Mutig gegen die Müllberge: Ein Gespräch mit ByeBye Plastic Bags auf Bali

Bali ist nicht nur paradiesischer Inseltraum auf der einen und Sinnbild für unsere plastikverseuchte Welt auf der anderen Seite – sondern ebenso Hoffnungsträger, wenn es um innovative Konzepte geht, den Müllbergen mutig entgegen zu treten.

An der Spitze dieser Bewegung stehen zwei Frauen, die bereits ein Drittel ihres Lebens gegen das unliebsame Plastik kämpfen und mit ihrer Mission schon im Alter von 10 und 12 Jahren den Weg in die Regierungsgebäude Indonesiens fanden. Die beiden Schwestern reisten gemeinsam um die ganze Welt, um ihre Idee zu verbreiten und, vor allem bei der Jugend, zu Veränderung anzuregen. All das noch lange vor Greta Thunberg und Fridays for Future.

Ihre Reden sind gleichermaßen inspirierend wie aufrüttelnd und hat man einmal ihre Leidenschaft erlebt, kann man sich nur noch schwer ihrer Mission entziehen. Und diese klingt so banal, wie radikal: Die Abschaffung von Plastiktüten in ganz Bali.

Wir haben mit der damals 17-jährigen Melati Wijsen und der 15-jährigen Isabel Wijsen 2018 auf Bali über ihr Projekt Bye Bye Plastic Bags gesprochen – und dabei nicht nur sehr viel über die globale Müllthematik gelernt, sondern auch neuen Mut für unsere Erde gefasst, in der solch inspirierende, leidenschaftliche Frauen wie Melati und Isabel leben.

Melati reist, nach ihrem Schulabschluss im letzten Jahr, mittlerweile als Vollzeitaktivistin um die ganze Welt, sitzt mit mächtigen Menschen in Davos beim Weltwirtschaftsforum zusammen oder beeindruckt Al Gore in einer Paneldiskussion. Nebenbei dreht sie aktuell die Doku Bigger Than Us – ein crowdfinanziertes Filmprojekt, das aktivistische Jugendbewegungen aus der ganzen Welt vorstellt. Ihre jüngere Schwester Isabel ist derzeit noch mit den letzten Jahren ihrer Schulausbildung in Bali beschäftigt.

Bevor ich nach Bali geflogen bin, habe ich sehr mit dem Fakt gehadert, dass ich als Touristin zur Umweltverschmutzung auf der Insel beitrage. Ist der Tourismus generell eher Segen oder Fluch für Bali – vor allem wenn es um Plastikmüll geht?

Melati: Es ist ein schmaler Grat. Bali ist sehr abhängig vom Tourismus geworden. Die balinesische Kultur wurde aber schön integriert und so auch der Welt zugänglich gemacht. Gerade weil diese Insel so einzigartig ist, gibt es eben viel zu zeigen. Wenn man aber über Plastikmüll und Tourismus nachdenkt, wird durch den Tourismus definitiv mehr produziert, um Angebot und Nachfrage gerecht zu werden. Leider agieren die meisten Tourist*innen, die hierherkommen, nicht als gutes Beispiel. Genau das ist das Problem. Was mich wirklich nervt, sind Tourist*innen, die mit einem iPhone in der Hand durch die Straßen laufen und trotzdem ignorant sind. Der Besitz des Smartphones bedeutet, dass sie Zugang zu Informationen haben. Es bedeutet, dass sie Zugang zu Social Media haben, zu all diesen Artikeln, die erscheinen. Sie wissen um das Plastikproblem und entscheiden sich trotzdem dafür die Plastiktüte im Supermarkt zu nehmen. Sie haben einen massiven Einfluss auf die örtliche Community hier. Wenn Menschen, die die Insel besuchen, sie nicht respektieren, warum sollten es die Einheimischen tun? So landet der Müll am Ende am Strand. Es ist leicht zu sagen, ich war auf Bali und die Insel ist voll von Plastik, um dann Fotos aus deinem Urlaub auf Bali zu machen und sie viral gehen zu lassen. Wir alle spielen eine Rolle darin. Und es fängt damit an, dass die Tourist*innen unsere Insel respektieren.

