Warum dieser Artikel wichtig ist

Mode ist ein Bereich, der uns alle betrifft – und eignet sich deshalb besonders gut für erste oder nächste Schritte in Richtung Nachhaltigkeit. Wer weniger und gezielter kauft, tut etwas für Menschenrechte und Umwelt. Und für den eigenen Stil.

Engagieren sich konventionelle Konzerne im grünen Bereich, sorgt das im Allgemeinen nicht allein unter Öko-Aktivisten erstmal für die eine oder andere hochgezogene Augenbraue. Zu Recht! Allzu nah liegt der Verdacht, dass mit dem vermeintlichen Engagement nur ein Trend-Thema besetzt wird, das beim Verbraucher gut ankommt. Doch Fakt ist, dass Nachhaltigkeit eben kein Trend ist. Sondern etwas, das bleibt. Und etwas, das sich entwickeln muss – auch und gerade im Großen.

Und so halten wir kleine Schritte in die richtige Richtung für wichtig. Vor allem, wenn damit Menschen erreicht werden, die sich zuvor vielleicht noch gar nicht so sehr mit einem bestimmten Thema auseinandergesetzt haben. Wie beim Dinner von „The Sooner Now“ in Stuttgart zum Beispiel.

Mit dieser gemeinsamen Initiative wollen Freunde von Freunden und MINI Deutschland ihre Communities dazu anregen, über eine lebenswertere Zukunft in der Stadt zu diskutieren. In diesem Fall über „The Conscious Future of Fashion“ – moderiert von Anna und mit folgenden interessanten Speakerinnen:

Dörte Lange hat Jahre lang erfolgreich für das Fashion Magazin Elle und als Editorial Designerin und Art Direktorin für Boutique Design Agenturen in Berlin, Lisbon und London gearbeitet. Im Frühjahr 2016 gründete sie ihre Plattform Lissome, auf der hochwertige, moderne und gut designte eco-faire Mode vorgestellt und im Online-Shop angeboten wird.

Johanna Perret ist Designerin und Co-Founder des Berliner Labels Parret Schaad, das vom Zeit Magazin einmal als „das Beste was der deutschen Mode seit Jil Sander passiert ist“ bezeichnete. Perret Schaad setzt auf langlebige Designs und produziert ausschließlich in Deutschland.

Sabine Ringel ist Kreativ Chefin bei Mini Fashion, einem Unternehmenszweig, der beweist, dass Mini nicht immer ein Auto braucht, um Stil zu beweisen.

Mit Anna haben die drei über Qualität, Wertschätzung und Pflege, die Angst vorm Verzicht, die Nachhaltigkeits-Initiativen von Labels wie Adidas und die Frage nach Verantwortlichkeiten für bessere Produktionsbedingungen geredet. Hier kommt das Protokoll eines informativen, inspirierenden Gespräches:

Anna: Liebe Johanna, Perret Schaad produziert nur lokal in Deutschland. Warum habt Ihr Euch nicht für ein Billiglohnland entschieden?

Johanna: Mit einer eigenen Unternehmung startet man ja meistens klein. Und da macht’s dann einfach Sinn lokal zu produzieren. Auch weil es erst Mal um eine geringere Anzahl von Teilen geht. Produktionen in Afrika oder Asien fertigen meist nur sehr hohe Stückzahlen – und werfen im Zweifel dann eher die Hälfte weg.

Anna: Warum genau wolltet Ihr das nicht?

Johanna: Aus Überzeugung. Wir wollten von Anfang an, dass die Leute, die unsere Sachen produzieren auch nachvollziehbar und angemessen bezahlt werden. Außerdem haben wir festgestellt, dass in Deutschland ganz tolle Produktionsstätten schlummern. Wir machen Strick-, Leder- und Damenoberbekleidung und lassen an drei Standorten fertigen, an denen noch eine traditionelle Handwerkskultur besteht. Es macht total Spaß, mit den Produzenten vor Ort die Designs zu besprechen. Und das funktioniert natürlich auch besonders gut, wenn es keine Sprachbarriere gibt. Wir schätzen die enge und vor allem langfristige Zusammenarbeit – und empfinden die auch als etwas sehr Nachhaltiges.

Anna: Macht Sinn. Auch für die öffentliche Wahrnehmung. Denn auch wenn Slowfashion im Mainstream leider noch nicht den ganz großen Durchbruch hatte, wird faire und lokale Produktion für Kunden ja zunehmend interessanter. Warum werbt Ihr als Label trotzdem nicht mit Eurem Conscious-Design-Gedanken?

