Ein Paar Converse Chucks kostet in der Herstellung 2,50 Dollar. Der Rest der Kohle, die wir im Laden dafür zahlen, geht für Werbung, für Design und für Gehälter drauf. Gehälter, die hoch sind, in den höheren Positionen der Turnschuhbranche. Jakob, Amira, Shai und Nona zahlen sich selbst 0 bis 500 Euro im Monat aus. Ihre Schuhe verkaufen sie für 75 Euro, das sind gut fünf mehr, als der Stoff-Sneaker im Fastfashion-Original kostet. Wohin die Differenz bei ihren Karma Classics fließt? Vor allem ins Material: bio. Und in die Herstellung: fair.

Frei nach dem Motto „Einfach machen“ haben sich die vier Karma-Classics-Erfinder einen Traum erfüllt. Zu beweisen, wie viel in der Modewelt auch auf einem grünen und menschlichen Weg möglich ist. Mit groß angelegten Crowdfunding-Aktionen und einer ebenso schönen wie spannenden Webserie über die Entstehung ihres Produkts schaffen sie genau die Awareness, die sie sich wünschen. Dabei versteht sich das Karma-Classics-Team nicht als Brand, sondern als Bewegung. Karma Classics ist eine Kampagne für Slowfashion. Und ein Statement, das man mit den dazugehörigen Sneakern im Alltag setzen kann.

 

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Wie genau dieses Statement am Ende aussieht, das bestimmt übrigens die Karma Classics-Crowd jedes Mal wieder selber mit. Über Aufschrift und Farben wird per Mailingliste mit bis zu 2000 Menschen abgestimmt. Das aktuelle Ergebnis ist ein Sommerschuh, der über Startnext noch bis kommenden Dienstag mitfinanziert werden kann. Warum Ihr ihn Euch unbedingt mal anschauen – und wenn Ihr gerade einen braucht, auch unbedingt genau diesen Sneaker kaufen solltet? Wir haben Co-Founder Shai Hoffmann fünf fixe Fragen gestellt:

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1. Warum sieht Euer Schuh aus wie der Converse Chuck?

 

Wir wollten ein Produkt produzieren, das alle kennen. Die Chucks von Converse eignen sich ideal dafür. Denn sie sind zeitlos und werden sowohl von Frauen als auch von Männern getragen.

 

2. Ihr produziert aber nicht in der gleichen Fabrik wie Converse, die mittlerweile zu Nike gehören, oder?

 

Nein, wir produzieren in einer Fabrik in Pakistan, die Fairtrade zertifiziert ist. Das tun wir zusammen mit unserem Partner Ethletic, der die Produktiosstraße in Pakistan für seine fair hergestellten Produkte bereits nutzt.

 

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3. Das ist ja schon Mal das Wichtigste! Worin unterscheidet sich Euer Schuh noch vom Original?

 

Im Wesentlichen unterscheiden sich unsere Sneaker durch vier Merkmale: durch die grüne Buddha-Sohle, die von Personen aus der Crowd gestaltet und anschließend demokratisch gewählt wurde, durch unsere Fersen und Laschen, die jeweils das Tag „Give“ beziehungsweise „Take“ ziert und über die Möglichkeit, den Schuh über unseren Karma-Deal für nur 6 Euro an bedürftigen Menschen weiter geben zu können. Das läuft im Rahmen eines Solidaitätsprinzips – und lässt so alle an unseren fairen und nachhaltigen Karma Schuhen teilhaben. Darüber hinaus sorgen wir mit unserer Kampagne gezielt für Sensibilisierung in Sachen Fairfashion. Wir fahren zu den Produktionsstätte in Pakistan – und stehen in engem Kontakte zu den Herstellern, also den Menschen, die in mühsamer Handarbeit unsere Schuhe herstellen. Im Zuge dessen ist auch unsere Webserie „Give & Take“ entstanden, für die Amira die Wertschöpfungskette unserer Snaker beleuchtet hat.

 

4. Karma Classics ist also mehr als „nur“ ein schicker Sneaker?

 

Genau. Wir verstehe uns nicht als klassische Schuhverkäufer. Vielmehr sehen wir in jedem Crowdfunding das Potential Menschen durch Storytelling für nachhaltige Mode zu sensibilisieren. Dabei geht es uns um die Wertschätzung für Textilien: Wo kommen die Materialien her? Wer verarbeitet sie? Unter welchen Umständen? Und wieso kosten sie unter Umständen mehr? Beim Beantworten dieser Fragen legen wir großen Wert auf Transparenz. Wer will kann sich auf unserer Website jederzeit eine Finanzaufschlüsselung angucken. Generell ist es unser Wunsch, dass noch mehr Menschen mit unseren gemeinsam gestalteten Produkten gutes Karma in die Welt treten – im wahrsten Sinne des Wortes. Sei es durch einen Schuh oder in Zukunft auch mit neuen Produkten.

 

5. Welche sind das? Und plant Ihr in Zukunft auch eigene Designs?

 

Schon im März wird es etwas anderes als Schuhe von uns geben. Und einige Merkmale dieses neuen Produkts werden wir auch wieder mithilfe der Crowd entwerfen und  abstimmen lassen. Da wir mit Designerin Nona und Gestalter Jakob Listabarth aber auch zwei talentierte Kreative im Team haben, wäre es unser großer Wunsch auf längere Sicht auch ein eigenes Design präsentieren zu dürfen. Das würden wir aber auch immer zusammen mit unserer Crowd machen, denn wir glauben an die Energie der Vielen. Lang‘ lebe die Crowd!

Und lang lebe Karma Classics. Vielen Dank für das Interview, lieber Shai.

TEXT: Anna Schunck

INTERVIEW: Marcus Werner

VIDEOS / FOTOS: Karma Classics

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