Woher nehmt ihr diese Riesen Motivation in solch jungen Jahren Eco-Warrior zu werden? Was treibt euch an?

Isabel: Es hat viel damit zu tun, wie wir aufgewachsen sind. Und wir leben auf Bali. Einer Insel, die komplett vom Ozean umgeben ist. Wir leben in einem Haus nicht mal 100 Meter vom Strand, inmitten von Reisfeldern. Die Umwelt und alles was darin passiert, war schon immer Teil unseres Alltags. Dass Plastik ein Problem ist, war uns deswegen sehr früh klar. Als wir 10 und 12 Jahre alt waren, liefen wir gemeinsam mit unseren Freund*innen von der Schule am Straßenrand nach Hause und sahen all dieses Plastik. Es war einfach so präsent, dass wir anfingen die Frage zu stellen: Was wird jemand dagegen tun?

Melati: Unsere Motivation war das Realisieren der Tatsache, dass alles genau jetzt passiert. Wir sind quasi die Generation an der Frontlinie. Wir werden den größten Einfluss darauf haben, was sich in unserem Leben verändert. Die Frage war einfach nur: Was können wir dagegen tun? Und was werden wir tun?

Wenn du einen Klimawandelgegner wie Donald Trump persönlich treffen könntest, was würdest du ihm sagen?

Isabel: Wenn sich Aktivist*innen und Leugner*innen des Klimawandels treffen, gibt es oft viele aufeinander zeigende Finger. Das führt nur wieder zu Problemen. Was ich wirklich machen wollen würde, wäre einfach nur da zu sitzen und sie zu fragen: Warum glaubst du nicht daran? Es ist wichtiger ihre Psychologie zu verstehen, als meine Antworten an sie. Denn mit dem Finger auf jemanden zu zeigen, bringt einen nirgendwo hin. Wir müssen den anderen Teil der Geschichte verstehen und daraus ableiten, wie man ein solches Mindset zu mehr Bewusstsein bewegen kann. 

Melati: Es geht darum zu verstehen, warum sie den Klimawandel leugnen. Nur so können wir diesen Menschen die richtigen Informationen zukommen lassen, damit sie es begreifen können und an den Punkt kommen, an dem sie selbst verknüpfen können, warum der Klimawandel real ist und genau jetzt passiert. 

Photo by Brian Yurasits on Unsplash
Ich bin nun schon einige Tage in Bali und sehe immer noch viele Plastiktüten, die mir im Supermarkt und überall sonst angeboten werden. Leider hat mich am Flughafen niemand gefragt: Haben sie irgendwelche Plastiktüten anzumelden? (Anm. d. Red.: Schaut euch ihren ersten TED-Talk an, um zu erfahren, worum es geht.) Ist ein Ende überhaupt in Sicht?

Melati: 2017 war ein großes Jahr für uns, um weiterzukommen und sicherzustellen, dass die Regierung ihre Versprechen nicht vergisst. Als echtes People Power Movement, das von ganz unten kommt, hatten wir die Ehre all diese großartigen Meilensteine zu erleben. Wir haben die „Save Nature“ Verpflichtung bei den Vereinten Nationen gefeiert, hatten unsere TED Talks. Wir haben bewiesen, dass es rechtlich möglich ist. Es ist wirtschaftlich mehr als effizient, praktisch und die Öffentlichkeit ist bereit. Unsere nächsten großen Meilensteine sind definitiv Balis Biggest Beach Clean Up an über 100 Locations. Mein absoluter Lieblingstag, denn es zeigt, dass diese Insel wirklich vereint ist. Es zeigt, dass wir nicht als die Müllinsel bekannt sein wollen. Es gibt die Paradiesinsel Bali immer noch.

Und politisch?