Johanna: Gute Frage… Ich glaub’ für uns ist das einfach eine Überzeugung, eine Art Selbstverständlichkeit, aus der wir nicht so einen Hehl machen. Und die Leute die unsere Sachen kaufen wissen ja, wie unsere Preise entstehen und dass wir eben fair produzieren.

Mindful Fashion ist eine Welle, die ganz langsam aber sicher als nächstes anrollt

Anna: Das kann man raus finden, wenn man zum Beispiel gezielt auf Eure Homepage geht. Den quasi gegenteiligen Weg hast du gewählt, Dörte. Indem Du jedem eine Plattform bietest, der sich schon für nachhaltige Mode entschieden hat und danach auf der Suche ist. Hast Du das Gefühl, dass die Nachfrage gestiegen ist?

Dörte: Ja, schon. Ich hab’ den Eindruck, dass ist so’ne Welle, die ganz langsam aber sicher als nächstes anrollt. Im Bereich Food sind wir ja mittlerweile schon so weit gekommen, dass es Bio-Supermarktketten gibt und viele sehr darauf achten, ob ihr Essen saisonal und regional hergestellt wurde. Der Schritt rüber zu Mode kommt – ist aber noch etwas weiter.

Anna: Der zum Essen hat ja auch seine Zeit gedauert. Bestimmt 30 Jahre…

Dörte: Genau. Und da arbeiten Leute ja auch schon seit Ewigkeiten dran. Dabei ist das Prinzip das Gleiche: Baumwolle wird genau so angebaut wie Karotten.

Anna: Ist schließlich auch’ne Pflanze. Und bis die fertig ist dauert’s ewig. Apropos dauert, Sabine, Ihr bei MINI Fashion wisst ja nur zu gut, wie schnell Trends wechseln. Insbesondere in der Stadt. Glaubst Du, dass die Wertschätzung für gutes Design dadurch im urbanen Raum verloren geht?

Sabine: Ich glaube, wie Dörte schon gesagt hat, das wandelt sich gerade wieder ein bisschen. Ich hab’ das Gefühl, wir haben so’nen Peek erreicht – und dass es gerade eher in Richtung Umdenken geht. Das nehme ich zumindest im Freundes- und Bekanntenkreis so wahr. Ich glaube dieses Bewusstsein, das für Essen wie gesagt schon da ist, erreicht jetzt auch viele andere Bereiche. Und damit auch die Mode. Da wandelt sich jetzt viel.

Anna: Glaub’ ich auch. Und dennoch ist Slowfashion weit entfernt davon, den Mainstream zu erreichen. Müsste dafür vielleicht auch noch’ ein bisschen das angestaubte Öko-Image von eco-fairer Mode verschwinden?

Sabine: Tatsächlich gibt’s da ein kleines Image-Problem, ja. Aber ich denke, dass der Ruf viel schlechter ist, als die nachhaltige Mode selbst. Wir sind heute auch technisch gesehen auf einem ganz anderen Stand als noch vor zehn, zwanzig Jahren. Nicht alles, was nachhaltig ist, ist beige und braun…

Viele Millenials achten ganz selbstverständlich auf die Produktionsbedingungen

Dörte: Gerade bei Modelabels, die das ökologische, faire stark in den Mittelpunkt stellen, als Marketing oder sogar als Mission haben, stand das Ästhetische lange Zeit nicht im Vordergrund. Gerade so in den Siebzigerjahren war das auch gar nicht gewollt.

Anna: Weil man seine Öko-Überzeugung ganz klar zeigen wollte?

Dörte: Ja. Und in den Neunzigern gab’s dann endlich auch Labels, die gesunde, faire Bedingungen auch in den Herstellungsländern schaffen wollten. Momentan haben wir ganz verschiedene Strömungen. Viele kleine Labels, die in den USA aber auch verstärkt in Europa sitzen, meist betrieben von Millenials, wo’s unbedingt ums Visuelle geht, achten ganz selbstverständlich auf die Produktionsbedingungen.

Anna: Es hat sich also umgekehrt? Früher hat man in alternativer Optik gezeigt, was nachhaltig ist, heute zeigt man sich bestenfalls in coolen Sachen, die ganz selbstverständlich nachhaltig sind. Allerdings eben längst noch nicht in der Masse. Wenn ich jetzt also gerade anfange, mich für Slowfashion zu interessieren. Wie oder wo fange ich denn da an?

Johanna: Ganz einfach mal reinschauen und gucken, wo ein Teil gemacht wird, ist schon mal’n ganz guter erster Indikator im Laden, oder? Und wenn so’n T-Shirt fünf Euro kostet oder zehn, dann kann’s ganz sicher nicht fair gemacht worden sein.

