn wir uns alle besser selbst lieben würden, gäbe es weniger Hass und Wut und die Welt wäre eine bessere. Also los geht’s: Add selflove!

Ok! Danke für Deine Zeit und alles Gute für Addition, liebe Wiebke.

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