Das Licht ist hier so warm, dass selbst wildes Wasser weich wirkt. Wer über das Wattenmeer Richtung Horizont schaut, der wundert sich nicht, dass so viele niederländische Umweltaktivisten vor allem eins schützen wollen: ihre Gewässer. Oder vielmehr unsere Gewässer. Und das Element Wasser an sich. Schließlich sind sie ständig davon umgeben. Von den landestypischen Grachten oder von der friesischen Nordsee eben, deren Anblick vor der Hafenstadt Harlingen dermaßen weit und wunderschön ist, dass man beim Anblick automatisch tiefer atmen – und auf gar keinen Fall an Dreck denken will.

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Haben wir dann aber doch gemacht. Schließlich verabschieden sich Müll und chemische Belastung nicht durch bloße Verdrängung aus den Weltmeeren. „Wasserverschmutzung fällt in der allgemeinen Betrachtung so leicht hinten über, weil man von außen oft nicht sehen kann, was drin ist“, weiß Dopper-Gründer Merijn Everaarts.

Umso wichtiger, dass Studenten weltweit ihre Arbeit gesunden Gewässern und sauberem Trinkwasser widmen. Ihre Forschungsergebnisse und Technologieideen wollen Merijin und sein Team sichtbar machen – und haben zehn der Besten von verschiedenen niederländischen Unis in die Endrunde der Dopper Changemaker Challenge gewählt. Statt in einem anonymen Hotel oder Konferenzraum, fanden die finalen Wettbewerbspräsentationen möglichst nah an dem Element statt, um das es in den Mastertheses geht: an Bord des Segelschiffs Passaat, mit der Crew von By The Oceans We Unite, mitten auf dem Wattenmeer.

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Zum dritten Mal hatte die Dopper Foundation zusammen mit dem grünen Projektbüro Sustainable Motion den mit 3000 Euro dotierten Wettbewerb ausgeschrieben. Denn Dopper macht noch weit mehr, als die Mehrwegflaschen, die auch wir schon seit dem Start von Viertel \ Vor so gern mit uns herumtragen. Als zertifiziertes B-Corp-Unternehmen, hat sich die Brand vor allem dazu verschrieben, in gemeinnützige Arbeit oder Projekte zu investieren. Und das macht Dopper passenderweise im Bereich Trinkwasserversorgung und Gewässerschutz. Fünf Prozent des Erlöses aus jeder verkauften Flasche gehen an die Foundation – und werden in Wasserprojekte wie beispielsweise in Nepal oder eben in die Nachwuchsforscherföderung investiert.

Angefangen hat alles mit einem Spaziergang – natürlich am Meer. Oder vielmehr am Strand, der in den Niederlanden, wie ja leider überall, voller Plastikmüll ist. „Bei uns kommt noch erschwerend hinzu, dass alle kleinen Wasserflaschen Einwegflaschen sind“, erklärt Merijin. Ein Pfandsystem gibt es nur für die 1,5-Literversion. „Das hat mich dermaßen frustriert, dass ich wusste: Ich muss etwas ändern“, erinnert sich der Dopper-Gründer, während wir gemeinsam an der Reling stehen und über die Nordsee sehen.

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Morgens, wenn die Sonne aufgeht und die leichten Wellen so wahnsinnig glitzern lässt, sieht sie so unberührt und rein aus, dass man sich den immensen Dreck darin wirklich nur schwer vorstellen kann: 8 bis 13 Millionen Tonnen Plastik landen jedes Jahr in unseren Meeren und Ozeanen. Zur Veranschaulichung: Das entspricht einem Gewicht von ca. 160.000 Pottwalen oder einem Müllwagen pro, Achtung!, Sekunde. Von weiteren Schadstoffen wie beispielsweise Medikamentenrückständen mal ganz abgesehen.

„Diese Fakten und das ganze Thema müssen einfach präsenter werden“, weiß Merijin. „Und zwar schnell.“ Seiner Überzeugung nach geht das am Besten, wenn die Problematiken nicht nur fundiert erforscht und innovativ bekämpft, sondern auch zu öffentlich gemacht werden – auf möglichst attraktive Art. „Die Themen und Erkenntnisse unserer Channgemaker-Challange-Finalisten brauchen dringend mehr Aufmerksamkeit. Wir versuchen einen Teil dazu beizutragen, dass sie diese bekommen“, sagt er.

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Rund um die Finalvorträge unter Deck der Passaat ließ sich der Ansatz des Dopper-Gründers für uns noch einmal besser nachvollziehen. Seine Vision kommuniziert er über die Wege, die auch ihn  persönlich am meisten faszinieren. Neben dem Umweltschutz ist das vor allem die Kunst: immer wieder organisiert Dopper Art-Events in Europa, Südamerika und in den USA, wohin die Brand aktuell zu expandieren beginnt. An Bord der Passaat reisten Contemporary-Tänzerin Anne, die bei Ebbe eine Performance im freigelegten Watt gab, und Singer-Songwriter Florian Wolff mit. Letzterer ist in den Niederlanden als „Grüner Musiker“ bekannt. Weniger, weil er über nachhaltige Themen singt, als vielmehr, weil er Festivals und Touren klimaneutral organisiert.

Mit seiner Gitarre gab er dem Event auf dem Boot einen entspannten Rahmen – und nahm der Changemaker Challange den Competition-Charakter. Nach je fünf Minuten Vortrag wurden die Studenten beim Finale unter Deck von Musik unterbrochen. Wobei fast alle den dezenten Hinweis kaum gebraucht hätten. Auf den Punkt lieferten die Changemaker ihre innovativen Ideen ab – und machten allesamt Hoffnung auf eine bessere Welt umgeben von besserem Wasser. „Die Dopper Foundation wird die Ergebnisse der Theses veröffentlichen und den besten, sinnvollsten auch darüber hinaus eine Bühne geben“, versprach Merijin.

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Dopper-Gründer Merijin Everaarts (links) und die Jury
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Changemaker Eric Ziemann
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Changemakerinnen Gayathri Jaikumar (links) und Brigit van Brenk
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Mit dem Fördergeld belohnt wurden am Ende die beiden jungen Powerfrauen Gayathri Jaikumar und Brigit van Brenk, die am Aufzeigen der Verbreitung von Mikro- und Nanoplastik am Beispiel von Wasserflöhen beziehungsweise am Einsatz eines natürlichen Pilzes der Medikamentenrückstände und Pestizide aus Abwasser fressen kann, arbeiten. Der dritte Sieger kommt aus Deutschland: Eric Ziemann studiert an der Westus, dem European Centre Of Excellence For Sustainable Water Technology in Leeuwarden, und forscht am genaueren Erkennen von Antibiotikarückständen im Wasser. Seinen Gewinn wird er in die Entwicklung eines Prototypen stecken, der diese über elektrische Felder messen kann. Keine leichte Aufgabe, weil nur eins von 3,5 Milliarden Molekülen ein Antibiotika-Mölekül ist.

Wie’s funktioniert und warum seine Innovation uns alle vor der von der WHO befürchteten Resistenz schützen kann? Darüber haben wir mit Eric gesprochen. More soon – hier auf Viertel \ Vor.

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FOTOS: Anna Schunck

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