Anna: Andersrum gehen viele davon aus, wenn sie was Hochpreisiges kaufen, dann wird das schon in Ordnung sein. Ein Trugschluss?

Nicht alles was teuer ist, ist gleich ökologisch gut und fair

Sabine: Ein teurer Preis ist auf jeden Fall kein Garant für nachhaltige Produktion! Viele konventionelle Labels verdienen ganz viel Geld damit, dass ein großer Bestandteil einfach nur Marketing ist – und bestimmt nicht zwingend jeder Euro direkt ins Produkt gesteckt wird. Also der Umkehrschluss funktioniert nicht. Nicht alles was teuer ist, ist gleich ökologisch gut und fair.

Anna: Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Da fließt dann eher Kohle in Werbung und Testimonials, die dann ganz viel Geld bekommen – statt dem oder derjenigen, der’s gemacht hat.

Beim Thema Testimonials kommt FvF-Mitgründer Tim Seifert das aktuelle Projekt von Adidas in Kooperation mit Parley für the Oceans in den Sinn, für das auch schon Pharrell Williams geworben hat. Die Meeresschutzorganisation, mit der der Sportartikelhersteller zusammenarbeitet, fischt Plastikmüll aus dem Meer und macht daraus Upcycling-Garn für einen Teil eines Running-Schuhs.

Tim: Schärft sowas wirklich das Bewusstsein für nachhaltige Mode? Ich finde zum Beispiel der Schuh, der daraus entstanden ist, sieht super aus. Und den kauf’ ich weil er cool aussieht. Aber ich informier mich doch deswegen nicht zwangsläufig, wie der hergestellt worden ist.

Anna: Immerhin sitzt Du jetzt hier uns sprichst mit uns drüber.

Dörte: Erstmal ist jeder Schritt in die richtige Richtung zu begrüßen. Wichtig ist die Frage: Machen die das jetzt als einmalige Sache? Dann rutscht es natürlich sehr schnell in so’ne Marketingschiene rein. Wenn sie aber wirklich sagen, ok, wir nehmen das für uns selber als Aufhänger unsere Firmenstrukturen zu beleuchten und zu gucken, was wir wirklich besser machen können, besser mit Materialien umgehen und die einsetzen, die umweltfreundlicher sind, so dass man in ein paar Jahren sieht: Die sind wirklich besser geworden. Dann finde ich’s cool.

Kleine Designer können sich bewusst dazu entscheiden, eine kleinere Marge abzunehmen

Anna: Die Frage ist wohl auch, wie realistisch ist es so ein großes Unternehmen, wie eben zum Beispiel Adidas, von einem auf den anderen Tag ökologisch und ethisch korrekt umzurüsten. Und ob man dem dann wirklich etwas Zeit geben muss. Und die Frage, die sich für mich da anschließt ist: Bis zu welcher Größenordnung ist es überhaupt möglich eco-fair zu produzieren? Kann das ein Adidas, ein Nike, ein H&M oder Zara überhaupt bieten?

Johanna: Als kleiner Designer kann man sich bewusst dazu entscheiden, eine kleinere Marge zu nehmen. Das können größere Unternehmen nicht. Trotzdem ist es natürlich wichtig, dass sie Nachhaltigkeit angehen. Was aber noch wichtiger ist: dass der Konsument da eine große Macht hat. Der Kunde entscheidet ja, was und wieviel gekauft wird. Deshalb bin ich überzeugt, dass diese Erziehung oder dieses Bewusstsein für Nachhaltigkeit geschaffen wird.

Anna: Schafft man dieses Bewusstsein auch durch Transparenz, idem man seine Kunden mit ins Boot holt?

Sabine: Das ist ein ganz wichtiger Punkt, ja. Je mehr ich weiß, desto mehr kann ich mich natürlich auch für oder gegen etwas entscheiden. Gerade wenn’s um die Masse an Kunden geht. Und das ist sicher auch das Problem, denn nachhaltig ist natürlich oft auch teurer. Wenn ich `ne Vierköpfige Familie im Bioladen ernähren will, dann hab’ ich da am Ende schon einen anderen Kassenzettel.

