Warum dieser Artikel wichtig ist

Nachhaltige Produkte müssen mehr als nur nachhaltig sein, um im Massenmarkt anzukommen. Ihre Qualität muss mindestens genau so gut sein, wie die konventionellen Produkte. Nur dann können sie auf breiter Ebene etwas verändern.

Zunächst einmal: Wir sind große Fans vom Fairphone. Die holländische Brand verarbeitet so ziemlich alles in einem Produkt, was wir toll finden: Transparenz, Nachhaltigkeit, Modularität und Austauschbarkeit von einzelnen Teilen sowie einen Kreislaufansatz, ohne den in Zukunft nur noch wenige Unternehmen auskommen werden. Well done! Wir unterstützen dieses Konzept, wo wir nur können.

Trotz all dieser tollen Dinge muss das Fairphone trotzdem mit den Premium-Produkten der konventionellen Hersteller konkurrieren. An deren Leistung und Qualität haben sich die Meisten längst gewöhnt. Wer einmal ein neues IPhone, Samsung oder Google-Pixel in der Hand hatte, dem fällt es schwer wieder Abstriche zu machen, egal wie grün sein Herz sein mag.

Umso gespannter waren wir, als wir das Fairphone und vor allem sein neues Kameramodul zum Testen bekommen haben. Da wir sehr visuell arbeiten, ist die Kamera für uns eines der wichtigsten Tools am Telefon. Ein Upgrade von acht Megapixel auf zwölf Megapixel hat da auf jeden Fall unser Interesse geweckt. Dass man nicht ein komplett neues Telefon kaufen muss, sondern nur das einzelne Kamera-Modul für 45 Euro finden wir noch besser.

Was die Kamera im Alltag kann, seht Ihr in der folgenden kleinen Foto-Test-Serie. Alle Fotos sind unbearbeitet und so, wie sie die Kamera geschossen hat. Meine Kommentare findet Ihr zwischen den Bildern, eine Zusammenfassung am Ende des Posts:

Das Fairphone Foto verschwimmt nach oben hin leider komplett. Obwohl es sich um eine tageshelle Außenaufnahme handelt, sieht man doch viel Grain am oberen linken Rand in der schattigeren Gegend.
Das gleiche Motiv im Vergleich, geschossen mit meinem Samsung Galaxy S8.
Bei Aufnahmen im Innenbereich kommt es vor allem auf eins an…
… nämlich die Kamera sehr ruhig zu halten.
Zwischen Auslösen der Aufnahme und dem schießen des Fotos vergeht meistens eine Weile. Das führt manchmal zu unscharfen Bildern.
Die Schärfe auf den gewünschten Punkt zu legen ist mit dem Fairphone schon eine Kunst für sich. Wir haben es nicht so oft geschafft.
Wieso ist das Bild im Mittelteil scharf, aber verschwimmt oben rechts komplett? Die Kamera war auf jeden Fall nicht verschmiert.
Bei Innenaufnahmen und schlechten Lichtverhältnissen ist es schwierig das gewünschte Foto zu machen.
Bei schlechten Lichtverhältnissen sieht man sehr viel Grain und die Fotos werden realativ matschig.

Zusammenfassung:

Die neue Fairphone-Kamera tut das, was sie tun soll: sie schießt Fotos. Es ist zwar nicht sehr „fair“ die Fairphone-Kamera mit einer Samsung Galaxy S8-Kamera zu vergleichen, aber wir versuchen trotz Sympathiepunkten immer auch die reale Welt zu sehen. In dieser schauen die Konsumenten zuerst auf die Qualität von bestimmten Produkt-Merkmalen. Ob diese nachhaltig hergestellt sind, spielt für die Meisten eine weniger wichtige Rolle. Deshalb müssen nachhaltige Unternehmen genauso gut, wenn nicht sogar besser sein, als ihre konventionelle Konkurrenz. Das Key-Feature des Fairphones sehen wir deshalb nicht in der Kamera, sondern vor allem in der Austauschbarkeit und Reparaturfähigkeit des Gerätes.