Melati: Einer unser erst kürzlich erreichten Meilensteine ist die Aufmerksamkeit der lokalen Regierungen, der Regionalregierungen und jetzt haben wir es sogar geschafft, die nationale Regierung auf uns aufmerksam zu machen. Wir arbeiten mittlerweile sehr eng mit drei Ministerien zusammen. Mit dem Ministerium für Entwicklungsplanung, das sich über alle 17.000 Inseln erstreckt. Mit dem Ministerium für Maritime Angelegenheiten und dem Ministerium für Umwelt und Forstwirtschaft. Ich war erst kürzlich für zwei sehr intensive Tage in Jakarta bei Anhörungen mit den ausführenden Ministern, habe ihnen von dem Clean-up erzählt und wie die nationale Regierung Bali helfen kann weiterzukommen und die Autonomie dieser Insel zu nutzen, um die Verpflichtungen wirklich einzuhalten.

Der letzte Meilenstein, um wirklich zu zeigen, dass der öffentliche Druck da ist, ist tatsächlich Balis Biggest Beach Clean Up. Wir sind super stolz darauf. Es gibt Bye Bye Plastic Bags nun fünf Jahre und wir schaffen es immer noch so viele Menschen auf einmal zusammenkommen zu lassen. Wir nehmen unsere Mission Bali plastikfrei zu bekommen sehr ernst und all diese Leute stehen hinter uns. Jetzt ist die Zeit. Und es ist wirklich an der Regierung uns zu folgen. Die Menschen warten darauf!

Nur zehn Monate nach unserem Gespräch erlässt der Gouverneur von Bali am 21. Dezember 2018 ein Gesetz zum Verbot von Einwegplastik auf Bali. Das Gesetz trat nach einer sechsmonatigen Übergangsphase am 23. Juni 2019 in Kraft. Plastiktüten, Strohhalme und Styropor sind damit auf der beliebten Urlaubsinsel verboten. Die Mission von Bye Bye Plastic Bags ist somit zwar erfüllt, ihre Arbeit geht jedoch weiter.
In 2014 bzw. 2015 habt ihr von der Regierung schon das Versprechen bekommen, dass sie die Bevölkerung im Hinblick auf Plastik besser bilden wollen. Wie sehen die Pläne dafür aus?

Isabel: Es gibt definitiv Tendenzen einen grüneren Bildungsplan als Teil des Schulsystems in Indonesien zu etablieren. Ich weiß aber nicht, ob sie den nationalen Bildungsplan aktuell ändern. Mit Bye Bye Plastic Bags machen wir im Bereich Bildung sehr viel. Wir haben unser Booklet, das wir schon über 1000 Mal ausgegeben haben und in dem wir auf Indonesisch, vor allem Grundschüler*innen, zu Plastikverschmutzung aufklären.

Melati: Indonesien hat einen grünen Wettbewerb ausgerufen, in dem sich Städte darum bemühen können, die grünste Stadt zu werden. Auf dieses Programm sind alle sehr stolz. Viele Städte versuchen deswegen grüner zu werden. Dies führt automatisch zu Bildung und Awareness. Aber in den Schulen direkt fehlt es definitiv an mangelnder Bildung im Hinblick auf: Was ist Klimawandel? Was sind die Lösungen, die ergriffen werden können? Worum geht es bei der Müllproblematik?

Habt ihr das Gefühl, es ist für euch als Mädchen schwieriger mit großen politischen Persönlichkeiten zu sprechen?

Melati: Als wir anfingen, war das für uns überhaupt nicht präsent. Als erwachsene Frau bin ich schockiert, dass das Geschlecht im alltäglichen Leben noch immer eine so große Rolle spielt. Für mich ist klar, dass mein Geschlecht nichts damit zu tun haben sollte, wie wir als Politiker*innen und Aktivist*innen miteinander agieren. Es ist für uns total inspirierend wie Menschen Bye Bye Plastic Bags sehen, weil wir beide Frauen sind. Wir bekommen so viele Nachrichten von jungen Mädchen, die zeigen, dass Führungspositionen, die von anderen Mädchen übernommen werden, einen immensen Einfluss haben. 

Melati and Isabel Wijsen at TEDGlobal London – September 29, 2015, Faraday Lecture Hall, Royal Institution of Great Britain, London, England.
Wie schafft ihr es all diese verschiedenen Menschen an Bord zu bekommen – Balines*innen, Reisende und ausländische Einwohner*innen?

