Der Krümmungsgrad von Gurken und die Strasbourg-Brüssel-Debatten waren gestern, jetzt geht’s um Kerosinsteuern, europaweiten Kohleförderungsstopp und Emissionshandel. Yes! Sieben der 38 Fragen im diesjährigen Wahl-O-Mat für die EU-Wahl beziehen sich auf die Erderwärmung, natürliche Ressourcen und unsere Natur: Wie sieht’s mit gentechnisch veränderten Pflanzen aus? Und mit der Landwirtschaft in Europa? Was sagen wir zur CO2-Ausstoß-Verringerung? Und was zu Plastik? Die Auswahl zeigt, dass Klima und Co. Themen sind, vor denen sich die Politik nicht mehr verschließen kann – und will. Wer am 26. Mai wählen geht, entscheidet aktiv mit, ob die EU sich dafür einsetzt, dass 2030 fünfzig Prozent mehr Menschen Fahrrad fahren möchten als jetzt. Und dass flächendeckend bestimmtes Plastik verboten werden wird. Und dass Eco-Innovationen umgesetzt werden können.

Und dennoch sind die Europawahlen für viele noch nicht so richtig greifbar. Das spiegelt sich leider auch in der Wahlbeteiligung wider: Nur 43 Prozent aller Berechtigten haben letztes Mal überhaupt ihr Kreuzchen gesetzt. Obwohl die Welt immer weiter zusammenwächst, sind Kommunal-, Länder- und Bundespolitik gefühlt noch näher an uns dran, als ähnliche Gremien in den anderen – unseren Nachbar-Ländern. Das muss sich ändern!

Und wir sagen: Das wird’s auch. Nicht zuletzt deshalb, weil sich aktuell so viele kluge Leute für die Popularität der wichtigen Wahl und ihre bisher so unterrepräsentierten Themen einsetzen. Eine ebenso fundierte wie kurzweilige Einführung in die Top-Topics der Europa-Wahl geben beispielsweise Constantin Tran, Marco Moschovidis, Maike Steen und Luca Scotellaro auf dem Instagramaccount eu.for.you. Wir haben mit den Politikstudenten und Grafikdesignern aus München gesprochen:

Ihr erreicht auf eurem Account hauptsächlich junge Wähler*innen. Obwohl es um unsere Zukunft geht, ist die Wahlbeteiligung der 18 bis 24-Jährigen unglaublich gering. Weshalb ist das so?

Wir denken, dass drei Faktoren ausschlaggebend sind. Erstens: Schlechtes Marketing. Es fehlt ein von der EU gemanagter Account auf dem konkret erklärt wird, wie die EU unser Leben täglich beeinflusst, wie wir mit ihr interagieren können und welche zahlreichen Möglichkeiten sie für ganz normale Bürgerinnen und Bürger bietet. Zweitens: Distanz. Die wenigsten jungen Menschen wissen, wer für ihre Region im EU Parlament sitzt. Auch ist in den meisten Fällen nicht bekannt, wie man mit seiner politischen Vertretung generell in Kontakt tritt und wo man Kontaktdaten finden kann. Das liegt unserer Meinung nach auch an einer fehlenden Aufklärung in der Schule. Drittens: Komplexität. Was macht das Parlament eigentlich, was die Kommission und welche Rolle spielt der Rat der EU? Solche Fragen muss man sich oft stellen, wenn man über die EU liest. Das komplex wirkende Zusammenspiel der Institutionen schreckt leider schnell ab. Schaut in unser Story Highlight „EU Bodies“ rein, da wird das ganze sehr kompakt erklärt!

Was kann die EU klimatechnisch überhaupt umsetzen, das in den einzelnen Ländern nicht geht?

Durch EU-Regulierungen werden viele Ursachen der Klimaverschmutzung gestoppt, bzw. eingedämmt. Im Bereich Energie sind die EU Länder z.B. verpflichtet, erneuerbare Energie zu fördern, um weg von fossilen Brennstoffen zu kommen. Gleichzeitig müssen Maschinen und öffentliche Gebäude nach entsprechenden EU Normen gebaut werden, um möglichst energieeffizient zu sein und damit weniger Co2 auszustoßen. Gäbe es diese Vorschriften nicht, würden viele Mitgliedsländer wahrscheinlich eine deutlich schlimmere Co2-Bilanz aufweisen. Die EU kann zudem durch gemeinsame Co2-Reduktionsziele eine Lastenteilung erreichen und dafür sorgen, dass große und wirtschaftliche stärkere Länder wie z.B. Deutschland oder Frankreich einen deutlich größeren Teil als z.B. Bulgarien leisten. Dadurch ist die Verteilung der Verantwortung gerechter. Das soll jedoch nicht bedeuten, dass die Ziele nicht noch ambitionierter sein könnten. Abschließend möchten wir jedoch betonen, dass bei Klimafragen eine internationale Kooperation unabdingbar ist, um große Resultate zu erzielen.

Haltet ihr die (Klima-) Ziele für realistisch oder eher für leere Versprechen?

Wir denken, dass die Ziele auf jeden Fall machbar sind. Jedoch müssen zwei große Hürden überwunden werden, damit das klappt. Wir brauchen eine viel konsequentere Sanktionierung von Staaten und Unternehmen, die Umweltvorgaben brechen und gleichzeitig ein massives gesellschaftliches Umdenken. Man darf nämlich nicht vergessen, dass am Ende des Tages unsere Nachfrage mitbestimmt welche (klimaschädlichen) Produkte angeboten werden. Diese Probleme lassen sich aber nur lösen, wenn Politikerinnen und Politiker auf EU-Ebene in Entscheidungspositionen sitzen, in denen sie die entsprechenden Rahmenbedingungen dafür setzen können. Wir können alle unseren Teil dazu beitragen damit das geschieht, indem wir am 26. Mai entsprechend wählen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Ihr werdet, wie wir, auf jeden Fall wählen gehen und wollt, dass es noch andere tun? Nutzt auf Social Media Hashtags wie #VoteForClimate, #Gehwählen, #EuWahl2019, #EU2019 und #Voteforme. Weshalb geht ihr wählen? Packt’s in eure Stories und fordert drei weitere Leute auf, das gleiche zu tun und macht euch gegenseitig einen Antrag und fragt: Kommst du mit mir zur Wahl?

Foto: Sara Kurfeß & Parker Johnson

Titelbild: EU for you

 

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