Brands und Influencer miteinander vernetzen: Was im konventionellen Modebereich längst ganz normal ist, soll auch für eco-faire Hersteller zur Selbstverständlichkeit werden – mit so vielen Synergieeffekten wie möglich. Zusammen mit der Messe Frankfurt, dem Green Showroom und der Ethical Fashion Show haben Thekla Wilkening und Pola Fendel von der Kleiderei deshalb eine Initiative entwickelt, die beide Seiten auf direktem Weg zusammenbringt: prePeek.

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Thekla Wilkening (li.) und Pola Fendel haben die Hamburger Kleiderei gegründet – und prePeek ins Leben gerufen

Währen der Fashionweek in Berlin hatten Blogger erstmals die Möglichkeit, die kommenden Kollektionen von Ausstellern der beiden grünen Messen vor Ort anzuprobieren und sich darin zu fotografieren oder fotografieren zu lassen. 25 hauptsächlich grüne Blogger nutzten die Möglichkeit, Teile der neuen Kollektionen anzuschauen, anzufassen und auszuprobieren. Die dabei entstandenen Fotos wurden in den letzten Wochen für Social Media-Posts und Berichte der Blogger – aber auch von den Brands selbst genutzt.

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Anna in Jungle Folk (li.) – Marcus in Carpasus und Norian (Fairknallt) in Carpasus und Lanius
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Eine Idee, die funktioniert! Auch wenn die Umsetzung seitens der Messen unserer Meinung nach durchaus noch überarbeitungswürdig wäre. Für die nächste Runde wünschen wir uns vor allem mehr Platz zum Fotografieren und vor allem zum Umziehen und eine noch gezieltere Kommunikation im Vorfeld. Vor allem in Richtung der potenziell Beteiligten! 

Was die Kleidi-Girls als Initiatoren selbst resümieren, das haben wir Thekla gefragt: 

Liebe Thekla, müssen Greenshowroom und Ethical Fashion Show generell noch immer gegen ein gewisses Öko-Image ankämpfen?

Mit Sicherheit. Die konventionelle Mode hat sich selbst, durch Exklusivität und auch durch gute Beziehungen zu Größen aus Film, Musik und Fernsehen, ein glamouröses Image verpasst. Mit sinkenden Preisen und der Möglichkeit, dank diesen Preisen jeden Tag etwas anderes anziehen zu können, bleibt dieses Image trotz mangelnde Exklusivität irgendwie haften. Mit Nachhaltigkeit hat das aber nichts zu tun. Nachhaltige Mode ist vernünftig, überlegt und wird darum oft als nicht so hip verschrien. Das färbt natürlich auch auf die Messen ab.

Dass Glamour aber auch bedeutet, hochwertige Dinge zu kaufen, ist etwas, was wir verlernt haben. Deshalb gilt es weiter daran zu arbeiten, dass das Motto „Weil ich es mir wert bin“ auch für die Qualität unserer Kleidung steht. Green Showroom und Ehitcal Fashion Show haben mit der ausgelagerten Modenschau einen großen Schritt in diese Richtung getan. Die Salonshow war super! Eine größere Fläche, gläserne Decken – und auch Prominente wie Eva Padberg in der Frontrow: Das ist auf jeden Fall ein großer Schritt in die richtige Richtung.

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Marie (Fairknallt) in Lanius und Studio Lux

Genau wie Eure innovative Feedbackaktion prePeek. Welche eco-fairen Brands haben sich schon während der Messen als Blogger-Favoriten herausgestellt?

Lanius, Studio Jux, Jan’n June und Jungle Folk waren ganz weit vorne. Die Teile dieser Brands bestechen aber auch alle durch ihre modernen Schnitte, durch charmante Simplicity und durch großartige Materialien. Gerade, wenn die Designs vor einem hängen und man sie auch anfassen kann, verliebt man sich schnell.

Einer meiner persönlichen Favoriten war außerdem Feuervogl, ein junges traditionelles Unternehmen, das hauptsächlich mit Denim arbeitet. Die Brand ist in ihrer Social Media-Aktivität noch sehr zurückhaltend, glänzt aber mit einem tollen Lookbook und optimaler Passform bei ihren Produkten. Man könnte Feuervogel den völlig berechtigten Überraschungserfolg nennen. Und natürlich die folkloristischen Kleider von Sleeping Gypsy – in die haben sich von Nice To Have Mag bis Peppermynta alle schockverknallt.

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Kim (Kim goes öko / Vinokilo) in Sleeping Gypsy

Ein mittel- bis langfristiges Vorhaben von prePeek ist es, durch Verleihen auch nach der Messe Herstellern direktes Feedback geben zu können und so eine gezieltere Produktion zu unterstützen beziehungsweise Überproduktion zu vermeiden. Haben sich diesbezüglich schon Kooperationen ergeben?

