Warum dieser Artikel wichtig ist:

72 Prozent der Deutschen kaufen Produkte und Dienstleistung online, meist verbunden mit hohen CO2-Emissionen und viel Verpackungsmüll. Wer, wie wir, auf Nachhaltigkeit achtet fragt sich in der Vorweihnachtszeit unweigerlich: nachhaltiger online shoppen – geht das überhaupt? Und wenn ja, wie?

Keine Hektik in vollen Innenstädten, kein Gewühl um die Ware, kein anstehen an der Kasse: Sich einfach alles, was man so braucht im Internet zu bestellen, ist ebenso einfach wie verlockend. Deshalb machen’s auch so viele! Nicht nur in der Weihnachtszeit: Drei Viertel aller Deutschen kaufen Produkte und Dienstleistungen online. Das ging im Oktober aus einer Studie von Otto und Kantar TNS hervor. 74 Prozent lassen sich dabei durch Stimmungen zu Spontankäufen verleiten. Und besonders spannend: Der typische Onlineshopper kommt, trotz zahlreicher Einkaufsmöglichkeiten in der City, vermehrt aus der Großstadt.

Blöd nur, dass durch den Transport direkt vor die Haustür so viele zusätzliche Emissionen anfallen. Ganz zu schweigen von dem ganzen Verpackungsmüll, der beim Onlineshopping entsteht, denn bestellte Produkte sind fast immer zusätzlich in Übermengen von Schutzfolien, Styropor und Plastik gehüllt. Zudem ist Deutschland auch noch Rekordmeister in der Retour. Über die Hälfte aller bestellten Produkte wird wieder zurückgeschickt.

Klingt nicht gut. Ganz aufs online Einkaufen zu verzichten ist für viele aber auch keine Option. Wie können wir also dem Weihnachts-Shoppingstress entkommen ohne die Umwelt zu belasten? Hier kommen viele Tipps aus vier Bereichen:

Transport:

Als erstes geht’s darum darauf zu achten, mit welchem Paketdienst ein Onlineshop seine Pakete ausliefert. DPD ist im klimaneutralen Versand vorne mit dabei – und das sogar ohne Aufpreis für den Konsumenten. Für den Transport von Kleidung und Co. werden umweltfreundliche Fahrzeuge wie Fahrräder, Elektro- oder Erdgasautos eingesetzt. Routenoptimierung und eine ständige Steigerung der erfolgreichen Erstzustellungen senken die Emissionen zusätzlich. Bis 2020 wollte DPD den eigenen CO2-Ausstoß um 10 Prozent im Vergleich zu 2013 zu reduzieren – und hat dieses Ziel 2016 bereits erreicht.

Auch DHL transportiert Pakete für den Privatkunden klimaneutral. Deutschlandweit ganz kostenlos und für Auslandssendungen stellt der Aufkleber „Go Green“ einen umweltfreundlichen Transport sicher – für einen Aufpreis von unter einem Euro, das in Projekte für Energieeffizienz, erneuerbarer Energien und Aufforstung fließt. DHLs Ziel: die CO2-Effizienz soll im Vergleich zu 2007 bis 2025 um 50 Prozent verbessert werden. Bis zum Jahr 2050 will das Unternehmen sogar komplett emissionsfrei sein. Dabei sollen ihm auch selbst produzierte Elektroautos helfen – die Streetscooter, die sich gerade zu einer echten Erfolgsstory entwickeln.

Am besten beim Onlineshopping ist – wie beim stationären Handel auch – auf die Regionalität der Produkte zu achten und so kurze Transportwege zu unterstützen. Wer also als Großstädter Ware innerhalb der Stadt zu sich liefern möchte, kann auf Velogista für den Versand zurückgreifen. Die Logistik-Lösung für die Großstadt transportiert mit elektrisch unterstützten Lastenfahrrädern mit einer Geschwindigkeit von 25 Stundenkilometer. Mit bis zu 250 kg Gewicht umgehen die Drei-Räder jeden Stau, Angestellte werden zudem fair bezahlt.

Innenverpackung

Ordentlich verpackt – okay. Aber so viel schädlicher Verpackungsmüll? Nein danke. Max Thinius von dem Bundesverband für E-Commerce und Versandhandel plädiert auf clevere Außenverpackung, um ganz auf die Innenverpackung, die einem im konventionellen Bereich so oft bergeweise begegnet, zu verzichten. Bei einigen Produkten ist das aber nicht möglich. Das bayerische Start-up Landpack findet deshalb ökologische Alternativen: Stroh statt Styropor ist dessen Motto. Die Isolierungsverpackungen aus den pflanzlichen Fasern sind für Dämmung, Feuchtigkeitsregulierung und Rückstellkraft perfekt geeignet. Dabei verwendet Landpack keine Zusatzstoffe, keine Klebstoffe und keine Bindemittel. Das ist einerseits gut für die Umwelt, da die Verpackung einfach im Biomüll entsorgt werden kann. Andererseits ist das Produkt so auch preislich wettbewerbsfähig mit Styropor.

