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Schon cheesy, ist aber so: Zusammen ist man weniger allein. Und davon mal ganz abgesehen besteht auch eine durchaus hohe Wahrscheinlichkeit, zusammen weniger gemein zu sein. In Sachen Fashion zum Beispiel. Nach den Automobilen macht die Modeindustrie immerhin eine der weltweit größten Wirtschaftskräfte aus. Wer an Umweltauswirkungen und Produktionsbedingungen also etwas ändern will, muss die Masse erreichen.

Einen Schritt in die richtige Richtung macht aktuell das Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) mit der Aufklärungs-Kampagne „Vero & Selvie“. Über Designerin Vero und Näherin Selvie soll via Homepage, Imagefilm und Influencer-Aktion Aufmerksamkeit für faire und grüne Mode geschaffen werden. Dass dabei die Idee für einige besser ist, als die Umsetzung, bekam das BMZ während der von Anna moderierten Panel-Disskussion, mit Dr. Julia Lehmann vom BMZ, Michelbeger-PR-Leiterin Melanie-Jasmin Jeske, Dandy-Diary-Blogger Carl Jakob Haupt und Folkdays-Gründerin Lisa Jaspers, zum Kampagnen-Launch in der Kreuzberger Blogfabrik attestiert.

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Haupt kritisierte weniger die Homepage als den Imagefilm, zur Kampagne, in dem Durchschnittsmenschen, unter anderem eine Frau mit Rollator, zu sehen sind: „Ich möchte nicht, dass Fairfashion an Omas und an Schwachen gezeigt wird. Mode wird an schönen, jungen Frauen präsentiert“, so Jakob, der sich für Slowfashion in erster Linie eine große Portion der branchenüblichen Sexyness wünscht. In Sachen Campaigning sehe er beispielsweise Peta als Vorbild. So wie die Tierrechtsorganisation mit Promis und dem „Lieber nackt als Pelz“-Statement Felle zum Ekelobjekt erklärt habe, stelle er sich die Herangehensweise auch im Fairfashion-Bereich vor.

Generell müsse eco-faire Mode, da waren sich die Speaker auf dem Panel einig, aus der Ökoecke raus. Selbst Lisa Jaspers von Folkdays, die mit dem Talk mit der perfekten Mischung aus Zeitgeist und Fachwissen inhaltlich ein gutes Fundament gab, findet es immer noch schwer, eco-faire Labels zu finden, die ihr wirklich gefallen. Generell schwebt offenbar das Dogma „mühsam“ über dem gesamten Thema. Michelberger-PR-Leiterin Melanie-Jasmin Jeske empfindet es oft als schwierig die Leute mit ihren lokalen oder generell faireren Labels zu erreichen, weil viele Konsumenten durch Siegel verwirrt sind oder sich generell nicht die Mühe machen möchten, zu checken, wo die einzelnen Teile herkommen. Generell ginge es auch aus ihrer Sicht deshalb vor allem darum, Begehrlichkeiten zu schaffen.

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Während Jakob es weder für realistisch noch für erstrebenswert hält, auf mehr oder weniger schnell wechselnde Trends zu verzichten, sieht Melanie in der Konsumbereitschaft ein großes Problem. Vielen, gerade ganz jungen Leuten, falle es schwer, weniger zu kaufen. Umso dringender rate sie kleinen, eco-fairen Marken dazu, größere Begehrlichkeiten für einzelne Stücke zu schaffen. „Ich glaube, der ganze Bereich muss dabei noch viel dazu lernen – und vor allem einen eigenen Weg finden“, sagt Melanie.

Lob für den Weg der BMZ-Kampagne gab’s von Lisa: „Initiativen wie diese sind sehr sehr wichtig. Besonders der Ansatz zu sagen: Die Lieferketten sind nicht per se Scheiße – nur müssen wir gucken, dass wir die Verantwortung bei den Deutschen und europäischen Unternehmen suchen und diese dazu auffordern, die Rechte der Arbeiter und Arbeiterinnen in Indien oder Bangladesch genau so zu schützen, wie sie’s hier tun“, so Lisa. „Die Sorgfaltspflicht in Sachen Menschenrechte darf nicht in den Ländern aufhören, wo die Auftraggeberfirmen sitzen.“ Denn ganz ohne Textilindustrie sei den Produktionsländern auch nicht geholfen. Und Jakob gab zu Recht zu bedenken, dass „made in Europe“ nicht zwangsläufig ein Garant für faire Herstellungsbedingungen sei.

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Darüber hinaus sprach Lisa zuletzt den klaren Wunsch aus, von der einen Idee der Konsumentenerziehung einen gewissen Abstand zu gewinnen. „Das dauert mir zu lange“, sagt sie. „Für fairere Fashion zu sorgen, ist eine Aufgabe, die die Politik übernehmen muss.“ Ein Ansatz, den Julia durchaus teilt – gleichzeitig aber darauf verwies, das von BMZ-Seite aus kleine Schritte gemacht würden. Dafür aber kontinuierlich. Verbrauchern riet sie zu einem Blick auf die Kampagnenunterseite Siegelklarheit.

Beim Publikum, indem sowohl alten Slowfashion-Hasen als auch Neueinsteiger ins eco-faire Thema saßen, führte die Diskussion zu interessanten Nachfragen und neuen Erkenntnissen. Mit der mit Szenenapplaus belohnten Ansage von Kampagnenunterstützerin Wana Limar, dass man eben sein eigenes Ding machen und damit bei sich selbst anfangen und andere auch im kleinen Rahmen beeinflussen könne, ging der Talk – gefühlt zu früh – zu Ende.BMZ_Panel_40BMZ_Panel_8

Und auch wenn Jakob mit seinen teils steilen Thesen, wie etwa, dass es indischen Kindern beim Nähen in den Textilfabriken oft besser gehe,als ohne Arbeit auf der Straße, so behält er mit seinem Eingangs-Statement doch recht: Slowfashion muss sexyer werden. Denn nur die breite Masse kann wirklich etwas ändern. Und die breite Masse will in erster Linie gut aussehen. Da nehmen wir uns selbst noch nicht mal ganz raus. Und trotzdem glauben wir, dass diese Masse zunehmend auch reflektieren und umdenken möchte. Und auch dazu braucht sie Anstöße. Diese auf ansprechende Art und Weise zu geben und zu fördern, ist unser erklärtes Zukunftsziel. Macht mit!

Den Live-Mitschnitt vom ganzen Talk gibt es hier:

FOTOS: Plastic Media

2 Kommentare

  1. Vielen Dank für den Mitschnitt!

  2. Pingback: Brandnews #10 - Nicetohave Mag

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