* Dieser Artikel erscheint mit freundlicher Unterstützung von Menschen für Menschen und ist im Rahmen einer Pressereise nach Äthiopien entstanden.

Habt Ihr schon mal für die Entwicklungshilfe gespendet? Einfach eine Überweisung schreiben und dann landet das Geld irgendwo in Afrika und hilft den Menschen vor Ort – irgendwie so. Was genau unser Geld dann da macht und ob es wirklich hilft lässt sich meistens nicht konkret nachvollziehen. Vielleicht interessiert es auch gar nicht, Hauptsache das Gewissen ist gut und man kann die Quittung von der Steuer absetzen.

Uns hat das nicht gereicht. Deswegen haben wir die Einladung der NGO „Menschen für Menschen“ (MfM) angenommen, die ihre Entwicklungsarbeit auf Äthiopien konzentriert. Im Gegensatz zu vielen anderen NGOs, die ihr Geld eher nach dem sogenannten Gießkannenprinzip verteilen, geht MfM einen konkreteren Weg, um vor Ort zu helfen.

Zunächst ist MfM eine äthiopische NGO, die zwar von Deutschland aus geleitet wird, in der aber zum überwiegenden Teil Äthiopier arbeiten. In einem aufwendigen Auswahlverfahren werden bestimmte Projektgebiete im Land festgelegt, in denen für mehrere Jahre gezielt Aufbauarbeit geleistet wird. Die wichtigste Grundlage hierfür ist Offenheit: Offenheit für Wandel, Offenheit für neue Methoden und Offenheit gemeinsam für eine bessere Zukunft zu arbeiten. Wenn diese Grundlage geschaffen ist, werden in den Dörfern bestimmte Bewohner zu Agenten der NGO ausgebildet. Diese kennen die Menschen vor Ort, deren Kultur und besondere Interessen. So können sie individuelle Entscheidungen darüber treffen, welche Methode die sinnvollste ist und was am dringendsten gebraucht wird. Gemeinsam werden dann Projekt identifiziert, die von MfM unterstützt werden. Die konkrete Umsetzung obliegt der Bevölkerung. Wenn zum Beispiel ein neuer Brunnen gebaut wird, kommt zwar die Technik von MFM, Bauen müssen aber die Bewohner selbst. Nur so bekommt der Brunnen für alle auch einen tatsächlichen Wert und es entwickelt sich ein echtes eigenes Interesse, dass er und seine Umgebung sauber bleibt.

Drei Generationen: Großvater, Sohn und Enkel

Tatsächlich dreht sich bei der Entwicklungshilfe viel um die direkte Arbeit mit den Leuten vor Ort, das Verstehen der sozialen Strukturen und der tatsächlichen Bedürfnisse der Menschen. Die Entscheidung für die Anschaffung eines neuen Mähdreschers klingt für Menschen aus der ersten Welt zwar logisch, kann aber in Äthiopien langfristig gewachsene Arbeitsstrukturen zerstören. Daher ist der Ansatz von Menschen für Menschen nicht das Überstülpen einer vermeintlich besseren Technik, sondern die behutsame Unterstützung der Menschen und ein schrittweises Upgrade der Lebensumstände.

Dass diese Methode wirklich wirkt, haben wir in vielen Dörfern beobachtet. Die Erfolge strahlen auch über die Dorfgrenzen hinweg aus und so entwickelt sich die Projektregion nach und nach auf ein nächstes Level. Wenn sich die neuen Ansätze etabliert haben und die Menschen vor Ort wirklich davon profitieren, zieht sich MfM nach und nach aus der Region zurück und konzentriert seine Ressourcen in einem neuen Projekt. Entwicklungsarbeit ist ein sensibles Thema – zu viel wurde in den letzten Jahrzehnten falsch gemacht, Vertrauen zerstört und gewachsene soziale Strukturen negativ beeinflusst. Wir verlassen Äthiopien wieder mit dem Gefühl, dass unser Geld mit dem behutsamen Ansatz von MfM sehr gut aufgehoben ist und den Menschen vor Ort wirklich hilft. Wenn Ihr MfM unterstützen wollt, könnt Ihr das hier tun: Menschen für Menschen Spendenkonto

Adane Nigus ist der Projektleiter von Menschen für Menschen in Mekane Selam

Fotos: Marcus Werner

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