Als wir das erste mal von Robert Habeck gehört haben, dass Radikal das neue Realistisch ist, haben wir erstmal gejubelt. Wow, endlich getraut sich jemand das auszusprechen, was für uns schon lange klar ist: wir müssen unseren Lebensstil so schnell wie möglich ändern, um unser Klima und unsere Ressourcen zu retten – und so überhaupt irgendeine Zukunft zu haben.

Jetzt ist Radikal nicht gerade das Lieblingswort des Großteils der Bevölkerung. Die wollen eher vermeintliche Sicherheit und keine Experimente, egal wie dringend unsere Probleme sind. Mit Radikalität kann man zwar unsere linksgrünen Herzen gewinnen, aber in der Wahlkabine entscheidet sich der Normal-Deutsche dann doch eher konservativ.

Je länger wir darüber nachdachten, was es eigentlich heißt radikal zu sein, desto mehr wurde uns klar, dass Robert Habeck eigentlich das genaue Gegenteil sagen müsste: wir müssen wieder moderat sein. Denn ganz ehrlich: Radikal ist das, was wir alle in den letzten Jahrzehnten mit dieser Welt angestellt haben. Oder ist das kommende Aussterben von bis zu einer Millionen Arten nicht radikal? Oder unser CO2 Ausstoß? Unser Plastik-Müll? Fracking? Das Wegbaggern von Dörfern und Wäldern? Oder der Verlust von Bienen und Insekten und damit dem potenziellen Zusammenbruch unserer Nahrungsmittelproduktion?

Das wir uns überhaupt einreden lassen, dass wir radikal sind, ist schon ein Gewinn für alle diejenigen, die mit der Zerstörung der Welt Geld verdienen. Nein, wir sind es nicht die radikal sein müssen. Wir wollen, und wer hätte gedacht, dass wir das jemals sagen, verdammt konservativ im Umgang mit unserer Welt sein. Wir wollen gern den letzten Rest bewahren, den wir überhaupt noch haben.

Da wir dafür Mehrheiten brauchen, sollten wir Robert Habecks Ansatz neu framen: Moderat ist das neue Realistisch. Und wir sollten diejenigen radikal nennen, die weiterhin die wichtigste Korrektur unserer Geschichte blockieren: nämlich dass die Nutzung und Verschmutzung der Natur einen Preis haben muss. Und zwar einen sehr hohen.

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