Was bedeutet das Coronavirus für nachhaltige Unternehmen?

Gerade eben haben wir noch unseren ganz normalen Alltag gelebt, an Projekten gearbeitet, Jobs angenommen oder Reisen geplant. Einen Tag später wissen wir nicht mehr, ob wir morgen noch auf die Straße gehen werden. Geschweige denn, wie das Jahr 2020 überhaupt weitergeht. Das Coronavirus hat die ganze Welt im Griff – und die ganze Welt reagiert auf das Virus. Vor allem, indem sie sich abschottet. Gegenüber anderen Ländern, aber auch gegenüber sich selbst. Nur so kann eine Pandemie so weit wie möglich eingedämmt oder verlangsamt werden. Das ist gut, wichtig und genau richtig. Schließlich gilt es vor allem diejenigen zu schützen, die am meisten von Corona bedroht sind: alte Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen.

Das bedeutet aber auch, dass der ganze komplexe, globale Mechanismus unseres Systems auf einmal nicht mehr rund läuft. Wir sind heute abhängiger von globalen Lieferketten und weltweiter Kooperation als je zuvor. Die Folgen dieser Zwangspause werden jetzt zunehmend sichtbar. Uns selbst wurden viele Aufträge in den nächsten Monaten abgesagt. Ob wir so schnell neue bekommen, können wir nicht einschätzen. Schließlich haben wir es nicht mit einer kurzen Atempause zu tun, sondern müssen uns darauf einstellen, dass uns Corona die nächsten Jahre weiter beschäftigen wird.

Gerade kleine, natürlich auch und gerade nachhaltige, Unternehmen und Selbstständige trifft die Auszeit hart. Viele haben kaum finanzielle Puffer, um sich, ihre Mitarbeiter, Produzenten oder laufende Kosten zu bezahlen. Wir haben unsere nachhaltigen Freunde gefragt, wie es ihnen heute geht:

KAFFEEFORM

„Zum Glück produzieren wir mit lokalen Partnern und ausschließlich in Deutschland, auf kurzen Lieferwegen und in enger Absprache. Wir sind also nicht auf Lieferungen vom anderen Ende des Kontinents angewiesen.  Da aber zunehmend weniger Menschen in Cafés gehen oder in Co-Working-Spaces arbeiten, nimmt die sonst konstante Verfügbarkeit von Kaffeesatz, unserem Haupt-Rohstoff, schon kontinuierlich ab. Wir werden die Entwicklungen beobachten und täglich evaluieren, wie die Situation für uns ist, und was wir tun können.“

JAN N JUNE

„Bei uns im JAN N JUNE Team sind alle gesund und entspannt, sehen die aktuelle Lage aber trotzdem ernster als noch vor ein paar Tagen. Vor allem sorgen wir uns um unsere Einzelhändler. Die neue Ware ist geliefert, die Rechnungen verschickt, aber durch die potentiellen Umsatzeinbußen rechnen wir hier mit dem Ausbleiben der Zahlungen. Und das wäre auch für uns bedrohlich. Als Brand geht man ein halbes Jahr in Vorkasse und wir sind auf das Begleichen der Rechnungen natürlich angewiesen. Trotzdem haben wir Verständnis für die aktuelle Lage und möchten gemeinsam mit allen Beteiligten eine Lösung finden und uns nicht gegenseitig hängen lassen. An alle Endkonsumenten: Support small and local businesses! Denn die kommende Zeit wird nicht einfach und wir sind auf Euch alle angewiesen.“

B-LAGE

„Nach 5 Jahren Selbstständigkeit dachte ich im Januar: Geil, endlich mal durchatmen, weil die Zahlen stimmen! Dann kam Corona.
Für mich bedeutet die Corona Krise geringe bis keine Einnahmen im Tagesgeschäft, Eventausfälle und Existenzangst. Ich kann gerade weder meine Rückzahlungen fürs letzte Jahr tätigen noch Ware einkaufen, weil ich nicht weiß was die nächsten Wochen passiert. Ich habe schon viele Engpässe überstanden, das bleibt nicht aus in der Selbstständigkeit, aber eine Krise stand nicht im Businessplan.“

MELA

„Wir können aktuell nicht nach Indien zu unseren Produzenten und die neuen styles for f/s21 samplen. Alle Farbstoffe und Metall Accessoires kommen aus China und in Indien gehen sie dann bald leer und können nicht produzieren. Unsere Händler müssen ggf. bald Geschäfte schließen und dann stockt der Abverkauf. Unser Team muss ggf. bald Home Office machen dann leidet die Produktivität. Die Speditionen und Seefracht wie Kühne und Nagel kündigen Verzögerungen und Preisaufschläge in Corona Zeiten an.“

