Warum dieser Artikel wichtig ist

Zusammen können wir mehr erreichen. Und wenn wir wollen, dass viele Menschen mitmachen, sollten wir Freude am Thema verbreiten – und nicht zu dogmatisch sein.

Als ich in der Schule mal zwischen zwei Noten stand, gab‘ mir mein Lehrer im Zeugnis die Schlechtere. „Um dich zu motivieren“, meinte er. Ich dachte: „Bringt ja eh nix“ – und machte so gut wie gar nichts mehr. Wer merkt, dass etwas gut laufen kann, der freut sich, hat Spaß und will’s bestenfalls noch besser machen. Wer schon beim Versuch kritisiert wird, der ist raus. Verständlicher Weise! Und weil dem (zumindest meines Erachtens) so ist, frage ich mich immer wieder, warum ausgerechnet an (nachhaltig) engagierten Menschen aktuell so viel herumkritisiert wird.

Wer öffentlich (sprich online) oft ein eco-faires Outfit aber auch mal eine Plastiktüte trägt, bekommt mindestens einen Kommentar Marke Oberlehrer. Und schlimmstenfalls einen a la Vorstufe-Shitstorm. Promis, die einmal in Slowfashion auftreten, werden weniger deswegen gelobt, als vielmehr beim nächsten Auftritt angeprangert, weil sie wieder konventionell kommen. Und selbst nachhaltig erfahrene Kolleginnen wie Dariadaria werden mitunter als scheinheilig beschimpft. Muss das sein?

Nein. Schließlich ist nobody perfekt. Und nicht jeder oder jede, der oder die anfängt, sich mit Umweltschutz im Allgemeinen zu befassen muss im Speziellen sofort jedes Fastfashion-Teil verbannen, Vollzeit-Veganer oder Nie-mehr-Flieger werden. Und vor allem müssen andere Leute es ihm oder ihr bitte nicht vorschreiben wollen. Denn Dogma ist doof. Und auf den erhobenen Zeigefinger, so mein Lieblings-Zitat von Oldschool-Minimalist Joachim Klöckner, folgt deshalb auch meist schnell der erhobene Mittelfinger.

Keine Überzeugung, und sei sie noch so selbstlos, liebevoll oder weltrettend, lässt sich anderen mit Druck, Zwang und Regelwerk überstülpen. Und erst Recht nicht mit Nörgelei und schlechter Laune. Und sollten wir nicht ohnehin zu allererste auf uns selbst schauen? Und als nächstes auf diejenigen, die wir erst noch überzeugen wollen – statt an denen rum zu nörgeln, die längst erste Schritte (in unsere Richtung) gehen?

Wer etwas verändern will in Sachen Green Lifestyle, Energiewende, Fairfashion (und übrigens ebenso im Bereich Feminismus, Equality, Diversity, Inklusion, Awareness oder Nächstenliebe), der sollte andere bestenfalls motivieren. Und vor allem sollten wir andere immer eher mitnehmen, anstatt sie auszuschließen. Alles andere ist nicht nur unfreundlich, sondern auch komplett unsinnig. Schließlich schaffen wir das mit der (Um-)weltrettung wenn dann doch eh nur gemeinsam.

Genau deshalb sind kleine Schritte nicht nur ok sondern abfeierungswürdig – und Aktivismus ist auch und gerade in der Light-Form absolut erlaubt. Denn nur wenn die Masse mitmacht, lässt sich wirklich etwas erreichen.

Kritik ist dabei kein Ding. Im Gegenteil! Sie ist richtig und wichtig. Aber bitte recht freundlich. Dabei sehe ich alle, die schon weiter sind, in der Pflicht und Verantwortung, Jüngere oder Unerfahrenere mitzunehmen. Möglichst konsequent, herzlich und so vorbehaltlos wie möglich.

Wer viele Menschen überzeugen will, muss Begeistern können – oder zumindest wollen. Mecker-Macker mochte doch schon damals in der Schule keiner. Also seid doch nicht immer so streng, bitte! Stattdessen an dieser Stelle ein Hoch auf jedes erste Interesse, auf jeden Versuch und auf jeden Baby-Schritt. Denn auch bei „zwei vor und einem zurück“ bleibt doch immer noch ein Schritt in die richtige Richtung.

HEADER: Marcus Werner

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