Der Klimawandel gehört zu den komplexesten Problemen überhaupt. Auch wir stoßen immer wieder an unsere Grenzen, sind verwirrt, erstaunt oder hören gegensätzliche Zahlen und Ansätze. Umso besser, dass es Menschen gibt, die all diese Komplexität endlich mal so aufgearbeitet haben, dass wir sie in kleinen, schön dargestellten Grafik-Häppchen serviert bekommt – anschaulich und verständlich. Kleine Gase – Große Wirkung heißt das neue Buch, dass die zwei Wirtschaftswissenschaft-Studenten Christian Serrer und David Nelles in den letzten zwei Jahren geschrieben und zusammengestellt haben.

Ihr Ziel: so viele Menschen, wie möglich zu erreichen und das Thema Klimawandel kompakt, verständlich und einfach darzustellen. Deshalb war von Anfang an klar, dass das Buch nicht mehr als eine Pizza kosten darf: 5 Euro. Da natürlich kein Verlag Interesse an so einem Deal hat, haben sich die beiden entschlossen, das Buch einfach in Eigenregie zu veröffentlichen und zu promoten. Dafür konnten sie Persönlichkeiten wie Klaus Kleber oder Hans Joachim Schellnhuber als Supporter gewinnen und ihre Zahlen und Fakten von mehr als 100 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern gegenchecken lassen.

Das ruft auch bei uns nach großem Support und für eine Ladung Weihnachtsgeschenke für unsere Freunde und Familien. Natürlich hatten wir auch noch ein paar Fragen an die beiden Autoren:

Ihr Beide studiert Wirtschaftswissenschaften. Wie seid Ihr dazu gekommen, Euch mit dem Thema Klimawandel zu beschäftigen?

David: Weil wir wissen wollten, was Klimawandel konkret bedeutet. Vor ungefähr eineinhalb Jahren, saßen wir in der Mensa unserer Uni und haben uns über das Thema unterhalten. Nachdem dann die üblichen Argumente wie Dürren, Überschwemmungen und „achja das mit dem CO2 ist ja so schlimm“ gefallen waren, haben wir gemerkt, dass wir eigentlich gar kein konkretes Wissen hatten.

Wir hatten also keine Antworten auf Fragen wie: Wie groß ist der alleinige Anteil des Menschen an der globalen Erwärmung, müssen wir jedes Jahr Ernteausfälle befürchten, treten Stürme und Überschwemmung bereits heute immer häufiger auf und was bedeutet der Klimawandel ganz konkret für unsere Gesundheit?

Um die Fragen zu beantworten wollten wir aber keine dicken Fachbücher wälzen. Wir haben ein Buch gesucht, das den Klimawandel kurz, verständlich, ganz konkret und am besten mit ganz vielen anschaulichen Grafiken auf den Punkt bringt. So ein Buch haben wir nicht gefunden und dann haben wir uns direkt dazu entschieden dieses Buch einfach selbst zu schreiben.

Warum ist der Klimawandel in unserem Alltag so unterrepräsentiert?

Christian: Das liegt daran, dass Ursachen und Folgen des Klimawandels nicht direkt aufeinander folgen. Wenn ich meinen Müll an den Straßenrand werfe ist die Umweltverschmutzung direkt sichtbar. Wenn ich aber heute drei Mal um die Erde fliege wird es morgen nicht direkt heißer und Folgen wie Überschwemmungen und Stürme verschärfen sich nicht sofort. Das heißt die Auswirkungen unseres heutigen eigenen Handels zeichnen sich viel später ab. Wir bekommen also kein direktes Feedback und sind uns daher in unserem Alltag kaum um die Bedeutung unseres eigenen Handels und des Klimawandels bewusst.

Was war Eure wichtigste Erkenntnis bei der Arbeit für das Buch?

