Warum dieser Artikel wichtig ist

Für konventionelle Mode werden gerade bei großen Ketten viel zu oft Menschen und Ressourcen ausgebeutet – und wir werden zu immer mehr Konsum angeregt. Dabei gibt’s genug nachhaltige Labels, die super aussehen und kaum mehr kosten. Man muss nur wissen, wo!

 

Ultrahohe Decken, hellgrauer Betonboden, dazu viel Licht, ein bisschen Stuck und natürlich Kleiderstangen: daran hängen ausgesuchte Teile mit perfekten, oft skandinavischen anmutenden Schnitten. Alle vegan, alle fair, alle öko. Mit akkurat ausgewählten Brands, Knaller-Ambiente, dezenter Musik und Blumenduft entkräftet Loveco Selected zuverlässig alle alten Vorurteile gegenüber nachhaltiger Mode und den Läden, in denen sie vermeintlich verkauft wird. Kein Wunder, dass die meisten Kunden hier erstmal gar nicht wissen, dass sie in einem Slowfashion-Shop stehen.

Morgen eröffnet der neue Ableger des ersten Loveco Concept Stores in Friedrichshain in der Kreuzberger Manteuffelstraße. Grund genug für einen VOR \ ORT-Besuch bei Gründerin Christina Wille, die dem generellen Good Vibe bei Loveco mit viel Herz, Fachverstand und einem Top-Team noch den ganz gewissen Feinschliff verleiht:

 

Liebe Christina, Ist es für Dich ein Kompliment, wenn Leute rein kommen und eben nicht wissen, das Loveco Selected ein Slowfashion-Store ist?

Absolut, ja.

Und dann gehst Du quasi Deinem, wir sagen Mal, Bildungsauftrag nach?

(lacht) Genau. Und das finde ich besonders schön an meinem Job! Die Kunden fragen allerdings nicht nur aus Einsteigerperspektive. Viele, die sich im Bereich schon auskennen, wollen eher was über Hintergründe, Zertifizierungen und ähnliches wissen. Da merkt man schon, dass erst ein Vertrauen aufgebaut werden muss. Sobald das steht, kommen sie wieder und verlassen sich drauf, dass wir hier ihren Anspruch erfüllen.

Fragen Kunden viel nach Sigeln?

Schon, aber ich kommuniziere schon auch, dass Zertifizierungen nicht alles sind und mir ein gutes Verhältnis zur Marke und Transparent wichtiger sind.

Kennst Du die Menschen hinter allen Deinen Labels?

Ja. Fast immer die Gründer, sonst in jedem Fall das Team.

 

Studio Jux, Lovjoi, Jan’n June: Die Brands, die es in Deinem neuen Laden gibt, sind quasi die aktuellen Hype-Brands der Slowfashion-Szene. Wie machen die das?

Indem sie’s wirklich schaffen, Fashion in ihre Designs zu bringen. Andere Marken, die wir auch im Friedrichshainer Laden haben, sind eher kommerziell. Das ist schön und wichtig – und das sind auch die Brands, die dort am Besten laufen. Für alle, die’s moderner und vielleicht auch ein bisschen ausgefallener haben wollen, haben wir eben diese jungen Labels, die sehr modisches, schlichtes, oft skandinavisch inspiriertes und vor allem zeitbewusstes Design machen.

Gibt es einen unterschied zwischen trendbewusst sein und jeden Trend mitmachen?

Auf jeden Fall. Man kann als Label zeitlose Sachen machen und trotzdem Trend bewusst sein. Solche Sachen können dann durchaus über mehrere Jahre getragen werden, ohne out zu wirken. Das ist uns in beiden Läden wichtig.

Wie unterschiedet sich der neue vom ersten Laden?

Das Sortiment ist ausgewählter, etwas kleiner und konzentriert sich speziell auf besagte, besonders modische Brands. Weniger auf die kommerzielleren eco-fairen Marken. Die Kleidung ist für Frauen. Schuhe gibt’s auch für Männer.

Selected klingt irgendwie hochpreisiger.

Ist es aber nicht. Auch wenn das Ambiente vielleicht etwas edler wirkt (lacht).