Melati: Wir denken oft darüber nach, wie wir dieses Nachhaltigkeits-Mindset auch an Einheimische weitergeben können. Ein Weg geht über die Bildung an Schulen, um die Jugend zu stärken. Ende letzten Jahres haben wir außerdem zusammen mit 40 einheimischen Frauen in den Bergen Balis unser soziales Unternehmen gegründet, das alternative Taschen aus recyceltem oder gespendetem Material produziert. Durch diesen sehr praxisbezogenen Ansatz bestärkt es sie darin, dass Plastik nicht die Lösung ist. Sie erfahren, was es heißt umweltfreundlich zu agieren, übernehmen soziale Verantwortung, kurbeln die Wirtschaft an und erhalten ein Einkommen. Wir nennen sie Mountain Mamas. Jede dieser Frauen wird unabhängig bezahlt. Wir verkaufen die Taschen an Einzelhändler in ganz Bali. 50% des Gewinns geht zurück in die Community. Dieses Geld können sie wiederum investieren und verwenden, um Müll-Management-Systeme zu etablieren, Bildung für die Kinder oder auch öffentliche Gesundheitsversorgung zur Verfügung zu stellen. Das ist ein völlig neues Konzept für viele Balines*innen, aber es geht auf die Tradition zurück, dass jede*r Einzelne*r ihren/seinen Teil in der Gemeinschaft beiträgt. Wenn wir Kreislauflösungen aufzeigen, holt das die örtliche Gemeinschaft wirklich ab. In unserem Pilot-Dorf involvieren wir Frauen, wir haben Schulprogramme für die Kinder und wir bringen die örtlichen Behörden, die meist männlich besetzt sind, mit ein, um alles zu genehmigen und zum Beispiel Müll-Management-Systeme zu implementieren.

Trotzdem scheint Umweltschutz ein sehr privilegiertes Thema zu sein. Was könnten wir tun, um diese verändernden Gedanken in allen sozialen Schichten zu etablieren?

Isabel: Ein Weg ist es, vielen Menschen diese zugänglich zu machen. Wenn wir über die Plastikproblematik sprechen, werfen wir oft große Zahlen und Fakten in den Raum. Man weiß dann zwar, dass es ein Problem ist, fragt sich aber was das mit mir zu tun hat. In Indonesien haben viele Einheimische keinen Zugang zu Informationen oder Lösungen. Im Globalen Norden werden Müllbeseitigungsanlagen von der Regierung zur Verfügung gestellt. In Bali gibt es noch nicht mal eine Abholmöglichkeit, kein Müll-Management, keine Recycling-Anlagen.

Ich dachte, ich hätte welche gesehen?

Isabel: Es gibt welche, aber die sind alle privat. Man muss für diesen Service aus eigener Tasche zahlen. Diese Lösung können sich viele Einheimische nicht leisten.

Melati: Wenn du privilegiert genug bist dich mit solch verändernden Gedanken auseinandersetzen zu können, reicht es nicht mehr nur drüber zu reden. Es geht darum rauszugehen und etwas damit zu machen. Sich mit einem Problem beschäftigen zu können, ist auch ein Segen. Es kann etwas triggern, dass letztendlich dazu führt, dass etwas erfunden wird, das zur Lösung beiträgt. Genau an diesem Punkt müssen wir die einheimische Community, die hiermit Tag für Tag leben muss, mit den anderen verbinden. Wir können die Brücke sein. Gerade junge Menschen und Bewegungen, die durch junge Menschen geführt werden, können dies sein. Wir verbinden die Regierung mit der Öffentlichkeit, die Firmen mit der Regierung und arbeiten zusammen. Aber um die Community wirklich zu motivieren an der Lösung mitzuarbeiten, muss man ihnen diese Lösungen auch bereitstellen. Wir haben einen Punkt völliger Hilflosigkeit erreicht. 

Wie äußert sich das?

Melati: Wir leben sehr nah am Strand und gehen alle paar Tage dorthin, um den Sonnenuntergang anzuschauen. Eines Tages war dort dieser ältere Herr. Er sammelte Müll am Strand und wir folgten ihm während wir uns unterhielten. Als wir alle schon gehen wollten, nahm er all den Müll, machte einen Stapel, schüttete Benzin darüber und zündete alles an. Zuerst dachten wir direkt, dass wir das Feuer stoppen müssen. Doch wir sahen in der Situation auch eine Chance. Also gingen wir zu ihm und, wie die Klimawandelgegner*innen, fragten wir ihn: Warum verbrennst du es? Er schaute uns an und sagte: Was soll ich denn sonst machen?

