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Die Zukunft ist negativ

Machen wir uns nichts vor. Das mit der Weltrettung wird wohl nix mehr. Nachdem wir letztes Jahr einen kleinen Klimahype hatten, sind wir doch gerade wieder dabei uns im Klein-Klein unseres gesellschaftlichen Alltags zu verlieren. So funktioniert nun mal Aufmerksamkeit und eben Hype: er hält eine Weile an und dann wird’s irgendwann langweilig und man braucht einen neuen Aufreger. Sogar mit immer neuen Rekordtemperaturen, wie gerade im Januar (und sehr wahrscheinlich auch im Februar 2020) kann man nicht mehr wirklich punkten. Ist ja auch irgendwie geil, seinen Flat White (mit Hafer) schon im Winter im Straßencafé in der Sonne zu trinken. 

Nein, dieses große Ding Klimawandel ist ein bisschen zu groß für uns. Wir brauchen es kleiner und konkreter. Wie zum Beispiel ein paar Waldbrände in Australien: wir brauchen eine konkrete Apocalypse, sonst bekommen wir unsere Ärsche nicht hoch. Die Langsamkeit der Katastrophe lässt ja auch den letzten Umweltaktivisten verzweifeln. Gerade in unserer Kurzweil-Welt, in der man alles direkt Prime am gleichen Tag, ach was, sogar in ein paar Stunden haben kann – wen interessiert denn da, was irgendwann in ein paar Jahrzehnten abgeht?

Der Markt ist nunmal Hier und Jetzt und die Anleger fordern heute Rendite, Rendite, Rendite. Was vor und nach dem nächsten Kurssprung kommt, interessiert eh nur eine kleine linksgrüne Blase. Und selbst die wissen ja eigentlich auch gar nicht so richtig, wie denn so eine Welt ohne Konsumrausch aussehen könnte. Denn wenn wir ehrlich sind und das System, in dem wir leben, mal durch deklinieren, dann sieht es so oder so nicht gut für uns aus. Wer sich mal angeschaut hat, was im im letzten Jahrhundert passiert ist, wenn unser Wachstumsmodell mal eine kleine Pause eingelegt hat, dem dürfte schnell ganz schön übel werden: (noch mehr) Nationalismus lässt grüßen.

Wenn wir wirklich bereit sein wollen, in einem neuen (und ich persönlich denke auch besserem ) System zu leben, müssen wir auch bereit sein, die Konsequenzen auf dem Weg dorthin in Kauf zu nehmen. Ich glaube dieser Umbruch wird irgendwie eklig. Dass den konservativen Parteien schon bei dem Gedanken an Veränderung der Arsch auf Grundeis geht, hat auch damit zu tun, dass sie begründete Angst vor den Nationalisten haben. Und die werden es auch sein, die am lautesten schreien werden, wenn wir zu Gunsten einer guten Zukunft, das Jetzt opfern. 

Das ist ja auch die große Sackgasse in der wir stecken. Wir brauchen weniger Wachstum. Das bedeutet aber, dass weniger Leute (vorübergehend) Arbeit haben werden. Das Verständnis, dass ja alles für eine sauberere Zukunft ist, dürfte nicht unbedingt so groß sein, wenn sich ein komplettes Lebensmodell in Luft auflöst. Aber ganz ehrlich. Das müsste es. Und zwar bei uns allen. Wir alle konsumieren und verbrauchen zu viel. Und wir müssten uns eigentlich sofort einschränken. Nur dann hätten wir ein echte Chance. 

Nun ist der Mensch ja aber ein faules und bequemes Gewohnheitstier. Und alles, was mit Einschränkung zu tun hat, bedeutet für uns auch Rückschritt. Wer, außer vielleicht Raphael Fellmer von Sir Plus, fängt denn in so einem komplexen gesellschaftlichen System an, sich als erstes freiwillig einzuschränken? Vor allem nicht, wenn der Nachbar gerade seinen neuen SUV vor der Tür parkt. Und welche Partei hat den Mut, die nötigen Einschränkungen tatsächlich durchzusetzen ( Tempolimit lässt grüßen)? Nein, wir sind viel zu langsam für die Veränderung, die wir bräuchten. Der Klimawandel ist noch viel zu abstrakt. Und sobald er konkret werden wird, ist es eh schon viel zu spät. Dann können wir auch direkt so weitermachen. 

Vielleicht spielen wir das Spiel ja einfach mit und genießen die kurze Zeit auf dieser Welt, in der wir so kopflos und dumm, wie möglich, alles zerstören, was uns irgendwie Lebensgrundlage sein konnte. Wir Menschen sollen die intelligenteste Spezies auf dem Planeten sein. HaHaHa. 

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