Wer allerdings besonders gerne in den Styroporchips wühlt, findet bei Biobiene die perfekte nachhaltige Alternative: Füllmaterial aus Pflanzenstärke. Hohl- und Zwischenräume werden durch die kleinen Chips gefüllt – in den Farben rot, rosa, grün, gelb und blau macht das sogar besonders Spaß.

Außerdem guter Styroporersatz seit vielen Jahren: Innenverpackungen aus 100 Prozent Recyclingpapier. Nur durch Zugabe von Wasser – also ohne weitere Bindemittel oder sonstige Chemikalien – entsteht aus einer Papiermasse fast jede dreidimensionale Form, die einen optimalen Polsterschutz für die Produkte bietet. Besonderer Vorteil: Die Verpackung ist wiederverwendbar, recycelbar und biologisch abbaubar.

Außenverpackung

Nicht nur die Innenverpackung kann durch Papier nachhaltig gestaltet werden: Auch Pakete aus Recyclingpapier ist viel umweltfreundlicher als Frischfaserpapier. Bei der Herstellung werden weniger Energie und Wasserzufuhr benötigt. Papier zertifiziert mit dem „Blauen Engel“ ist dabei besonders empfehlenswert.

Auch mit dem Nachhaltigkeits-Siegel zertifiziert ist die „Memo Box“, die Außenverpackung durch ein Mehrweg-Versandsystem ganz neu denkt. Die grünen Boxen sind aus umweltfreundlichem und recyclingsfähigen Polypropylen. Sie sind stabil, stoßfest und unempflichlich gegen Nässe – und eignen sich damit optimal für ein Kreislaufsystem: Nach Warenentnahme gibt der Kunde innerhalb von 14 Tagen die Box einfach dem Zusteller zurück oder in einem Paketshop in der Nähe ab. Das spart den Abfall vieler hunderttausenden Versandkartons und kostet den Kunden keinen Cent extra.

Und wenn es nicht gleich in einer großen Box kommen soll, sind die kleineren Polypropylen-Verpackungen von RePack aus Finnland eine sinnvolle Alternative, sagt Max Thinius von dem Bundesverband für E-Commerce. Nach Erhalt des Päckchens wirft der Kunde die Verpackung einfach in den nächsten Briefkasten und schickt sie damit an Repack zurück. Und für die gute Tat wird man auch noch mit einem Gutscheinen belohnt.

Retouren

Der letzte durchaus erhebliche Faktor der Umweltbelastung des Onlineshoppings sind die Retouren. In Europa ist Deutschland Spitzenreiter mit einer Quote von 51 Prozent zurückgesendeter Waren im Jahr 2017. Dabei ist die zusätzliche Emission durch eine gut ausgebaute Logistik meist noch das geringere Übel. Schlimmer ist mitunter die unbrauchbare Ware, die nur einmal anprobiert und zurückgeschickt wurde.

Wie kann man Retouren also reduzieren? Zuerst sollte man Spontan-Käufe umgehen und nur das, was man auch wirklich braucht, kaufen. Denn die Gefahr: sich von Gefühlen zum Kauf verleiten lassen erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass sich das Produkt bei Ankunft dann doch als unbrauchbar entpuppt.

Was außerdem vor Enttäuschungen beim Auspacken der Produkte hilft: sich vorher genauestens über das Produkt informieren. Besonders die Meinungen anderer Kunden können dabei helfen.

Meist ist es allerdings Kleidung, die wieder zurückgeschickt wird, „Größe passt nicht“ als Hauptgrund. Wie man dem vorbeugen kann? Die meisten Shops bieten zu jedem Produkt eine dazugehörige Größentabelle. Die Maße von Brust, Taille und Becken sind dort genau angegeben.

Es gibt also einiges an Potenzial, um die Online-Weihnachtseinkäufe nicht zu einem Desaster für Umwelt und Klima werden zu lassen. Ein bisschen Mehraufwand gibt es schon – aber er lohnt sich.

TEXT: Vanessa Giersdorf

 

FOTOS: Igor Miske on Unsplash, Maarten van den Heuvel on Unsplash, Pope Moysuh on Unsplash

Dieser Artikel ist zuerst erschienen auf enorm.de

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