Eines der spannendsten Dinge, die ich jemals gelernt habe ist, dass Kultur nicht still steht. Kultur ist etwas fließendes. Sie verändert sich immer wieder, je nachdem, was gerade auf sie einwirkt. Egal ob wir es wollen, oder nicht, es passiert jeden Tag. Wer ein paar Jahrzehnte zurückdenkt oder alte Serien und Dokumentationen sieht, weiß was ich meine. Was gestern noch total normal war, ist heute so unvorstellbar, dass man sich fragt, wie es jemals erlaubt sein konnte – im Flugzeug rauchen zum Beispiel.

Die fortlaufende Veränderung von Kultur ist etwas, was viele Menschen richtig doll anpisst. Wir Menschen sind eher so etwas wie gemütliche Gewohnheitstiere. Wir wollen (Achtung!) Planungssicherheit für uns und unsere Freunde und Familien. Das können wir gut verstehen. Allerdings gibt es in Sachen Planungssicherheit gerade ein ziemlich großes Problem: wenn wir so weiter machen, wie bisher, gibt es nämlich so gut wie keine Sicherheit für niemanden – die Kipppunkte beim Klima lassen grüßen.

Konservative Status-Quo Politik kommt hier gerade in ein riesiges Dilemma. Das heißt: Heute steigender Wohlstand für Alle oder Morgen Sicherheit aka Überleben. Momentan sieht es so aus, als ob sich unsere Regierung eher für die kurzfristige Variante entscheidet und notwendige Veränderungen in unserem Lebensstil oder unserer Wirtschaft auf zukünftige Generationen abschiebt.

Was die Politik jedoch jetzt noch nicht ernst genug nimmt – aber wir bereits mitten drin sind: unsere Kultur verändert sich rasant. Die Klimabewegung erreichte in der letzten Woche mit Millionen von Demonstrantinnen weltweit einen neuen Höhepunkt. An diese Demonstrantinnen docken Familien, Freunde und Bekannte an, die alle durch ihre Peer-Groups beeinflusst werden. Die Ansätze, Wünsche und Hoffnungen dieser Menschen auf einen neuen Lebensstil ohne fossile Brennstoffe, ist Veränderung unserer Kultur on the go. Man kann #fridaysforfuture wahrscheinlich heute schon mit der 68er Bewegung vergleichen, die unsere Gesellschaft tiefgreifend liberalisiert hat.

Noch heute ist unsere Kultur geprägt von Konsum, Wachstum und Bequemlichkeit. Auf vieles davon werden wir in ein paar Jahrzehnte zurückschauen und uns wie oben fragen, was wir uns nur dabei gedacht haben: bei Kohlekraftwerken, Einwegplastik oder Autos in Innenstädten zum Beispiel. Vieles, was uns heute normal erscheint, ist eigentlich der größte Mist und trägt dazu bei uns krank zu machen, unsere Umwelt zu verschmutzen oder unsere Lebensgrundlagen zu zerstören: „How dare you?“

Deswegen braucht es Euch! Wir alle sind Kultur. Jeden Tag. In jedem Gespräch. In jeder Handlung. Wir alle können etwas in unseren Peergroups bewegen. Wir können mit denen diskutieren, die noch im alten Status Quo festhängen. Wir können die inspirieren, die sich eine Zukunft ohne Fossile (noch) nicht vorstellen können. Und wir können diejenigen unterstützen, die heute schon anders wirtschaften.

Kultur ist fließend. Wie sie sich verändert können wir alle als Weltgesellschaft bestimmen. Wenn wir das gut machen, lernen wir aus unseren Fehlern und lernen offen für neue Ansätze zu sein. Eine andere Chance haben wir gerade nicht.

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