LOVECO

„Corona wird für uns existenzbedrohende Folgen haben, wenn die Menschen sich weiter zurückziehen, Angst haben, oder die Politik alle Einzelhandelsgeschäfte schließen sollte.“

Video-Statement von Loveco

ORIGINAL UNVERPACKT

„Die Krise für uns als kleines mittelständisches Unternehmen kann zweierlei: zum einen merkten wir schnell, das unsere moderne Art des zusammenarbeitens in Krisenzeiten super funktioniert. Alle waren mit Laptops, Slack etc für Homeoffice ausgestattet und behielten nen kühlen Kopf. Gleichzeitig wissen wir nicht, welche wirtschaftlichen Auswirkungen es geben wird und wann und welche Lieferketten schwierig werden. Wir haben eine Eskalationsstufenplan und eine Telefonkette erarbeitet, so dass wir einen Plan B und C haben – und ich glaube in ungewissen Zeiten wie diesen braucht es einfach Vorbereitung, aber auch Kreativität und den Zusammenhalt des Teams – und das haben wir.“

MOEON

„Für uns als kleines Unternehmen ist diese Krise beängstigend.Für die Modebranche ist der Februar traditionell der schlechteste Monat. Wenn dann die ersten Sonnenstrahlen herauskommen geht das Geschäft wieder los und die Leute strömen in die Läden, mit Lust auf frische Sommerkleider. Also ist es auch noch genau der falsche Zeitpunkt für uns. Wir müssen Gehälter, Mieten und Waren bezahlen die wir im Zweifel jetzt nicht mehr loswerden, bezahlen. Niemand weiß ja wie lange diese Situation anhalten wird. Der Höhepunkt der Krise wird erst für den Sommer vorhergesagt. ….packt ein paar Euro in eine „für nach der Krise“ Kiste und dann, wenn das Leben wieder weitergeht, geht in euer Lieblingscafé und kauft Kuchen für die ganze Familie, in ein Restaurant und esst ausgiebig, geht in Veranstaltungen, ins Theater oder kauft euch ein schönes Bio T-shirt bei uns. Wenn wir nicht auf die kleinen Geschäfte, Veranstaltungsorte und Cafes achtgeben, ist unsere Stadt  nach der Coronakrise nicht mehr dieselbe wie vorher.“

FOLKDAYS

„Die Situation ist für uns doppelt scary: Wir sorgen uns natürlich in erster Linie um unsere Eltern und Mitmenschen und wollen alles tun, um sie zu schützen. Gleichzeitig ist für uns ein Umsatzeinbruch direkt existenziell. Wir haben das Gefühl, dass die Regierungsprogramme sich hauptsächlich an größere Unternehmen richtet. Gerade wissen wir nicht, ob und wie wir Corona als Unternehmen überstehen werden.“

GLORE KAROVIERTEL

„Wir haben Angst um unsere Existenz, noch nicht im großen Stil, aber das Abwarten und nicht wissen was kommt, nimmt mich emotional schon mit. Es kommen weniger Kundinnen, der Umsatz wird weniger. Sollte dieser ganz ausbleiben, müssen wir die Läden komplett schließen, haben zu viel Ware und keine finanziellen Mittel für den Einkauf für die nächste Saison. Unsere Fixkosten bleiben die gleichen. Ich habe Verantwortung für mehrere Mitarbeiterinnen, mein Mann arbeitet in der Veranstaltungsbranche. Halleluja. Tough times. Aber gemeinsam schaffen wir das!“

WELEDA

„Intern gibt es bei Weleda jetzt maximale Flexibilität was Arbeitsgestaltung (Home Office, Termine usw.) angeht. Wir machen keine größeren Meetings und verteilen eigens produziertes Desinfektionsmittel an alle Mitarbeiter. Unsere Rohstoffe beziehen wir ja grundsätzlich aus diversen Regionen, damit wir bei politischen Unruhen, Ernteausfällen usw. abgesichert sind. Insgesamt wird laufend neu beurteilt und bei Bedarf angepasst.“

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  1. […] genau Corona gerade vor allem für Labels aus dem nachhaltigen Bereich bedeutet, haben ViertelVor zusammengetragen und einige von ihnen zu Wort kommen […]

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