Mit einigen Labels arbeiten wir bei der Kleiderei ja schon länger zusammen Lanius und Jan’n June zum Beispiel. Neu dazu kommen werden auf jeden Fall Studio Jux und Jungle Folk, die Zusammenarbeit mit MUD Jeans bauen wir aus. Darüber, wie unmittelbar neue Produkte zu uns in den Verleih kommen können, brüten wir gerade. Vermutlich ist das etwas, was für die lokalen Läden wie Kleiderei Köln oder Pop Up Stores am besten in Frage kommt, da jedes Teil dort von mehr Testerinnen anprobiert werden kann –  und weil wir da auch ein direktes Feedback dazu bekommen können, warum sie es eventuell nicht ausleihen. Online ist ein Teil immer mindestens einen Monat bei einer Person, da vergeht viel Zeit, die die Labels bis zur Produktion nicht haben. Das Feedback dazu, warum ein Kleidungsstück nicht ausgewählt wird, fehlt über den Onlineverleih bisher komplett.

Zum Fotografieren haben viele Blogger nicht den angebotenen Backstage-Raum sondern andere Hintergründe auf der Messe genutzt. Der Backstagebereich war begrenzt. Sollten die Messen prePeek beim nächsten Mal noch mehr Raum geben?

Auf die Messefläche auszuweichen war unvermeidbar, aber auch geplant. Professionelle Blogger haben ja auch in ihren Feeds eine Kontinuität, was Farbe und Setting angeht. Und das Zufällige an einem Bild ist immer noch das Beliebteste unter den Followern. Erweckt wurde dieser, fast voyeuristische, realitätsabbildende Stil von der Streetstylefotografie, die in den Nullerjahren auf den ersten Blogs gezeigt wurde. Sprich, ein Outfit, dass scheinbar wirklich auf der Messe getragen wird, wirkt authentischer als ein Bild vor einer Fotowand. Die ist toll, wenn man einzelne Produkte in Szene setzen will, das ist der andere Part des Influencer-Marketings. Da sind Kontraste super. Mehr Platz brauchen wir aber so oder so auf jeden Fall, allein weil die Aussteller so begeistert waren und die Kollektionen auf engstem Raum nicht zur Geltung kommen. 

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Julia (Nice to have mag / Fairfashionootd) in Seeping Gypsy

Welche war dabei das schönste Feedback eines Ausstellers?

Fremdformat hat direkt einige unserer prePeek Fotos auf Instagram geteilt und auf unsere Feedback-Mail mit einer Kooperationsanfrage geantwortet. Das heißt: Bald gibt es Julias wunderschönen Schmuck auch in der Kleiderei zu leihen – die erste Kooperation, die durch prePeek zustande kam. Darüber freuen wir uns sehr. Wir können Fremdformat jetzt weiterhin Feedback zu ihren Produkten geben, dass Julia in ihre neue Kollektionen einbauen kann. Genau so, wie es geplant war.

Gab es einen ähnlich gute Rückmeldungen auch von Seiten der Blogger?

Es gab da eher einen Moment – nämlich den nach dem Frühstück, als alle zusammen oben in unserem kleinen Showroom waren. Es war so ein fröhlicher, spannender Haufen, dass ich wirklich das Gefühl hatte – hier geht endlich was. Endlich eine Gang, die cool ist und Lässigkeit versprüht und trotzdem nachhaltig denkt, Verantwortung für unseren Planeten und die Menschen darauf übernimmt. Das war dann mehr so ein unausgesprochenes Feedback, aber das hat mich sehr gerührt.

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Melanie (Michelberger PR / Trust the Girls) in Beamont Organic

Uns auch! Habt Ihr darüber hinaus denn auch das Gefühl, dass die Vorteile, die Blogger-Relations Brands bringen können bei den Ausstellern angekommen sind?

Im Rahmen des Projekts habe ich auch zwei Vorträge im Rahmenprogramm gehalten, einen exklusiv für die Aussteller, einen für alle Messebesucher. Der zweite war auf jeden Fall weitaus höher besucht, was schade ist, da sich das Konzept ja schon gezielt an die Labels gerichtet hat. Ich glaube, dass das Thema für viele Hersteller noch nicht greifbar ist, allein logistisch nicht. Die wenigstens können sich einen Social Media Manager leisten, es fehlt an Zeit und Geld. Das liegt vor allem daran, dass die Produktion und die Beschaffung der Materialien für eco-faire Mode so viel anspruchsvoller ist, als wenn man, wie konventionelle Fastfashion Händler, seine Produktion einfach an Subunternehmen auslagert.

Vor der Messe habe ich Aki Tuncer von Knowledge Cotton Apparel im Hamburger Showroom besucht und ihn dann auch zu den Vorträgen eingeladen, weil er mir erzählt hatte, dass auch für ihn Instagram auch noch ein Buch mit sieben Siegeln ist. Er kam dann extra von der SEEK rüber, wo Knowledge Cotton Apparel seinen Stand hatte. Darüber habe ich mich sehr gefreut. Ich glaube, es gibt schon noch Hürden, die peu à peu abgebaut werden können, es hilft sicherlich Labels an die Hand zu nehmen, um den Einstieg zu erleichtern.

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Fair Fashion Squad

Vielen Dank, liebe Thekla, für das Gespräch – und für Euer Engagement. 

HEADER: Marcus Werner

FOTOS: Janine Kuehn

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