Buh, da is’ es wieder! Mindestens einmal pro Woche springt es uns an aus Plenarsälen und der Tagespresse, das Schreckgespenst Ökodiktatur. Gruselig, weil Diktat, das will ja keiner. Ein Wort, bei dem die meisten automatisch an Enge, Zwänge und an Hitler denken. Absolut böse. Und absolut gut, um ein zweites Wort mit diesen Assoziationen gleich mit aufzuladen. Und so läuft alles was öko ist gerade durchaus Gefahr, ein ähnlich unangenehmes Image zu bekommen.

Wer Öko hört, bekommt entweder leuchtende Augen in Anbetracht veganer Croissants und autofreier Innenstädte – oder Angst. Denn dieses Wort erinnert mittlerweile jede und jeden, ob wir nun wollen oder nicht, auch an eine Verpflichtung. Öko ist kein Trend oder eine Phase von Hipstern, Hippies, Müslis oder Treehuggern. Öko ist nicht länger eine Einstellung, sondern eine Verpflichtung.

Eine Verpflichtung, der von den wenigsten wirklich nachgegangen wird. Obwohl eigentlich alle um sie wissen. Sich das einzugestehen? Unangenehm! Und dann auch noch handeln? Ungeheuer, umständlich, teuer. Wer die (Um-)welt retten will, der muss an die Schmerzgrenze gehen. Der muss ran an die Unbedarftheit, die Bequemlichkeit, das Privileg. Wer die (Um-)welt retten will, der muss sich unbeliebt machen.

Und wer sich so richtig beliebt machen möchte, der zäumt das wilde Pferdchen Umweltschutz am besten fix von hinten auf. Frei nach dem Motto „Ich gönne euch den Spaß, ich nehme euch nichts weg. Weiter so!“ Doof da steht jeder Pferdeflüsterer, der endlich mal ein paar Wahrheiten vom vermeintlich hohen Ross der Realität herunter schreit.

Sobald sich irgendjemand traut Fakten auszusprechn oder gar, konkrete Handlungen vorzuschlagen, wird er niedergemacht mit dem Recht auf Freiheit aka Bequemlichkeit als einzigem Argument. Ein Schuldiger, einer der anderen wieder was aufzwingen will, der ist schnell gefunden. Eine Lösung aber noch lange nicht. Und was alle, die so fest an Macht und Image kleben vergessen, ist dass wir ohne Lösung, ohne radikale Schritte gegen Klimawandel, Ausbeutung endlicher Ressourcen und Vermüllung der Weltmeere am Ende alle gemeinsam den Bach runter gehen.

Während Ihr Schuldzuweisungen hin und her schiebt, schiebt der wahre Diktator einer lebenswerten Zukunft für unsere Kinder den Riegel vor. Die Umwelt ist der Endboss! Öko, das kommt von Ökologie oder Ökosystem. Diktat hin oder her, Öko selbst ist die Macht, die uns zum Handeln zwingt. Sehen wir der Wahrheit ins Gesicht: Kein Mensch braucht eine Ökodiktatur zu fordern. Die dahin sichende Erde, der eigene Lebensraum, fordert uns.

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