Dank Euch allen wird Viertel \ Vor größer. Und mittlerweile haben wir auch noch ein kleines Kind. Heißt: Wir brauchen ernstzunehmende Unterstützung, möglichst langfristig und natürlich von jemandem, der oder die unsere Werte und unseren Stil teilt. Wie kommt man da ran? Über GoodJobs natürlich!

Wir suchen eine studentische Hilfskraft, die mit uns die Welt retten möchte

Die Plattform für Arbeitsplätze mit Sinn kennen wir – und alle, die das enorm Magazin lesen – schon länger. Schließlich ist die Seite mehr oder weniger der einzige Ort, an dem potenziellen (Um-)Weltrettern die passenden, öko oder sozialen Stellenausschreibungen schon vorsortiert präsentiert werden.

Und jetzt, da wir zum ersten Mal selbst inseriert haben, wollten wir natürlich noch mehr wissen. An einem schönen Tag in diesem Spätsommer haben wir uns über den Dächern Berlins mit Paul Berg getroffen. Zusammen mit enorm-Co-Founder David Diallo hat er GoodJobs gegründet. Das gemeinsame Ziel: Möglichst vielen Menschen sinnvolle Arbeit zu vermitteln. Los geht’s:

Paul Berg ist der Co-Founder von GoodJobs

Lieber Paul, bei GoodJobs vermittelt Ihr Stellen mit Sinn. Zum Start die Gretchenfrage: Was ist denn Sinn überhaupt?

Technisch beantwortet kann man Sinn erst erleben, wenn man seine eigene Rolle versteht. Wenn man reflektiert, wo man steht und was das eigentlich alles soll. Außerdem braucht man dafür das Gefühl, einen Handlungsspielraum zu haben, also etwas verändern zu können. Und als Drittes muss man ein Ziel haben oder definieren. Wenn man das im Leben oder im Job kann, dann kann man auch Sinn erleben. Für mich selbst funktioniert Arbeit nicht losgelöst von meinen persönlichen Werten.

Welche sind das?

Ich glaube unter anderem an Nachhaltigkeit und soziale Komponenten, aber auch an Tools, die es in der Wirtschaft gibt. Mit GoodJobs wollen wir ja durchaus ein Business-Modell aufstellen. Dabei haben wir uns auf die Themen Nachhaltigkeit und Soziales konzentriert, weil wir glauben, dass die Stellen in diesem Bereich besondere Beachtung verdient haben.

Weil gerade diese Jobs noch immer eher wenig Beachtung bekommen, oder? Warum ist das Deiner Meinung nach denn bloß so?

Ich finde wir werden überhaupt nicht auf das Thema Sinn vorbereitet. Alle haben irgendwo Potentiale. Alle Kinder sind an irgendwas interessiert und total wissbegierig. Aber das hört komischerweise meistens mit der Schule auf. Da rutschen wir oft in ein System, in dem wir vor künstliche Probleme gestellt werden. Es geht nicht mehr um unsere individuellen Interessen, sondern vielmehr darum, eine Bandbreite von Kursen oder Scheinen zu machen und durchschnittlich zu bestehen, um irgendwie weiter zu kommen. Deine eigentlichen Talente und Möglichkeiten werden meistens nicht gefördert. Und wenn sie dann aus der Schule oder sogar von der Uni kommen, wollen die Meisten einfach nur einen Job, in dem sie ein bisschen Bestätigung von außen kriegen. Für David und mich ist Sinn aber mit Glück verbunden. Vielen Menschen muss man das erstmal erklären. Auch, warum man das für eine Firma braucht.

Du hast es Dir offenbar schon früh gedacht.

Nach der Uni. Als ich mein BWL-Studium gerade frisch beendet hatte, war ich auch erstmal super heiß auf Medienthemen und Start-Ups. Meine ersten Erfahrungen im Corporate Bereich fand ich dann aber eher ernüchternd. Die Themen waren zwar interessant, aber die Atmosphäre gefiel mir gar nicht. Es ging überhaupt nicht darum, was genau man da eigentlich mit der Firma macht, unterstützt und antreibt – sondern oft einfach nur darum, einen Job über die Bühne zu bringen.

 Und dann hattest Du die Idee zu GoodJobs? Erzähl!