Das war solch ein augenöffnender Moment, denn ja, was sollte er denn sonst machen? Ich realisierte, dass ein 45-jähriger Mann, an unserem örtlichen Strand, der selbst zwei Kinder hat und alles über das Problem weiß, genau wusste, dass es falsch war den Müll zu verbrennen. Die Awareness war da, aber er konnte nur so weit gehen wie es ihm möglich war. Er konnte den Müll nicht fachgerecht entsorgen oder recyceln. Unser Team fokussiert sich darauf genau solche Veränderungen mithilfe der Regierung zu schaffen und Umweltpolitik zu wandeln. Wir müssen von ganz unten nach oben gehen und „die da oben“ müssen uns irgendwo in der Mitte treffen.

Was passiert denn mit dem Müll, wenn ihr ein Beach Clean Up macht?

Isabel: Letztes und auch dieses Jahr haben wir uns mit genau diesem privaten Sektor und anderen Organisationen zusammengetan. Kleine, örtliche Recycling-Betriebe, die jeweils aus ihrer Region den Müll einsammeln und verwerten.

Sind Beach Clean Ups nicht nur ein Tropfen auf den heißen Stein?

Melati: Beach Clean Ups sind und können gar nicht die finale Lösung sein. Aber es ein großartiges Tool, um Bewusstsein zu schaffen und alle mit einzubeziehen. Wir haben so viele Menschen, die mitmachen und uns beipflichten, dass etwas passieren muss. Es ist ein fantastisches Bildungs-Tool und ermöglicht den Menschen Teil der Lösung zu sein. Es zeigt, dass alle einen Unterschied machen können.

Isabel: Das Plastikproblem ist so komplex. Es gibt nicht diese eine Lösung. Du musst aus vielen verschiedenen Richtungen ansetzen.

Melati: In den sozialen Medien sind Bilder von Beach Clean Ups ganz normal geworden. Dadurch fangen Follower zwar an darüber nachzudenken und verändern vielleicht ihr Mindset, aber wir dürfen nicht dort stehen bleiben und glauben, dass Beach Clean Ups die Lösung sind. Erst kürzlich hat die Regierung bzw. das Umweltministerium eine Art Beschluss mit einem Drei-Monats-Clean-Up-Plan veröffentlicht. Das ist natürlich toll, aber es ist auch leicht für die Regierung zu sagen, sie haben etwas getan. Wenn man weiterdenkt, weiß man, dass dies lediglich ein Awareness-Tool und keine Lösung ist.

Ihr wart auf der Forbes-Liste der 10 inspirierendsten Frauen des Jahres und seid mit eurer Kampagne um die ganze Welt gereist. Spürt ihr einen gewissen Druck eure Mission zu erfüllen?

Melati: Bali plastikfrei zu bekommen? Ja! Es war wirklich spürbar, dass die Augen der Welt auf Bali und Bye Bye Plastic Bags gerichtet sind. Aber ich denke auch an all die Dinge, die wir erreicht haben. All die Bildung, die verschiedenen Mindsets, die wir verändert haben. Die Projekte, die entstanden sind, weil andere durch uns gesehen haben, was möglich ist. Das wäre alles nicht möglich gewesen, hätten wir nicht vor fünf Jahren damit angefangen. Dafür bin ich so unfassbar dankbar. Die Zeit für Veränderung war nie besser als jetzt. Es herrscht also tatsächlich viel Druck, aber der Ball ist aktuell in der Hand der Regierung. Ich glaube sehr stark daran, dass Bali als Beispiel für den Rest Indonesiens vorangehen kann.

Welche drei Worte beschreiben deine Schwester am besten?

Isabel: Leidenschaftlich. Melati ist verrückt, aber total geerdet.

Melati: Königin, kreativ und Erde.

Und was sind eure Pläne nachdem ihr die Schule beendet habt?

