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Dieser Artikel erscheint aus Überzeugung – und mit freundlicher Unterstützung von Lidl

„Für mich gab’s nie was anderes. Seit ich klein war, wollte ich Obstbauer werden. Mit zwölf saß ich zum ersten Mal auf dem Trecker“, sagt Sören Dehmel. „Am allerliebsten hab’ ich gemäht. Wenn danach alles so pikobello war – das war was!“ Und das ist es wohl irgendwie immer noch. Die Blumen vorm Haus, der Hof, die Lagerhalle: Alles ist super gepflegt. An jeder Ecke steht mindestens ein Besen. Mittendrin steht Sören. Heute ist er 29 Jahre alt und zertifizierter Bioland-Apfelbauer. Einer, der die Natur liebt und gleichzeitig ein perfekt organisiertes Business führt. „Anders geht’s nicht“, sagt Sören. Schon gar nicht jetzt gerade! Aktuell ist Erntezeit. Bis zu zehn Sorten Öko-Äpfel holen der Landwirt und seine Mitarbeiter aus dem 30 Hektar großen Apfelhof herein, Reihe für Reihe. Wie viele Bäume er ganz genau bewirtschaftet, kann Sören nicht sagen. Welche Geschäfte damit beliefert werden schon. Eines davon ist neuerdings Lidl.

Seit Anfang des Jahres hat die Discounter-Kette Bioland zertifizierte Lebensmittel im Sortiment. Darunter viel Obst, wie beispielsweise Äpfel. Und natürlich hagelt es dafür auch Kritik aus Öko-Reihen. Schließlich werden Supermärkte ganz allgemein eher mit einer Billigpreispolitik in Verbindung gebracht, die wenig Rücksicht auf Umwelt und Lieferanten nimmt. Schnell wird deshalb auch eine minderwertige Öko-Qualität unterstellt. „Zu Unrecht“, sagt Sören. Er produziert nicht für Lidl, sondern für einen Bioland-Großhändler, der den Discounter beliefert – genau so, und mit genau der Ware, wie alle anderen Läden auch. Heißt: „Im Naturkost-Fachhandel liegen die gleichen Äpfel.“ Nur nehmen die kleineren Öko-Läden nur einen Bruchteil der Ware ab. Der Rest geht unter anderem an Lidl. Sören selbst ist damit einverstanden. „Auf den ersten Blick scheinen Bio und Discounter nicht zusammenzupassen,“ sagt er. „Aber, wenn so mehr Menschen angesprochen werden können, dann finde ich das in der Summe in Ordnung.“

Sören Dehmel auf seinem Apfelhof

Seine alltägliche Arbeit verrichtet der Obstbauer so oder so gewissenhaft, wie immer. Und wie es die Bioland-Richtlinien vorschreiben. Die sind strenger als die des EU Bio Siegels, dem Zertifikat, das bisher die meisten Öko-Lebensmittel im Discount-Bereich tragen. So müssen alle Herstellerbetriebe rein biologisch wirtschaften, der Zukauf von Stickstoff zum Düngen ist begrenzt, organische Handelsdünger wie Blut-, Fleisch- und Knochenmehle sind verboten und auch Gärreste aus Biogasanlagen, in denen nur konventionelle Substrate vergoren werden, können nicht als Dünger verwendet werden. Zum Pflanzenschutz wird zudem in geringerem Maße Kupfer eingesetzt, weil dieser das Grundwasser schädigen kann. Weniger, das würde für Sören nicht funktionieren. „Das ganze Konzept war und ist unter allen Bio-Verbänden für unseren Hof am besten“, sagt Sören. „Damit konnten wir uns von Anfang an identifizieren.“

„Das ist natürlich wichtig“, sagt Angelika Franz von Bioland. Aber identifiziert sich auch ihr Verband mit dem Discounter? „Wir wollen Bio für alle“, so Angelika. Und dabei gehe es Bioland keinesfalls nur darum, den eigenen Verband zu stärken. „Bio muss bei der Masse ankommen. Da ist die Kooperation mit Lidl ein wichtiger Meilenstein. Sie bringt uns auf die Tische und Teller von Leuten, die wir sonst nicht erreichen könnten.“

Über zwei Jahre lang wurde die Zusammenarbeit mit der Supermarktkette verhandelt. Bioland sei dabei zunächst ziemlich skeptisch gewesen, habe mit der Zeit dann aber festgestellt, wie ernst es Lidl ist. So bietet der Discounter beispielsweise nicht alles an, „nur um es zu haben“. Erdbeeren im Winter gibt es in den Märkten nicht.

Natürlich wurde bei den Verhandlungen von Bioland-Seite trotzdem ganz besonders streng auf die Einhaltung aller Richtlinien geachtet. Egal wer hier Mitglied oder Partner werden möchte, muss die Vorgaben des Verbandes strikt einhalten. Erklärtes, gemeinsames Ziel: mehr Umstellung von Konventionell auf Bio-Landwirtschaft.

Ein Plan, der aufgehen könnte. Denn das Modell eignet sich, ähnlich wie schon die Anti-Gen-Kampagne, als Vorbild für den gesamten Handel. Die Ausweitung des regionalen Bio-Angebots mit dem auch unter Öko-Hardlinern anerkannten Bioland-Siegel ist ein wichtiges Signal für Verbraucher und Verbraucherinnen – aber auch für die Erzeuger. Denn nicht nur laschere Richtlinien sind ein Nachteil des EU-Bio-Siegels im Vergleich zu Bioland. Ein besonders wichtiger Faktor ist vor allem das Versprechen der heimischen Produktion, das mit dem Bioland-Siegel einhergeht. Schließlich handelt es sich dabei um einen Verband, der allein in Deutschland und Südtirol ansässig ist. Lange Transportwege kann es mit dem Zertifikat folglich gar nicht geben. Im Gegensatz zu allen „einfachen“ Bio-Artikeln, die sonst so im Supermarkt liegen.

