Haben wir Angst vor der Zukunft?

Immer wieder wollen Leute wissen, ob wir Angst vor der Zukunft haben oder wie wir eigentlich optimistisch bleiben. Das sind keine einfach zu beantwortenden Fragen. Ganz ehrlich: Optimistisch sind wir schon lange nicht mehr, aber eben auch nicht pessimistisch. Realistisch würde es wohl am ehesten treffen.

Je mehr wir uns mit dem Thema Klimawandel auseinandersetzen, desto mehr tauchen wir in die größeren Zusammenhänge unseres Systems ein. Dabei meinen wir nicht unsere Atmosphäre (wir waren schon immer schlecht in Physik) sondern die Wirtschaft. Wenn man sich die nämlich dann ganz objektiv und ruhig anschaut, wird man schnell verstehen, in welche Richtung es in Zukunft gehen wird. Hier haben wir uns laut unserem Verständnis nämlich in eine echte Sackgasse manövriert. So einfach wie möglich erklärt: Entweder unsere Wirtschaft wächst immer weiter, heizt damit unseren Planeten noch mehr auf und verbraucht auch noch die letzten verbliebenen Rohstoffe, oder wir hören auf zu wachsen und unser Wirtschaftssystem bricht einfach zusammen wie ein Kartenhaus. Schönes Dilemma! Und wahrscheinlich auch eine wichtige Erklärung dafür, warum die meisten Instanzen den Klimawandel nur so zögerlich bekämpfen.

Aber sollten wir deshalb den Kopf in den Sand stecken, unser Magazin einstellen und Trübsal blasen? Im Gegenteil! Wir haben uns erst im vergangenen Jahr dazu entschieden ein Kind zu bekommen. Dieses Kind wird hoffentlich bis zum Ende des aktuellen Jahrhunderts leben – und ja, wahrscheinlich wird es Herausforderungen meistern müssen, die wir uns heute noch gar nicht vorstellen können. Schaut man aber mal zurück in die Geschichte der Menschheit, kann man sehen, dass wir schon immer sehr anpassungsfähig waren. Hier meinen wir nicht nur die natürlichen Bedingungen, sondern auch die materiellen und kulturellen Gegebenheiten.

Wer sagt denn, dass unser heutiger Konsum-Lifestyle der Beste überhaupt ist? Macht uns der glücklich oder verarschen wir uns mit all dem Überfluss eigentlich selbst? Wie kann es sein, dass wir einige der zufriedensten und glücklichsten Menschen auf der Welt nicht in den Einkaufszentren von Berlin, London oder New York getroffen haben, sondern in den Slums von Mumbai, den Favelas in Rio, im Regenwald oder der Hochebene von Äthiopien?

Der einzige Punkt vor dem uns ein bisschen mulmig ist, hat mit uns Menschen selbst zu tun. Wie sehr werden wir uns gegenseitig bei den anstehenden Veränderungen im Weg stehen? Welche Konflikte werden entstehen? Und wie gut sind ganze Gesellschaften zum Wandel fähig? Fest steht zum Glück, dass wir das heute alles schon üben können. Offenheit, Toleranz und Miteinander sind nicht mehr bloß irgendwelche linken Floskeln, sondern die Überlebensstrategien von Morgen. Wenn dazu dann noch Bescheidenheit, Bewusstsein und Nachhaltigkeit kommt, könnte man eine gute Chance in der Zukunft haben.

Deshalb haben wir keine Angst vor der Zukunft. Vielleicht wird die Welt in ihrer Veränderung sogar viel besser, als heute. Vielleicht werden wir viele Faktoren, die heute zu Kriegen, sozialen Konflikten und Ungleichheit führen, überwinden. Vielleicht werden wir viel einfacher leben und mit weniger auskommen müssen. Vielleicht werden wir endlich wieder lernen müssen, Sachen zu reparieren, Lebensmittel anzubauen oder uns mehr mit unseren Nachbarn und Freunden auszutauschen. Ist das dann ein schlechteres Leben?

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