Christian: Erst durch die sehr umfangreiche Recherche haben wir begriffen wie groß tatsächlich die Herausforderung Klimawandel ist. Denn es gibt nicht wirklich die eine Folge des Klimawandels, die uns vor große Probleme stellt. Es sind die unglaublich vielen Folgen in verschiedenen Bereichen, die insgesamt dazu führen, dass der Klimawandel beispielsweise als die größte globale Gesundheitsgefahr des 21. Jahrhunderts angesehen wird oder bereits heute Millionen Menschen zum Verlassen ihrer Heimat zwingt. Sogar volkswirtschaftlich ist es sinnvoller jetzt weitreichende Klimaschutzmaßnahmen durchzuführen, als sich noch länger Zeit zu lassen und die zukünftigen Schadenskosten z. B. durch stärkere Stürme und Überschwemmungen in Kauf zu nehmen. Außerdem ist uns mittlerweile bewusst, dass das 2°-Ziel nicht ein politisches Wunschkonzert ist, sondern aus wissenschaftlicher Sicht ernsthaft eingehalten werden sollte, um für uns Menschen negative Auswirkungen zu vermeiden.

David: Wenn wir etwas für den Klimaschutz tun wollen, geht es nicht darum von heute auf morgen 100 % umweltfreundlich zu leben. Es geht darum, überhaupt anzufangen. Alles auf einmal umzukrempeln wäre für unsere Umwelt und unser Klima zwar wünschenswert, ist aber absolut unrealistisch. Deshalb ermutigen wir Freunde, Verwandte und Bekannte, an irgend einer Stelle einfach loszulegen. Dies kann zum Beispiel die Ernährung oder aber der nächste Urlaub sein. Sobald man diesen ersten Schritt gegangen ist, beginnt man sich mit dem nächsten Thema auseinanderzusetzen und beginnt Schritt für Schritt umweltfreundlicher zu leben. Außerdem merkt man recht schnell, dass Klimaschutz keineswegs bedeutet sich einschränken zu müssen und traurig im Keller zu sitzen. Deshalb: Einfach anfangen!

An welchem Punkt würdet Ihr ansetzen, um den globalen CO2-Ausstoß zu senken?

David: Es gibt nicht den einen Punkt. Jeder einzelne muss sich genau wie Politik und Wirtschaft bewegen. Die Politik muss die Rahmenbedingungen setzten. Konkret heißt das, dass man z. B. über die Einführung einer CO2-Steuer und CO2-Zöllen diskutieren muss, um Produkte bei deren Herstellungen viel Kohlenstoffdioxid ausgestoßen wurde, zu belasten. Damit werden klimafreundliche Produkte attraktiver und es werden Anreize für Unternehmen gesetzt, Transportwege zu verkürzen und auf umweltfreundlichere Technologien zu setzen. Außerdem wird Innovationen wie Erneuerbare Energien, Wasserstoffautos, Carbon-Capture-Use, Laborfleisch, usw. dadurch zum schnelleren Durchbruch verholfen. Sobald diese Innovationen wettbewerbsfähig sind, werden sie die alten umweltschädlichen Technologien vom Markt verdrängen. Dies ist aber nur eine Seite der Medaille!

Christian: Ja, die andere Seite ist die Verantwortung jedes Einzelnen. Auch wenn Politik und Wirtschaft den größten Einfluss haben, muss auch jeder Einzelne einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Würde jeder Menschen in Deutschland in den Bereichen Ernährung, Strom oder Mobilität einen Beitrag zum Klimaschutz leisten, können die Klimaziele für 2020 sogar noch eingehalten werden. Ein Hin- und Rückflug weniger von Frankfurt nach Teneriffa und zack hat man genau das eingespart, was jeder durchschnittlich beitragen müsste, um die Klimaziele zu erreichen.

Wie kann man noch mehr Menschen für das Thema Klimawandel sensibilisieren?

David: Eure Leserinnen und Leser kennen wahrscheinlich schon unzählige Möglichkeiten, deshalb werden wir jetzt keine große Aufzählungen beginnen. Wir haben für uns persönlich gelernt, dass wir unser Umfeld am Besten auf die Thematik aufmerksam gemacht haben, indem wir Klimaschutz einfach vorgelebt haben. Denn andere merken relativ schnell, dass man selbst beispielsweise kaum Fleisch isst. Dann kommen die ersten Fragen wie „Warum machst du das?“, „Ist das nicht schwierig?“, „Ist ja cool. Will ich auch mal ausprobieren. Kennst du Rezepte?“. Und wenn man damit erst mal jemanden für das Thema sensibilisiert hat, kommt man relativ schnell zum nächsten Thema wie etwa Ökostrom. Der große Vorteil ist, dass man bei Freunden und Verwandten einen großen Vertrauensvorschuss genießt und man somit ganz einfach noch mehr Menschen für den Umwelt- und Klimaschutz begeistern kann.

 

Einen Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*