Heutzutage gibt es ja immer die tollsten Gründungsstories. Unsere ist eher pragmatisch statt märchenhaft: Am Anfang stand eben die Erkenntnis, dass meines Erachtens viel zu viel unbewusst gearbeitet wird und dass das auf Dauer wahrscheinlich nicht glücklich machen kann. Viele Leute in Davids und meinem Umfeld sagen bis heute immer wieder, dass sie etwas machen wollen, wo sie richtig dahinterstehen können. Und es gab und gibt noch nicht so viele Plattformen, die da gute Möglichkeiten aufzeigen. Als ich David kennengelernt habe, sahen wir in Anzeigen, die zu den Themen des enorm Magazins passen, schlicht und einfach eine tolle Form der Finanzierung für das Magazin.

Und wie ist es für die Arbeitnehmer? Müssen die bei einem, wir sagen mal „Unternehmen mit Sinn“ irgendwelche Abstriche machen?

Die meisten Unternehmen, die wir auf der Plattform haben, können in ihrer jeweiligen Branche sicher nicht das höchste Gehalt bezahlen. Wir arbeiten mit vielen Unternehmen aus dem nachhaltigen Bereich zusammen, die Branchen bedingt eher noch jung sind, und mit NGOs natürlich. Die meisten bezahlen nicht schlecht, können aber natürlich nicht wirklich mit der freien Wirtschaft mithalten.

Bekommt Ihr Feedback von Leuten, die über Euch sinnvolle Jobs gefunden haben?

Der schönste Moment ist eigentlich, wenn man einen Kunden oder Partner besucht und vor Ort dann gleich drei Leute hochspringen und erzählen, dass sie ihren Job über uns gefunden haben. Das letzte Mal hatte ich das bei Lemonaid. Unsere Partner teilen uns auch mit, ob sie die Stelle besetzen konnten. Man kann zwar nicht immer direkt zuordnen, wer von wo kommt, aber unsere Partner geben immer wieder das Feedback, nach der Anzeigenschaltung Bewerber zu haben, mit denen sie meistens happy sind.

Woran liegt das?

Denen muss man meistens nicht erklären, was Impact oder Nachhaltigkeit ist, weil sie meistens schon Berührungspunkte mit diesen Themen haben, ganz gezielt auf Job-Suche gehen und dementsprechend intrinsich motiviert sind.

Werden solche Leute mehr? Hat sich da in den letzten Jahren schon merklich etwas verändert?

Ja, es hat sich auf jeden Fall etwas verschoben. Gleichzeitig ist aber die Affinität für das Thema „Sinnvolle Arbeit” viel größer, als die tatsächliche Nachfrage. Da laufen oft unterbewusste Prozesse ab, die sich aber noch nicht in eine konkrete Handlung übersetzen. Dennoch sehen wir eine immer größere Nachfrage nach sinnvollen und nachhaltigen Jobs.

Wie erklärt Ihr Euch diese Veränderung?

Leute entwickeln sich generell immer weiter. Und ich denke, dass wir in so hochindustrialisierten Ländern wie Deutschland mittlerweile den Luxus haben, uns mit Arbeit beschäftigen zu können, hinter der wir wirklich stehen. Uns geht es gut. Und nach Status, Individualität und Selbstoptimierung kommt dann bei vielen auch der Geist. Zudem sehen viele, dass ein gut bezahlter, aber uninspirierter Nine-to-Five Job nicht glücklich macht. Eine Studie sagt zum Beispiel, dass ab 70.000 Dollar Jahreseinkommen unser Glücks-Potenzial nicht mehr wächst. Deswegen verschieben sich auch in den Jahres-Reports von Stepstone oder Monster immer weiter die Verhältnisse. So wird der Verdienst bei einer Jobentscheidung immer weniger wichtig, dafür aber der Sinn.

Zum Glück – auch für Euch. Denn neben Good Jobs wollt Ihr ja aktuell noch ein ganzes Good Universum aufbauen, oder? Was habt Ihr da vor?

Eigentlich vor allem, uns noch besser zu strukturieren. Wir hatten ja nicht von Tag eins an geplant, dass wir uns ein Nachhaltigkeits-Imperium aufbauen (grinst). Das hat sich eher aus dem Dunstkreis und dem Austausch mit enorm, wo wir dauernd Ideen und Möglichkeiten hin und her spielen, ergeben. Wir haben bisher immer einfach mal gemacht. Mittlerweile nennen wir alles, was daraus bisher entstanden ist, Good Family. Jetzt arbeiten wir gerade daran, dass man es von außen auch besser versteht.

Fotos: Marcus Werner

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