Trotzdem sind die Fairphone-Fotos nicht von Grund auf schlecht. Die Qualität der Fotos kann man am ehesten mit denen des IPhone 4 vergleichen. In der Smartphone-Welt sind das gefühlte Jahrhunderte und seit damals ist die Qualität der Kameras stetig gewachsen. Heute sind viele Premium-Modelle mit Kompakt-Kameras vergleichbar und machen sich auf den Weg sogar DSLR-Kameras zu ersetzen. Die Fairphone-Kamera kann da zwar nicht mithalten. Muss sie aber auch nicht.

Wir gehören wahrscheinlich auch zur anspruchsvollsten Test-Gruppe überhaupt, da wir sehr visuell arbeiten und gute Fotos für uns oberste Priorität haben. Für Amateur-Fotografen, die ihr Telefon eher für Schnappschüsse nutzen, reicht die Qualität der Fotos vollkommen aus. Mit ein bisschen Nachbearbeitung kann man die Bilder sogar noch um einiges aufwerten.

Entscheidend für den Fairphone-Nutzer sollte daher sein, dass man nicht ein neues Telefon kaufen muss, um mit der neuen Kamera zu fotografieren. Es reicht, sich das Kamera-Modul für 45 Euro im Fairphone-Shop zu kaufen und selbstständig auszutauschen. Das alte Modul kann man dann direkt an Fairphone zurücksenden, die es wiederum in den Kreislauf zurückführen.

Wir haben uns am Ende gegen den Kauf eines Fairphones entschieden. Aufgrund unserer Jobs brauchen wir eine Premium-Kamera im Smartphone. Vielleicht gibt es aber auch bald ein neues Kamera-Update. Das werden wir uns auf jeden Fall wieder genau anschauen. Denn das Konzept Fairphone gehört zu einem der Besten und Mutigsten, dass wir seit Langem gesehen haben.

Fotos: Marcus Werner

2 Kommentare

  1. Hey Marcus,

    ich dachte mir gleich: Wäre ja auch zu schön gewesen. Wenn die Kamera sich mit der des iPhone 4 vergleichen lässt, ist sie auf dem Stand von Mitte 2010, das liegt in wenigen Monaten acht Jahre zurück. Das ist ein vernichtendes Ergebnis, wenn man ehrlich ist. Trotz „fair“.

    Ich hätte aber trotzdem noch einige technische Fragen, vielleicht kannst du die beantworten: Die Smartphone-Kameras sind meines Wissens ja nicht zuletzt deshalb so leistungsstark, weil das Zusammenspiel aus Linse, Bildprozessor, Rechneleistung dazu fähig ist. Inwiefern sind der Qualität der Fairphone-Kamera denn systemische, weil modulare, Grenzen gesetzt?

    Also was genau steckt im Kameramodul technisch drin (Linse+Bildprozessor?) und inwieweit kann ein Nachrüst-Modul überhaupt für Verbesserung sorgen, wenn es das einzige Upgrade ist?

    • Marcus Werner

      Hey Benedikt. Vielen Dank für Deine Nachfragen. Da bin ich technisch leider auch überfragt. Wie gesagt, ich hab das wirklich unter Praxis-Alltags-Punkten getestet. Für die technische Analyse würde ich Dich direkt an Fairphone weiterreichen (EMail kommt). Was ich sagen kann, ist, daß die Kamera eben von 8 auf 12 MP geupgraded wurde und eine bessere Linse bekommen hat. Mein Eindruck ist daher auch, dass die Kamera ansich ganz gut ist, aber die technische Seite dahinter nicht leistungsstark genug ist, um das Bild in der gleichen Qualität zu verarbeiten, wie sie die Linse sieht. Was das dann technisch heißt, kannst Du mir ja bei Gelegenheit mal erklären 😉 LG, Marcus

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