Ganz klar – und an dieser Stelle ja auch nichts Neues: Wir brauchen einen Systemwandel. Uns als Konsumierenden, da besteht für Viertel \ Vor kein Zweifel, kann nicht länger die allgemeine Verantwortung dafür zugeschoben werden, dass riesige Unternehmen immer noch und immer mehr CO2 ausstoßen, Ressourcen vernichten und tonnenweise Müll produzieren. Trotzdem wird das Thema Nachhaltigkeit leider immer noch viel zu sehr auf individueller Ebene verhandelt. Das allein ist unserer Ansicht nach schon wirklich problematisch.

Extra-schwierig wird’s allerdings, wenn das Gesamtgewicht des schlechten Konsum-Gewissens gefühlt auf maximal der Hälfte aller Schultern verteilt wird: den weiblichen! Na, wer hat’s auch schon gemerkt? Geht’s nur uns so, oder sprechen die meisten der Produkte, mit denen jeder beziehungsweise eben vor allem jede Einzelne (umwelt-) bewusster leben soll, immer nur eine ganz bestimmte Zielgruppe an? Jep! Uns Frauen.  

Vom umweltschonenden Menstruationscup, der schlimmen umweltbelastenden Einweg-Tampons den Kampf ansagt, über eine riesige Auswahl an natürlichen und chemiefreien Kosmetika bis hin zu Putz-Produkten und Fair Fashion Labels ohne Angebot für den Herren: Wieso werden Küche, Kleidung, Kosmetika, alle Themen, die gesellschaftlich weiblich konnotiert sind, komplett umgekrempelt, aber in Bereichen, die als inhärent männlich gelten – Fleisch, Autos, Technik, Beton – ist die öffentliche Diskussion zäh und stößt auf großen Widerstand?

Übrigens sind es nur 20 Firmen, alles Unternehmen der Fossilen Brennstoffe, die hinter einem ganzen Drittel der weltweiten Treibhausgasemissionen stecken. Saudi Aramco führt die Liste an, und Amin H. Nasser das Unternehmen – ein Mann. Und wenig überraschend ist, dass in der gesamten Aufzählung natürlich keine einzige Frau als Geschäftsführerin auftaucht. Wir müssen uns diese Zahlen bewusst machen und dürfen dabei nicht zulassen, dass die Verantwortung auf uns und unsere so genannte Frauenhygiene abgeschoben wird.

Schon klar, wütende Frauen werden ungern gesehen. Uns wird gesagt, wir sollen mehr lächeln und Kritik sachlich und reserviert äußern. Das zeigt sich auch auf Panels zum Thema Umweltschutz, bei denen Frauen wenig vertreten sind oder eine kürzere Redezeit bekommen. Und jetzt werden die weiblichen Mitglieder dieser Gesellschaft auch noch beinahe allein verantwortlich dafür gemacht, den Klimawandel und die Umweltverschmutzung durch unser Konsumverhalten endlich mal umzudrehen? Nett zurecht gemacht, aber bitte selbstständig und ohne Widerrede. Puh! Und damit sind wir dann auch schon wieder am Anfang: Klimawandel darf nicht mehr nur individuell verhandelt werden, er ist Teil von veralteten patriarchalen Strukturen. Und die müssen wir bekämpfen. Gemeinsam!

Foto: Stefan Hähnel

Ein Kommentar

  1. Dieser Artikel ist so abgrundtief polemisch und strotzt nur so von Gender-Vorurteilen, welche im 20. Jahrhundert noch als „normal“ galten. Ganze Branchen, wie Automobil oder Beton (Beton. Ernsthaft?) werden ausschließlich Männern zu geschrieben und dann noch mit alltäglichen Konsumartikeln wie Menstruationcups verglichen. Und gleichzeitig wertert sich die Autorin auf ein unterstes Niveau ab, indem sie Putz-Artikel und Küche den weiblichen Konsumenten zu schreibt. Da wird einem ja echt übel.
    Darüber hinaus steckt so viel Unwahrheit in diesem Text, was so gar nicht VV entspricht. Mir wäre es neu, dass nachhaltige und umweltbewusste Artikel ausschließlich Frauen ansprechen. Was ist mit Kondomen, Elektro- und Wasserstoff-Autos, Fleischalternativen (ja, auch von traditionellen Fleischfabriken), fairer Mode, Anbietern von alternativen Baustoffen, Naturkosmetik für Männer… Die Liste ließe sich unendlich fortsetzen. Und darüberh hinaus sind all diese Beispiele (bis auf die Kondome), anders als von der Autorin abwertend dargestellt, sowohl männlichen als auch weiblichen Zielgruppen gleich zuzuordnen.
    Dieser Artikel bleibt leider sehr negativ haften und hat leider meine bisherige positive Einstellung zu VV grundlegend verändert. Schade

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