Anna: Bei Nahrung schon, weil wir die wirklich täglich brauchen. Aber bei Kleidern muss ich da einhaken! Da kann man sich ja durchaus frei für weniger entscheiden. Ich brauche ja nicht jede Woche `ne neue Bluse. Müssen wir da nicht umdenken und unser Verhältnis zu Mode verändern? Verzicht ist ja immer scheiße. Aber vielleicht kriegen wir’s über Wertschätzung hin…

Ja! Man kann Fashion anders denken. Und man kann Konsum anders denken

Dörte: Momentan hab’ ich das Gefühl, nehmen wir’s sehr stark als Verzicht wahr, weil wir uns in der Mode daran gewöhnt haben unheimlich viel zu konsumieren. Trotzdem muss das meines Erachtens nicht zwangsläufig so sein. Ich selbst hab’ bis vor zwei Jahren noch für die Elle gearbeitet und war jemand, der viel und gern Klamotten gekauft hat. Irgendwann hab’ ich angefangen, mich zu fragen: Brauch’ ich das überhaupt? Macht mich das glücklich? Und was macht mich überhaupt glücklich an Kleidung? Und dann hab’ ich beschlossen: Ich geh’ nicht mehr auf die High Street. Klar wird’s dann im Zweifel eher teurer. Das lässt sich aber auch umgehen. Mit erschwinglichen Slowfashion-Labels oder vor allem mit Vintage oder Secondhand. Vielleicht sogar Designer-Secondhand. Da kann man toll kombinieren! Und was ich sagen will ist: Ja! Man kann Fashion anders denken. Und man kann Konsum anders denken

Sabine: Und wenn ich ein hochwertigeres Produkt kaufe hab’ ich ja auch wieder länger was davon. Da ist das Qualitätsthema denk’ ich wieder ganz wichtig!

Johanna: Und wie man seine Sachen behandelt. Ich glaube das ist unserer Generation so’n bisschen abhanden gekommen, wie man wirklich gut mit seinen Sachen umgeht. Gute Schuhe darf man nicht jeden Tag tragen, die muss man zwischendurch schonen. Und’n guter Bügel ist besser als so ein Metall-Teil aus der Reinigung, der alles gleich ausbeult. Unsere Großmütter wussten sowas noch! Wer sein Produkt wirklich wertschätzt, kann’s auch länger genießen.

Dörte: Und das fängt schon vor der Pflege an, nämlich bei einem guten Schnitt.


Begehrlichkeit ist ein großer Faktor – die Schwere muss aus dem Thema raus

Anna: Nachhaltigkeit kann oder muss also im Design schon mitgedacht werden – und kann dann vom Verbraucher durchs Treatment weitergeführt werden. Dann sieht’s besser aus – und gut aussehen ist ja schon meistens das, was wir wollen. Was die meisten nicht so wollen ist belehrt werden. Da muss man meines Erachtens ein bisschen vorsichtig sein, wenn man den Conscious-Gedanken und überhaupt diesen weiten Begriff Nachhaltigkeit vernünftig ausfüllen will. Wie transportiert man nun aber diesen ernsten, korrekten Qualitätsgedanken mit Sinn und Spaß?

Sabine: Ich denke da sind wir wieder bei diese Image-Sache. Egal ob sich Adidas mit dieser Parley-Sache jetzt das Gewissen reinwäscht, oder nicht – am Ende des Tages erreichen sie damit die Masse. Und zwar eine, die nicht elitär, sondern wirklich Mainstream ist und machen das Thema Nachhaltigkeit für diese Masse interessant und eben ein bisschen sexier. Das schafft neue Begehrlichkeiten. Das ist wichtig. Die Schwere muss aus dem Thema raus. Am besten sind dafür geile Produkte die auch noch geil aussehen. Ich glaub’ Begehrlichkeit ist ein großer Faktor.

Tim: Ist das Imageproblem ein Kommunikationsproblem? Und wenn’s genau so viel kostet: Schätze ich dann das nachhaltige Produkt mehr wert, nur weil’s besser hergestellt ist?

Sabine: Große Marken könne ja auch’ne Limeted-Edition draus machen – schon ist’s teurer und schon steigt die Wertschätzung. Große Brands haben da Möglichkeiten. Und eben eine besonders große Zielgruppe, die sie erreichen.

Anna: Wie sieht’s denn hier am Tisch aus? Lasst Ihr Euch erreichen?

Ein Gast hat besagten Adidas-Schuh gekauft. Begründung: Weil er den schicker fand. Die Info zur Meeresschutz-Kooperation kam on top. „Ich war aber schon überrascht, dass der teurer ist“, sagt er. Bezahlt hat er’s trotzdem. Und recherchiert hat er auch. „Ich würd’ jetzt nicht sagen, dass das meinen Lebensstil groß verändert hat. Aber interessant finde ich das Thema nach wie vor. Sowas öffnet schon ein neues Fenster.“ Ein erster Schritt – dem bestenfalls weitere folgen.

Tim: Ich denke nachvollziehbare Prozesse, Transparenz und Aufklärung können Käufer umkrempeln. Aber das dauert halt. Und es ist denke ich eine Kommunikations-Sache.

