Warum dieser Artikel wichtig ist:

Dass unsere Bundesregierung die Autoindustrie so aktiv dabei unterstützt hat ihre Kunden zu verarschen und Menschen bewusst gesundheitlich zu schaden zeigt: Wir brauchen nicht darauf zu hoffen, dass die Veränderung die wir brauchen einfach von alleine kommt. Wir müssen etwas tun.

Wahrscheinlich sind wir die einzigen Diesel-Fahrer, die das drohende Fahrverbot in deutschen Innenstädten begrüßen. Wir finden es so richtig mies, dass es überhaupt so weit kommen musste! Aber wenn unsere Autoindustrie und unsere Bundesregierung beim Thema Luftqualität schon so dermaßen versagen – dann ist es wirklich  Zeit für eine rechtliche Korrektur.

Yeap, wir fahren ein Diesel-Auto. Das gehört wahrscheinlich zu unseren größten nachhaltigen Fails. Wir nutzen unseren Caddy zum Pendeln zwischen Stadt und Land. Und auch in der City immer mal wieder als Produktions-Fahrzeug. Wir transportieren da drin so ziemlich alles – von Video-Equipment und Ausstattung, Fahrrädern und Möbeln, über Bauholz und Futtersäcke bis hin zu unseren Schafen. Und prima Urlaub kann man damit auch machen! Am Liebsten hätten wir uns natürlich trotzdem ein Elektroauto geleistet, dass wir direkt bei uns am Haus via Solarzellen hätten aufladen können. Aber auch hier ist die Autoindustrie leider noch lange nicht so weit, uns einen adäquaten elektrischen Ersatz in passender Größe anzubieten.

Und trotzdem ist Fakt: Je mehr die Diesel-Debatte um die Feinstaubbelastung in unsere Städten an Fahrt aufgenommen hat, desto größer wurde auch unser schlechtes Gewissen. Als wir den Wagen vor zwei Jahren gekauft haben, glaubten wir, wie so viele andere, noch, dass es eine bessere CO2-Bilanz habe, als ein Benziner. Wie wir feststellen mussten, stößt unser Auto zwar weniger CO2 aus, aber dafür wesentlich mehr Stickoxide, die uns Stadtbewohner direkt angreifen und von Asthma bis hin zu Herz- und Kreislaufproblemen führen können.

Dass die Bundesregierung (allen voran der CSU Ex-Autominister Alexander Dobrindt) die Auto-Industrie so aktiv dabei unterstützt hat, nicht nur ihre eigenen Kunden zu verarschen, sondern auch noch den Menschen gesundheitlich zu schaden, ist ein sehr drastisches Alarmsignal für uns. Es zeigt nämlich, dass wir nicht darauf hoffen sollten, dass die Veränderung, die wir brauchen einfach so von alleine kommt. Schon gar nicht von Seiten der Politik. Wenn es um finanzielle Einbußen der Industrie geht, haben wir Bürger und die Umwelt wohl meistens das Nachsehen.

Schließlich gibt es noch ein weiteres Thema, bei dem unsere Bundesregierung so richtig gründlich versagt und damit unsere Zukunft und die Zukunft unserer Kinder ruiniert: die sofortige Reduktion von CO2-Emissionen. Auch hier stellt die Politik kein wirklich zukunftsfähiges Konzept auf die Beine, das einen aktiven Beitrag leisten würde. Im Gegenteil! Wir haben zwar mittlerweile einen Anteil von bis zu einem Drittel erneuerbare Energien (was wirklich toll ist), aber auf der anderen Seite haben wir es nicht geschafft die Emissionen seit Mitte der 2000er Jahre wirklich zu senken. Das bedeutet unterm Strich ein Anstieg des CO2-Ausstoßes um fast ein Drittel.

Nun ist es nicht so, dass allein unsere Bundesregierung für den relativen Anstieg der CO2-Emissionen verantwortlich ist. Auch wir Bürger haben mit unserem Lifestyle einen gewaltigen Anteil daran. Leider gehören Verhaltensänderungen erwiesender Maßen zu einem der am Schwersten umsetzbaren Vorgänge überhaupt. Das merken auch wir an uns selbst – eben in Bezug auf unser eigenes Auto. Wir wissen, wie schlimm es um die Luftqualität in unseren Straßen steht, wir wissen, dass wir mit jeder Autofahrt das Klima weiter anheizen. Wir wissen aber auch, wie bequem es ist, sich – vor allem mit viel Gepäck – einfach ins Auto zu setzen und loszufahren.

Wenn die Autoindustrie nicht Willens ist, uns sauberere Alternativen anzubieten, und die Bundesregierung nicht ihrer eigentlichen Pflicht nachkommt, ihre Bürger zu schützen, dann braucht es wohl doch radikalere Schritte, um uns alle in eine sauberere Richtung zu drängen. Wie diese Schritte aussehen können, hat uns jüngst das Leipziger Urteil zum Feinstaub gezeigt: Es braucht eine neue Generation von aktiven Umwelt-Anwälten, die das Versagen von Politik und Industrie gegenüber unserer Zukunft korrigiert. „Verklagt sie!“ sollte unser neuer Slogan werden.

Das würde zwar auch bedeuten, dass wir selbst nicht mehr einfach ins Auto vor unser Wohnung in Berlin einsteigen können. Aber wenn wir wirklich etwas verändern wollen, brauchen wir vielleicht alle diesen aktiven Arschtritt – von den Bürgern, über die Politik, bis hin zur Industrie. Auf diesen neuen gesetzlichen Grundlagen etabliert sich dann hoffentlich eine grünere Industrie, durch die wir es endlich schaffen, eine nachhaltigere Zukunft aufzubauen.

Wir sind gespannt, wie lange es noch dauert, bis wir mit unserem Auto nicht mehr in unsere Stadt dürfen. Bis dahin lassen wir es so oft wie möglich stehen, fahren nicht nur in der City mit dem Fahrrad, den Öffis und der Regionalbahn. Und wenn es dann endlich so weit ist, werden wir uns alle über bessere Luft freuen. Und unsere Kinder werden uns dafür sehr bald sehr dankbar sein.

FOTOS: Marcus Werner // Anna Schunck

2 Kommentare

  1. Toll, Eure Seite macht mir Mut. Manchmal habe (ich alte Tante) schon gedacht, ergäbe nur noch lifestyle-konsumierende junge Leute. Auch die Fotos sind schön.
    Werde Eure Seite in meinem Blog vorstellen, da sammle ich nämlich auch Ermutigendes.

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