Warum dieser Artikel wichtig ist:

Wir leben in einer Alles-immer-und-noch-mehr-Gesellschaft, kaufen viel – und bekommen oft ein Problem, wenn’s ums Entsorgen geht. Das Gute: Im Falle von Schuhen und Klamotten müssen wir nichts wegschmeißen. Wir können ausgediente Teile einfach weitergeben, Freude schenken und Ressourcen sparen. Yeah!

Grau, grauer, Dezember in Berlin. Generell kann der Winter in Deutschland ziemlich dunkel, ziemlich lang und ziemlich kalt werden. Und weil nicht jeder einen dicken Fairfashionmantel, eine nachhaltig produzierte Decke zum Einkuscheln oder schlicht und einfach ein festes Paar Schuhe hat, hat die schöne Mary Scherpe von Stil in berlin eine noch schönere Kleidersammelaktion ins Leben gerufen: Am  morgigen Freitag, 8.Dezember, geht ihre Aktion Warm Up in die vierte Runde. Heißt: Im vierten Jahr schon haben Berliner und Berlinerinnen die Möglichkeit, dem Kleiderschrank einen kleinen Check-Up zu unterziehen und statt zum Müllcontainer oder Flohmarkt zu gehen, aussortierte Mäntel, Jacken, Stiefel und Schuhe an Geflüchtete und Obdachlose weiter zu geben. Außerdem lohnt sich diesmal ein Blick in den Keller oder auf den Dachboden. Denn erstmals werden auch Zelte, Schlafsäcke und Isomatten angenommen.

Zwischen 17 und 19 Uhr sammeln Mary und ihr Team, das übrigens vom Grafiker für den Flyer bis zu den Helfern vor Ort aus Ehrenamtlern besteht, alle Spenden im Voo Store ein. Und wer gut erhaltene, saubere Sachen abgibt, hat nicht nur das Richtige getan – sondern auch noch die Chance auf Gewinne, Gewinne, Gewinne. Wir waren letztes Jahr dabei und wissen: Je nach Menge der gespendeten Sachen gibt’s ein oder mehrere Lotterie-Tickets für Gutschein-Preise von Mykita, Folkdays und The Good Store über Hallesches Haus bis Objekte unserer Tage, die Ihr auch vorab schon auf Facebook sehn kann. Wer besonders viel spendet, kann auch besonders viel absahnen! Und während wir dann wieder zufrieden in unser warmes Zuhause gehen, gehen die Kleiderspenden direkt an die Bürger*inneninitiative Kreuzberg hilft. We like!

Und weil wir wissen wollten, wie und warum sich Warm Up-Initiatorin Mary ganz genau für ihren erfolgreichen Event entschieden hat, haben wir ihr vier Fragen gestellt:

Liebe Mary, wie kam’s zur Deinem Warm Up? Gab es einen bestimmten Moment in dem Du Dich entschieden hast die Sammelaktion zu initiieren? 

Das war 2013 auf dem Rückweg aus dem Sommerurlaub. Ich hatte schon immer Spendenaufrufe auf stilinberlin gepostet und die Arbeit von den Hilfsorganisationen, damals vor allem für Obdachlose, verfolgt – und mir gedacht, dass ich und mein Publikum einfach so viel Kram über haben. Fakt ist: Die meisten schmeissen ihre überzähligen Kleider einfach in die Sammelcontainer, die auf den Straßen stehen. Viele sind sich gar nicht bewusst darüber, dass die Sachen, die dort landen, nicht zwangsläufig an Bedürftige gegeben, sondern oft einfach weiterverkauft oder exportiert werden. Ich wollte eine simple Sammelaktion von den Menschen vor Ort, für Menschen vor Ort schaffen. Einen direkten Austausch von Ressourcen quasi. Eine Aktion, bei der die Kleider ganz sicher ankommen. Und eine mit großer Reichweite.

Warum hast Du Dich als Ziel für Kreuzberg hilft entscheiden?

Der lokale Aspekt ist mir natürlich besonders wichtig. 2015 war Kreuzberg Hilft ein Verein, für den ich privat in der Geflüchtetenhilfe gearbeitet habe. Und da mir klar war, dass Warm Up 2 2016 zugunsten von Geflüchteten gehen soll, war die Wahl damals und auch nächsten Jahre schnell klar.

Generell brauche ich für die Aktion aber auch einen starken Partner, der wirklich mitarbeitet. Letztes Jahr haben wir 134 Paar Schuhe, 203 Jacken und Mäntel und über 480 Euro gesammelt gesammelt – das muss man auch erstmal lagern und verteilen können. Zum Glück helfen dabei auch dieses Jahr wieder Boxie24, die die Logistik übernehmen.

Wer Kleider spendet, kann hochwertige Gutscheine gewinnen. Brauchen Leute immer einen Anreiz, um Gutes zu tun – oder findest Du es einfach schön, bei der Gelegenheit quasi alle Beteiligten eine Freude zu machen?

Es ist eine Mischung aus beidem. Die Gutscheine als Los-Preise helfen auf jeden Fall, die Menschen zu motivieren, jetzt doch endlich mal den Kleiderschrank durchzuschauen und uns dann wirklich die aussortierten Sachen zu bringen. Und natürlich macht es auch Freude, Menschen zu beschenken. Es gewinnen oft diejenigen, die wirklich viel spenden, da sie ja auch mehr Lose bekommen – manche schleppen da wirklich säckeweise tolle, und gut erhaltene Sachen an, die sie zumteil auch in ihrem Freundeskreis gesammelt haben. Letztes Jahr hatte eine Spenderin so viele Lose, dass sie gleich drei Mal gewonnen hat. Und beim dritten Mal hat sie dann tatsächlich ihre ersten beiden Preise zurück gegeben, damit sie noch mal verlost werden.

Natürlich kann man die Preise kritisieren. Dieses Good Feel des Events ist sicher nichts für jeden, aber ich sehe das pragmatisch: ich will diese Klamotten, weil ich weiß, dass sie gebraucht werden. Also kreiere ich Anreize und versuche es den Menschen das Spenden so einfach wie möglich zu machen. Gleichzeitig bin ich sehr streng in der Auswahl, ich sammle nur, was mit Kreuzberg hilft abgesprochen ist – Mäntel, Jacken, Schuhe und Stiefel für Frauen, Männer und Kinder. Und dieses Jahr sammeln wir erstmals noch Zelte, Schlafsäcke und Isomatten, die bekommen sogar mehr Lose, weil sie so dringend gebraucht werden.

Zählt bei Warm up für Dich vor allem der soziale Aspekt? Oder findest Du es generell auch besser ausgediente Kleider weiterzugeben statt wegzuschmeißen?

Auf jeden Fall beides. Ich kenne es aus meinem Freundeskreis, dass die Leute, wenn sie ausmisten, selten die Geduld haben, sich über geeignete Spendenstellen zu informieren, geschweige denn, ihre Sachen dahin zu bringen. Meistens landen die Dinge dann im Müll oder in den besagten Containern. Gut erhaltene Kleider weg zu schmeissen ist aber schlicht und einfach Verschwendung.

FOTOS: Rebecca Crawford

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