Warum dieser Artikel wichtig ist:

Die Fast Fashion-Industrie ist weltweit eine der größten – und eine der schmutzigsten. Es gibt also ganz sicher genügend Gründe, gegen bestehende Zustände zu kämpfen. Nutzen wir sie! Nicht nur am Weltfrauentag.

Kann man sich selbst als Feministin bezeichnen – und gleichzeitig Fast Fashion tragen? Diese Frage stellte sich jüngst recht vehement im Freundinnenkreis. Und während eine Fraktion gleich klar mit Nein antwortete, traute sich eine andere ganz vorsichtig nachzufragen: warum?

Dieses Warum, das auch in Zeiten des wachsenden Slow Fashion-Movements sicher einigen zunächst berechtigt vorkommt, ist wie so viele Überlegungen rund um Nachhaltigkeit, Umweltschutz und nicht zuletzt auch Ethik eine Sache des Bewusstseins – beziehungsweise des Bewusstmachens. Und genau darin üben wir uns ja bei und mit VIERTEL \ VOR selbst ganz bewusst jeden Tag.

Geht’s dabei um das, was wir anziehen, heißt unser Motto bekanntlich buy less, choose well. Waldrodung für Baumwollanbau, Pestizideinsatz und Wasserverbrauch auf den Feldern, fossile Brennstoffe, die in der Kunstfaserherstellung verschleudert werden, Chemikalien, die nach Veredelungsprozessen Flüsse verseuchen und die endlosen Transportwege rund um die Welt – alles, salopp gesagt, ziemlich scheiße für Böden, Gewässer, Klima. Und, salopp erklärt: Was Böden, Wasser und Klima schadet, ist meistens auch schlecht für die, die darauf, dran oder damit leben müssen. Das sind dann Menschen, die in einer zerstörten Umwelt zu Hause sind. Und das sind dann fast immer die Produzenten der Rohstoffe und die, die diese Rohstoffe weiterverarbeiten, zuschneiden, bedrucken, vernähen, verpacken. Und gerade Letztere sind in aller Regel Frauen.

Frauen, die neben der Textilindustrie in Ländern wie China, Indien oder Bangladesch kaum Chancen zum Arbeiten haben. Frauen, die Chemikalien einatmen oder auf die Haut bekommen. Frauen, die viel zu viel und viel zu lange arbeiten und dafür viel zu schlecht bezahlt werden. Und die trotzdem angewiesen sind auf ausbeuterische Jobs, von denen sie in vielen Fällen auch mit dem vorgeschriebenen Mindestlohn in diesen Ländern mehr schlecht als Recht leben können. Das sind Frauen, mit denen alle Frauen und Männer, die sich für Feminismus, für Gleichheit und für Sisterhood einsetzen, so oft und so vehement wie möglich solidarisch sein sollten.

Wie genau das geht? Indem wir ruhig auch mal für diese Frauen und Männer auf die Straße gehen, indem wir Transparenz fordern und viel vehementer auch nach politische Lösungen fargen. Und eben, indem wir aus mindestens genau so handfesten Gründen auf Fast Fashion verzichten, wie alle, die die Umwelt schützen oder nachhaltiger leben wollen. In dem wir uns gegen zehn neue Teile im Monat und gegen T-Shirts für fünf oder 12 oder 19 Euro entscheiden, indem wir gezielter darauf schauen, wo – und damit meine ich nicht in welchem Land, sondern unter welchen Umständen – die Kleider, die wir kaufen gemacht werden. Indem wir Unternehmen unterstützen, die wirklich etwas für die Rechte der Frauen und auch der Männer in der Herstellungskette tun.

Slow Fashion heißt nicht, generell auf Mode aus Indien oder China oder Bangladesch zu verzichten. Sondern dafür zu sorgen, dass ein Minimum dessen, was wir uns als Frauen in Deutschland wünschen auch dort umgesetzt wird. Oder in der Türkei oder in Rumänien. Und damit tragen wir mit unseren Kaufentscheidungen bei. Cheesy but true: Unser Kassenbon ist ein Stimmzettel.

Natürlich kann man feministische Überzeugungen im Alltag auch in einem Fünf-Euro-Shirt von einer x-beliebigen Fastfashion-Kette vertreten. Und noch viel wichtiger: Man kann und man sollte diese leben! Denn natürlich ist Feminismus oder generell Kindness und Nächstenliebe als first Step vor allem in nächster Nähe und im schnöden Alltag wichtig. Aber das alles hört eben nicht an den Grenzen unserer Großstadt-Blase, unseres Landes oder unseres Kontinents auf. Next Step für alle, die ihrer Haltung noch aktivere Taten folgen lassen wollen, wäre es, sich und die Läden, in denen sie verkauft werden zu fragen: who made my clothes? Die Antworten darauf werden zu einem besseren Bewusstsein führen – um auf lange Sicht vielleicht zu einer neuen, unantastbaren Antwort auf die eingangs gestellte Frage zu kommen.

FOTO: VIERTEL \ VOR

4 Kommentare

  1. Pingback: THOUGHTS / Support women, support fair fashion! – fairfashionOOTD

  2. Toller Beitrag! Und wirklich gut geschrieben, genau darüber habe ich auch heute nachgedacht…

    Liebste Grüße,
    Hannah 🙂

  3. Pingback: Cherry Picks #13 - amazed

  4. Cooler Artikel, danke dir, dass du das Thema aufgreifst.
    Mir war auch ganz mulmig als ich es im Schaufenster sah und dachte mir: Wie krass bescheissen wir uns eigentlich?

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