Melati: Ich werde ein Jahr früher den Abschluss machen. Ich möchte mich auf meine Herzensprojekte fokussieren. Durch Bye Bye Plastic Bags haben sich so viele Möglichkeiten aufgetan. Wir haben ein tolles Netzwerk geschaffen. Ich möchte daraus jetzt meine Vorteile ziehen und so schnell wie möglich damit anfangen. Ich werde mich danach noch viel stärker auf unser neues Projekt konzentrieren, bei dem es vor allem um Jugend-Empowerment geht. Wir wollen sicherstellen, dass die junge Generation alle Tools kennt und jeglichen emotionalen Support hat, um die nächsten Leader zu werden und die sich entwickelnden Projekte anzuführen.

Isabel: Ich werde definitiv Teil dieses Projekts sein. Aber die nächsten Jahre möchte ich vor allem einfach nur durch die Schule kommen und ein ganz normaler Teenager sein. So normal, wie es eben bei uns geht.

Melita und Isabel Wijsen, Verleihung des BAMBI 2017 im Theater am Potsdamer Platz in Berlin. Copyright: Eventpress Fuhr für Hubert Burda Media, Datum 16.11.2017

In Berlin wart ihr letztes Jahr bei eurem ersten Red Carpet Event und habt einen Award für euer Engagement erhalten. Der Bambi steht dabei für Menschen mit einer Vision und Kreativität, die mit ihren Erfolgen in diesem Jahr in den Medien herausgestochen sind. Habt ihr das Gefühl, dass dieser Erfolg, den die Medien darstellen eure Situation vor Ort richtig einfängt?

Melati: Es ist heutzutage wirklich interessant Teenager zu sein, denn wir wurden in eine technologische Welt geboren. Social Media ist so ein großer Teil unseres täglichen Lebens. Gerade durch Bye Bye Plastic Bags und dieser globalen Aufmerksamkeit, die wir bekommen, habe ich manchmal fast Angst vor der Macht, die soziale Medien und Medien im Allgemeinen mittlerweile haben. Medien können die Geschichte immer so erzählen, wie sie sie erzählen möchten. Egal wie oft wir unsere Geschichte mitteilen, Reporter, Journalist*innen und Medienschaffende werden hören, was sie hören wollen. Damit haben sie so einen großen Einfluss auf Menschen. Durch die Fokussierung auf 2018 wurde Bali in den Medien sehr einzigartig hervorgehoben und alle waren überzeugt davon, dass die indonesische Regierung die Forderung umsetzen wird. Obwohl die Balinesische Regierung gar nichts gesagt oder getan hat. Es war also sehr einfach für sie, eine große Aufmerksamkeit für das Land zu bekommen. Medien helfen insofern, dass die Leute wirklich danach fragen. Je mehr Fragen gestellt werden, desto mehr zeigt dies, dass der öffentliche Druck wächst. Medien können diesen Druck aufrecht erhalten.

Isabel: Medien haben immer zwei Seiten. Sie haben definitiv die Macht Themen wie die Plastikproblematik hier in Bali auf ein internationales Level zu heben. Doch manchmal, wenn man solche großen Schlagzeilen wie „Bali wird 2018 plastikfrei sein“ liest, fühlt sich das an, als würde es tatsächlich gerade passieren. Aber was danach folgt, fehlt oft in der Berichterstattung. Und das ist oft viel wichtiger. Doch die Welt, in der wir leben und die Aufmerksamkeitsspanne der Menschen, erlaubt dieses Nachhalten oft nicht. Deswegen ist die Überschrift alles was zählt und „Bali 2018 plastikfrei“ war definitiv eine ganz heiße.

Melati und Isabel, vielen Dank für dieses aufschlussreiche und lehrreiche Gespräch, das mich seit unserem Treffen nicht mehr losgelassen hat. Ihr lebt Veränderung und zeigt damit, was möglich ist.

Mehr Infos:

Alles rund um die Organisaton Bye Bye Plastic Bags

Bye Bye Plastic Bags bei Facebook und Instagram

Alles rund um One Island One Voice, bei dem die Schwestern mehrere NGOs und Menschen zusammenbringen. 

FOTOS: Bye Bye Plastic Bags

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