Es gibt zwar viele gute Bücher, aber es gibt selten Bücher, die so einschneidend sind, dass sie Einstellungen nachhaltig verändern können. Naomi Klein hat so ein Buch geschrieben. In Kapitalismus vs. Klima zeigt sie auf fast schon verstörend einfache Art und Weise, was in unserem System schief gelaufen ist. Verstörend deswegen, weil wir alle ein Teil des System sind – ob wir wollen oder nicht. Einfach deshalb, weil es nicht schwer zu verstehen ist, worin der Kern des Problems liegt: Wir verbrauchen mehr CO2, als unsere Welt verträgt.

Naomi Klein zeigt in ihrem Buch die großen Zusammenhänge auf, die einen Seite für Seite abwechselnd ungläubig mit dem Kopf schütteln lassen oder einem gleich ein zynisch hilfloses Lachen ins Gesicht treiben. So zum Beispiel in dem Kapitel, in dem sie mit den großen amerikanischen Umweltorganisationen abrechnet und beschreibt, wie diese gemeinsame Sache mit der Ölindustrie machen und konsequente gesetzliche Schritte zur Reduktion des CO2-Ausstoßes immer wieder abbremsen.

Das alles ist eine sehr amerikanische Perspektive auf das Problem, aber das Buch sollte uns als Warnung dienen. Schließlich hat der Neoliberalismus auch seit vielen Jahren Einzug in Europa und Deutschland gehalten. Wie sehr diese unnachhaltige Wirtschaftsweise unsere Politik bereits bestimmt, zeigen unzählige Beispiele, vom untätigen Zusehen der Regierung beim Dieselskandal bis hin zum viel zu langsamen Ausstieg aus der Kohle. Die Interessen der großen Aktienunternehmen stehen mehr denn je über den Interessen der einzelnen Menschen und vor allem der Umwelt.

Trotzdem versucht Naomi Klein in ihrem Buch auch Hoffnung zu machen. So zeigt sie anhand zahlreicher Beispiele, wie echter Widerstand gegen die großen fossilen Konzerne und vor allem die Politik aussehen kann. Die Stärke des Buches ist dann auch das, was sie in mir selbst ausgelöst hat: nämlich eine neue Konsequenz in meinem Handeln. Wir waren lange genug nett und naiv genug zu hoffen, dass schon irgendwie alles gut wird. Das wird es aber nicht. Denn dazu befinden sich fünf Mal so viele fossile Rohstoffe noch im Boden, wie wir eigentlich noch fördern dürfen, um unter dem zwei Grad Ziel von Paris zu bleiben. Glaubt irgendwer, dass irgendein fossiles Unternehmen irgendwann einfach freiwillig sagen wird: „Genug, den Rest lassen wir drinnen.“?

Es ist Zeit die Sache neu zu denken. Wer bis dahin noch ein paar Argumente braucht, sollte dieses Buch lesen.

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