Gefühlt kommt nach dem Boom beim Bio-Essen jetzt verstärkt auch das Interesse für Slowfashion. Ist die Zeit einen eco-fairen Fashion-Store zu eröffnen jetzt noch besser, als bei Deinem ersten Laden im November 2015?

Wenn ich in Berlin auf dem Alexanderplatz stehe und die Leute mit ihren Primark-Tüten sehe, dann denke ich, der Slowfashion-Hype ist schon eher eine Blase. Trotzdem denke ich, dass sich schon wirklich viel entwickelt hat. Ich selbst habe vor zehn Jahren angefangen, mich mit eco-fairer Mode auseinanderzusetzen. Damals ging Armedangels gerade mit den ersten T-Shirts auf den Markt. Respekt davor! Denn das ganze Thema war im Einzelhandel damals viel viel weniger präsent – und damals hätte ich mich niemals getraut, einen Laden aufzumachen. Das ist mittlerweile natürlich anders! Natürlich habe ich Loveco Selected gegründet, weil ich glaube, dass es Kunden dafür gibt. Nicht nur im noch ein bisschen weiter gentrifizierten Friedrichshain, auch in Kreuzberg. Ob das nun daran liegt, dass das Bewusstsein größer geworden ist, weiß ich nicht. Aber ich weiß, dass die nachhaltigen Brands einfach immer besser geworden sind. Die wollen aktuell wirklich zeigen, wie gut besser machen aussehen kann.

Wer bewegt Brands dazu? Auch Du als Einzelhandel durch Deine Bestellungen?

Glaub schon. Das sieht man auch daran, dass immer mehr konventionelle Läden mittlerweile oft zumindest eine nachhaltige Marke mit im Sortiment haben. Das lenkt die Labels natürlich auch in die Richtung zu sagen: Ok, wir müssen da was machen, dann können wir auch im Mainstream ankommen. Und Marken, die sich dahingehend bemühen, sind mittlerweile auch die, die den meisten Erfolg haben. Und die es schaffen, beide zu bedienen, den Öko-Markt und den konventionellen – und so eben auf das Thema Slowfashion aufmerksam machen.

Ein großer Kritikpunkt am koventionellen Klamottenhandel sind die vielen billigen Ausverkäufe. Macht Ihr überhaupt Sale?

Ja. Anders geht’s kaum. Manche Brands bieten an, Ware nach zwei Monaten wieder einzutauschen, wenn die Teile nicht gut anlaufen. Ganz perfekt bestellen kann man aber nie. Ich glaube man wird von Saison zu Saison besser. Aber ein bisschen was bleibt immer übrig. Und dann wird’s auch bei uns reduziert.

 

Muss jedes Jahr was Neues rein oder lässt du auch mal was einfach hängen?

Ja. Gerade wenn ich noch alle Größen da habe. Dann pack ich das weg und ein Jahr später wieder aus. Das muss möglich sein! Einzelteile reduziere ich Radikal, weil’s dann einfach schwieriger ist, genau die Person zu finden, die genau da rein passt.

Sorgst du im Laden durch Beratung dafür, dass die Leute möglichst lange was von Ihren Kleidern haben?

Unbedingt. Die Teile sollen ja möglichst lange geliebt werden. Auch das ist Nachhaltigkeit.

Du bist ja gerade erst einen nächsten Schritt gegangen. Gibt’s trotzdem schon wieder Zukunftspläne?

Auf jeden Fall! Kommendes Jahr werden wir das Schuhsortiment weiter ausbauen.

Vielen Dank, liebe Christina.

Erstmal wird am Samstag, 2. September 2017, aber der neue Laden Loveco Selected in der Manteuffelstraße 77, offiziell eröffnet.  Ab 11 Uhr gibt’s 10 Prozent auf das gesamte Sortiment. Am Abend Drinks von Selo Soda, vegane Donuts von Bramibal’s und Live-Musik vom schwedischen Singer-Songwriter Albin Andersson.

 

Loveco Selected

Manteuffelstraße 77
10999 Berlin

Website: Loveco-Shop

Instagram: @loveco.shop
Mo-Fr 11-19 Uhr
Sa 11-19 Uhr

FOTOS: Marcus Werner

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