Johanna: Stimmt. Genau wie die Leute mittlerweile Eier von einem Huhn wollen, dass nicht nur im Käfig gehockt hat, sollten sie Kleidung wollen, die nicht von Kindern in Fabriken ohne Fenster genäht worden ist.

Ein Gast verweist auf die hohe Stückzahl, die das Produzieren, das vor 30 Jahren noch nachhaltig und lokal auf der schwäbischen Alp möglich war, kaputt gemacht hat. Dörtes hofft auf die von ihr angesprochenen kleinen Labels, die wieder zum alten Handwerk zurück finden – sowohl in Deutschland, als auch in Indien. „Es geht darum, mit kleinen Betrieben nah zusammenzuarbeiten. Das sind meistens langjährige, gesunde und erfüllende Arbeitsbeziehungen.“

 

Wenn sich wirklich etwas verändern soll, dann müssen wir alle ran

Anna: Und wer trägt Eures Erachtens die Verantwortung dafür, dass so etwas mehr, die Modeindustrie wirklich verantwortungsbewusster wird? Die Designer, die Brands, die Presse oder sogar die Politik? Wer muss ran?

Dörte: Ich glaube wir müssen alle ran. Klar ist es für den Konsumenten aktuell noch total verwirrend, herauszufinden, was wirklich gut ist. Trotzdem bedeutet das für den Einzelnen nicht ok, ich kann mich einfach zurücklehnen. Viel günstig kaufen und viel weg werfen ist für Menschen und Umwelt immer schlecht, das kann man sich ja einfach merken. Aber auch die Produzenten haben eine hohe Verantwortung. Dadurch haben die Labels natürlich erst Mal einen Nachteil. Es ist teurer und muss viel besser durchdacht werden. Deshalb hab’ ich das Gefühl, dass es schon Sinn macht, wenn die Politik Vorgaben gibt. Sieht man zum Beispiel beim Rauchen. Darf man nicht mehr, machen viel weniger Leute. Dazu kommt Aufklärung. Und dabei sind wiederum die Medien gefragt.

Sabine: Generell schließe ich mich an. Aus Markensicht sehe ich aber schon auch bei den Brands eine besonders große Verantwortung. Wer sich als Premium-Marke bezeichnet, sollte auch einen gewissen Anspruch an alle Teile der Wertschöpfungskette haben. Bis hin zu Vertrieb und Kommunikation. Da kann sich keine Brand aus der Verantwortung ziehen. Denn da kann jeder was tun.

Anna: Es geht ja auch Step by Step – solange erkennbar Schritte gemacht werden.

Johanna: Dem kann ich nichts mehr hinzufügen.

Anna: Wir sollten uns also alle ein bisschen bewusster werden, mehr Wertschätzung gönnen und bessere Herstellungsbedingungen fordern.

Dem stimmten die Dinner-Gäste zu, verweisen in Statements noch einmal auf die immer schneller wachende Anzahl an Kollektionen. Große Ketten gehen mittlerweile von zwölf Saisons pro Jahr aus. „Und überall wird Werbung dafür gemacht, wirft eine Frau gegenüber ein.“ Spätestens in Zeiten der Digitalisierung. „Die ganze Branche ist kaputt“, sagt ein Gast. „Und der Mensch ist selber schuld.“ Das Gute: Der Mensch kann’s selbst wieder gut machen. Dazu braucht’s in Zeiten von Social Media sicher auch starke Rolemodels. Und eine Instanz, die der Wirtschaft einen Riegel vorschiebt, so die Quintessenz. Denn solange es in einer Branche Geld zu machen gäbe, würde immer Geld gemacht. „Eine Regulierung des Marktes wird’s nie geben. Wir müssen uns regulieren“, heißt es vom Kopf der Tafel. „Man sollte sich weniger darüber definieren was man hat.“

Anna: Was können oder sollten wir also alle ab sofort tun?

Sabine: Weniger kaufen – und mehr Qualität.

Dörte: Das würde ich auch sagen.

Johanna: Ich auch.

Das Dessert auf der Terrasse genossen alle Gäste mit Blick auf die Lichter der Stadt, den urbanen Raum, in dem so viele von uns auch weiterhin wohnen, – und viele mit Gesprächen über’s Dinner-Thema. Ein Erfolg! Denn den Dialog darüber, wie wir in Zukunft leben wollen, kann man nicht früh genug beginnen.

FOTOS: Uwe Dietz für The Sooner Now

2 Kommentare

  1. Hallo, super schoene Fotos, kannst du mir sagen, wo genau das event stattfand?

Einen Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*