In der Stadt bekommt man es vielleicht nicht so sehr mit. Auf dem Land schon: Es piepst nicht mehr so viel. Als wir damals nach Brandenburg gezogen sind, sind wir in der Früh mitten in einem Konzert von Vogelgezwitscher aufgewacht und mussten die Fenster schließen, wenn wir weiterschlafen wollten.  Heute freuen wir uns über jeden Vogel, der noch bei uns auf dem Hof brütet. Der Rückgang hat vor allem mit immer weniger Futter zu tun. Vögel fressen Insekten. Und Insekten gibt es kaum noch. Seit 1989 ist die Masse der Insekten um durchschnittlich 76 Prozent zurückgegangen. Das liegt vor allem an den Monokulturen unserer Landwirtschaft und dem Einsatz von Pestiziden, durch die unsere Insekten kaum noch eine Chance haben.

Das ist unser gefundenes Schwalben-Kücken. Wir haben es Miracoli getauft.

Wahrscheinlich waren wir auch deshalb so sensibel, als wir im Juli ein kleines Schwalbenküken in unserer Scheune gefunden haben. Da die Eltern das Nest nach langer Beobachtung anscheinend verlassen haben, haben wir mit Jana, von den Wilde Pflegekindern eine kleine Rettungsaktion beschlossen. Jana betreibt mit ihrer gesamten Familie eine Aufzuchtstation für gefundene Wildtiere. Ehrenamtlich! Als wir unser kleines Schwalbenküken in ihre Obhut gegeben haben, erzählten sie uns, warum sie das alles machen.

Jenny macht den Instagram Account @wildepflegekinder und kümmert sich neben den Tieren um Social Media

Wie seid Ihr dazu gekommen Wildtiere bei Euch zu Hause aufzupeppeln?

Wir haben damals, vor 14 Jahren, mit einer einzigen Meise angefangen. Die haben wir gefunden und großgezogen. Das hat sich herumgesprochen und dann kamen auf einmal immer mehr. Heute ist das ein großes Familienprojekt, wo auch die Kinder mithelfen. Die Hauptsaison für Jungtiere ist zwischen März und September. Die Betreuung ist dann so intensiv, dass wir nicht mal in den Urlaub fahren können. Wenn wir dann doch mal einen Ausflug machen, kommen die Jüngsten mit uns mit. Sie müssen ja teilweise jede Stunde gefüttert werden.

Wie viele Tiere sind es denn mittlerweile geworden?

Letztes Jahr hatten wir 241 Vögel inklusive zwei Störchen. Dieses Jahr sind noch drei Rehkitze, ein Marder und Igel bei uns.

Wie finanziert Ihr das alles?

Wir machen das alles ehrenamtlich und finanzieren es aus eigener Tasche. Da kommen in der Hauptsaison bis zu 600-700 Euro im Monat zusammen. Deshalb überlegen wir ehrlich gesagt auch oft, ob wir damit aufhören sollen. Aber es gibt so wenige Stellen für gefundene Wildtiere, weswegen wir dann doch immer weiter machen.

Werdet Ihr durch Spenden unterstützt?

Wir bekommen monatlich einen kleinen Betrag von Privatleuten, die uns auch Tiere vorbeibringen. Aber leider bekommen wir keine Unterstützung von öffentlicher Seite oder zum Beispiel vom NABU. Die verweisen zwar immer auf uns oder bringen Tiere, aber finanziell werden wir von ihnen leider nicht unterstützt.

Wenn Ihr den Wildepflegekindern helfen wollt gibt es folgende Möglichkeiten:

Spendenkonto Paypal: Janah1971@outlook.com

Amazon Wunschliste: Wildepflegekinder

Was kann man tun, wenn man irgendwo ein Wildtier findet?

Wir sind zum Beispiel bei Wildvogelhilfe.org oder die Wildtierrettung als Aufzuchtstation registriert. Dort findet man auch die nächste Station in der Nähe. Wenn jemand anruft, schauen wir, ob wir gerade Kapazitäten haben. Wenn ja, übernehmen wir gern, aber manchmal müssen wir leider auch Nein sagen.

Was passiert mit den Tieren nachdem Ihr sie aufgezogen habt?

Die Rehkitze behalten zwar ihren Fluchtinstinkt, können aber nicht wieder ausgewildert werden. Dafür sind sie doch zu sehr an Menschen gewöhnt und kommen bis auf zwei drei Meter an uns heran. Daher gehen die Rehe oft in Tierparks oder Zoos. Die Vögel gewöhnen wir in mitwachsenden Volieren ans fliegen und jagen. Am Ende können sie sich hoffentlich selbst versorgen und werden frei gelassen. Das ist immer unser Ziel.

Unserer Schwalbe Miracoli geht es mittlerweile sehr gut. Hier ist ein aktuelles Bild von ihr.

 

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