Danke, aber nein danke. Wir wollen heute keinen Rabatt, keinen Extra-Deal und schon gar kein Nimm-zwei-zahl-die-Hälfte-Angebot. Eigentlich wollen wir vor allem eins nicht: den Black Friday. Klar ist es schön, mal ein Schnäppchen zu machen. Und wie bereits betont, machen auch wir uns durchaus etwas aus schönen Dingen. Nur rechtfertigt das für uns keinen so über gehypten Feiertag, der mittlerweile nichts anderes mehr feiert, als übersteigerten Konsum und das vermeintliche Glück besonders viel für besonders wenig zu bekommen.

Was uns daran stört? Mehr das Viel, als das Wenig. Nicht nur, dass zum einst von traditionellen nordamerikanischen Händlern ins Leben gerufenen Black Friday in den letzten Jahren noch der Cyber Monday für Onlineshops dazugekommen ist, der den Masseneinkaufswahn von einem auf insgesamt vier Tage verlängert. Mittlerweile propagieren diverse Medien sogar schon eine ganze Cyber Week. Eine ganze Woche, die dazu aufruft, Dinge zu kaufen, weil sie jetzt günstig sind. Nicht weil wir sie jetzt brauchen.

Dafür wird ein Hype kreiert, an dem wir sowohl im Netz als auch auf der Straße kaum vorbei gucken können. Und für viele entsteht schnell das Gefühl: Wenn ich nichts ergattere, habe ich etwas verpasst. Einen Trend, einen Gegenstand, eine Chance. Hast Du nicht!

Denn mal abgesehen davon, dass insbesondere die Online-Rabattaktionen großer Ketten oft künstlich aufgeblasen, sprich von Ausgangspreisen weg reduziert werden, die vorher gar nicht so hoch waren, ist weder der Black Friday noch die Cyber Week die einzige Zeit im Leben, ja nicht mal im Jahr, in der es die Chance gibt, etwas günstiger zu bekommen. Heute und nächste Woche wird uns lediglich suggeriert, dass wir etwas kaufen müssen, wenn wir nicht bekloppt sein wollen. Und das, mit Verlaub, ist bekloppt.

Heute und nächste Woche können wir uns etwas gönnen, wenn wir es wirklich wollen. Heute und nächste Woche können wir kleine Brands unterstützen, die zum Jahresende noch ihre Bestände verringern müssen. Aber heute und nächste Woche können wir auch nutzen, um uns freizumachen vom Hype, vom Druck und von der Alles-und-immer-und-mehr-Gesellschaft. Wir können es genießen, einfach alles genau so zu tun, wie sonst auch. Ohne hektisch in Stores zu rennen, ohne am Computer Preise zu vergleichen. Schön, so ein Black FREE-Day.

FOTO: by Kai Oberhäuser on Unsplash

8 Kommentare

  1. Oh mann, das tut so gut zu lesen in diesem hohlen Habenhabenhabengewimmel. Super Text!!
    Danke + liebe Grüße . Maren

  2. Vielen Dank für den kritischen, richtigen und wichtigen Artikel!

    Das spricht uns aus der Seele. Wir brauchen nicht zusätzlich einen marketinggetriebenen Konsumtag, der unsere Schränke, Herzen und am Ende die ganze Welt nur noch mehr und unnnötigt vermüllt.

    Liebe Grüße
    M21

  3. Hallo Frau Schunck, Sie sprechen mir aus der Seele! Als ich die ersten Newsletter mit Black Friday-Aktionen erhalten habe, habe ich noch Kommentare zurückgeschrieben, darüber, wie absolut sinnfrei schon allein die Namensgebung „Black Friday“ hierzulande ist und gefragt, ob wir hier denn alles blind kopieren müssen, ohne uns auf unsere eigenen Werte und Traditionen zu besinnen. Aber dann musste ich feststellen, dass man von Black Friday geradezu überflutet wird in allen Medien! Haben im Bekanntenkreis darüber diskutiert. Die Meinungen gingen natürlich auseinander. Aber letztendlich kommt man sich als „Gegner“ dieser Aktionen ziemlich verloren vor. Daher finde ich Ihren Kommentar sehr ermutigend!

  4. Ganz wunderbar geschrieben, danke dafür ! Ich habe auch nicht mitgemacht, habe mich nicht dazu motivieren lassen, sinnlos Geld auszugeben und habe dadurch 100% gespart. Statt dessen war ich von der Werbeoffensive genervt. Das ist wirklich kaum noch auszuhalten.

    Liebe Grüße
    Birgit

  5. Ich kenne den Black Friday noch aus den USA und deshalb verstehe ich diese Aufregung gar nicht, die derzeit in einigen Blogs grassiert. Keiner zwingt euch, an diesem Tag einkaufen zu gehen. Als erwachsener Mensch muss man halt selbst überlegen können, ob man etwas wirklich braucht oder ob nicht. Zum Konsumopfer machen sich Menschen immer selbst – egal wie verführerisch die Angebote sein mögen, aber es liegt doch an jedem selbst, ob er drauf einsteigt oder nicht!

    Wenn wir alle Versuchungen verbannen würden, nur damit sich niemand in Versuchung geführt fühlt, dann wäre das aber eine sehr traurige Welt!

    Viele Grüsse
    Eva

  6. Yes! Yes! Yes! Meine ganze Inbox ist voll mit Angeboten, die Innenstadt verstopft mit Kaufwütigen und mein Feedreader voll mit Blogs, die die „besten Black Friday Deals“ kuratieren. Umso mehr freut mich dein Post, liebe Anna. Übrigens ist heute zumindest in Amerika (und morgen lt. Wikipedia dann im Rest der Welt) auch „Buy Nothing Day“ …

    • Jessie Bluejay

      Auch mir gefällt der Artikel sehr gut; der beste Teil unserer kostenlosen regionalen Wochenzeitung (hier das öffentliche Bekanntmachungsblatt; darum ist durchaus Lesen angesagt) bestand aus Werbung zum Black Friday. Man darf gar nicht darüber nachdenken, wie viel Papier (Holz) dafür herhalten musste, um das in der „notwendigen“ Auflage zu drucken. – Klassef inde ich den Hinweis von Ktinka auf den „Buy Nothing Day“

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