Denn die kommen gerne Mal aus Marokko, Spanien oder anderen Regionen mit fragilen Ökosystemen, in denen der Anbau dann auch mit der Verschmutzung und Verschwendung von Grundwasserreserven einhergehen kann. Öko-Essen hat sich zum anhaltenden Trend entwickelt. Fünf Prozent des Gesamtumsatzes im Bereich Lebensmittel wird in Deutschland mittlerweile mit Bio-Produkten gemacht. Klingt erstmal gut. Schlecht ist nur, dass bisher das passende Angebot an heimischem Obst und Gemüse fehlt. Dabei könnte das meiste auch bei uns gut wachsen. Stattdessen werden selbst Bio-Äpfel, mangels Alternativen, oft aus Neuseeland hergeflogen. CO2-Bilanz: Verheerend!

Was regionale Landwirte von der Umstellung von konventionell, mittlerweile korrekterweise integriert genannt, auf Bio abhält? „Wahrscheinlich eine Mischung aus Aufwand und Finanziellem“, schätzt Obstbauer Sören. Die Umstellung auf Bio muss man sich leisten können. Weil drei Jahre lang „nur“ Umstellungsware verkauft werden kann und die erste Öko-Ernte meist eher gering ausfällt. „Und wenn man dann Biobauer ist, muss man besonders organisiert sein. Der Pflanzenschutz muss beispielsweise noch besser nach dem Wetter gerichtet werden“, sagt Sören. Auf Bioland-Höfen wird das Unkraut zwischen den Apfelbaum-Reihen außerdem händisch und mechanisch weg gehackt. „Arbeit, die allein fast eine halbe Arbeitsstelle ausmacht“, weiß Sören.

Um Schädlings-Populationen auch ohne chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel ein wenig in Grenzen zu halten, wenden er und seine Kollegen außerdem die so genannte Verwirrungsmethode an. Dabei werden Männlein und Weiblein der Gattung Apfelwickler mit Pheromon-Gefäßchen in den Bäumen voneinander fern gehalten. „Eine gute Methode, die wirkungsvoll ist und kaum in die Natur eingreift“, so Sören. Leider jedoch auch um ein Vielfaches teurer ist als chemische Insektizide. „Für viele Landwirte ein Grund, nicht umzusteigen“, sagt Sören. In Südtirol, einem vergleichbaren Apfel-Anbaugebiet, ist man da schon weiter. Ökologische Alternativen werden dort finanziell gefördert, sodass selbst im konventionellen beziehungsweise integrierten Bereich mittlerweile gar nicht mehr gespritzt wird.

Ein immenser Fortschritt, bedenkt man, wo die Bio-Bewegung herkommt. Ängste von konventionellen Kollegen in Sörens Region waren früher zum Beispiel, dass von den benachbarten Bio-Bauern Ungeziefer herüber gekrabbelt kommen könnten. Diese Zeiten seien zum Glück längst vorbei, er selbst sei mit sowas zum Glück noch nie konfrontiert gewesen, sagt Sören. „Das einzige, was mal kommt, ist: Ich würd’ auch gern mal so viel verdienen wie Du mit Deinem teuren Bio-Apfel. Dabei vergessen die Kollegen allerdings die wesentlich höheren Produktionskosten und das Risiko. Und die müssen erstmal gedeckt sein. Das vermitteln wir aber schon noch“, sagt Sören, und sieht dabei weder besorgt noch optimistisch aus.

Ökologisch arbeiten, andere integriert arbeiten lassen – für ihn ist das der Alltag. „Beim Bier tauschen wir uns ganz normal aus. Ich glaub’ das liegt auch an meiner Generation: Das muss hier alles ein Miteinander sein. Da sind wir uns einig“, so Sören. „Wir profitieren ja auch voneinander. Wenn’s keinen Bio-Markt geben würde, dann würde der normale Apfel im Preis meiner Meinung nach noch weiter fallen.“

Seine Bio-Produktion möchte der Apfelbauer noch über viele Generationen so aufrecht erhalten. Über mehr als 400 Jahre lässt sich die Geschichte seiner Landwirtschaft schon jetzt rückverfolgen. Den Apfelhof führt er begleitet von den Namen seines Vaters und Großvaters, die noch immer auf einigen hölzernen Apfelkisten stehen. Plastik, das wär’ für Sören nichts. „Das würd’ niemals so lange halten“, sagt er. „Außerdem sieht’s auch nicht so schön aus.“ Ein bisschen was umgestellt hat er in anderen Bereichen. Zum Beispiel beim Erntesystem. „Ich hab’ mir was schnelleres und bodenschonenderes ausgedacht. Jeder Bauer hat seine eigene Handschrift“, sagt Sören. Nur das Blatt, auf dem er schreibt, ist und bleibt immer das selber: der fruchtbare Marschboden. „Der ist mein Kapital. Das höchste Gut, das wir hier haben“, sagt Sören. „Der Boden zeigt mir, wo die Grenzen sind. Nicht ich dem Boden.“

FOTOS: Marcus Werner

Ein Kommentar

  1. Echt richtig schön geschrieben und ein toller, spannender und kurzweiliger Artikel! Am liebsten möchte man jetzt durch seine Apfelbaumwiesen laufen und einfach ein paar pflücken 🙂

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