Soziale Ungerechtigkeit, engstirnige Meinungen, Vorurteile, Gewalt, Radikalisierung – und dann auch noch der Klimawandel. In Anbetracht des Zustands, in dem sich Welt und Weltbewohner aktuell befinden, kann man pünktlich zum neuen Jahr auch schnell mal kurz den Mut verlieren. Oder eben irgendwie aktiv werden. Nur wie? Immer mehr Menschen in unserem Umfeld stellen sich und uns und anderen immer öfter die Frage: Was können wir tun? Und zumindest hinsichtlich schmelzender Gletscher, Massentierhaltung und Primark-Wahn wird dann von uns auch eine adäquate Antwort erwartet. Blöd nur, dass wir uns auch selbst eine existenzielle Frage stellen. Und die lautet: Müssten wir in Anbetracht der erschreckenden Tatsachen in Punkto Umweltschutz nicht eigentlich alle Aktivisten werden?

Kurze Antwort: ja. Müssten wir. Und trotzdem sitze ich aktuell im warmen Büro und trinke einen frischen Fairtrade-Kaffee mit Bio-Milch, statt im Januarregen Parolen zu brüllen, Unterschriften zu sammeln, mich an einen Braunkohlebagger zu ketten, auf Polarmeer-Mission zu fahren oder zumindest einen Baum in einen dieser kleinen Neuköllner Straßengärten zu pflanzen. Denn neben der Kurzen gibt es für mich auch noch eine längere, individuelle Antwort. Eine, mit der ich einen Zwischenweg gefunden habe, der zu dem Leben passt, dass wir und wahrscheinlich ziemlich viele andere momentan führen – und führen wollen. Einem Leben, das sich nur hin und wieder auf Demos abspielt. Und nie mit großen Plakaten auf einem kleinen Eisbrecher. Diese Antwort heißt Konsequenz. Wichtiger als ein radikaler Weg in Richtung Weltrettung ist mir aktuell ein – Achtung, Doppelbedeutung – ein konsquent nachhaltiger. Denn der ist für mich langfristig sinnvoll und vor allem langfristig realistisch. Und Step-By-Step in Richtung Green Lifestyle ist für uns, und wahrscheinlich viele andere, in diesem Jahr aktivistisch genug.

Deshalb rufen wir heute dazu auf, aktiv konsequent zu werden. In einem oder in mehreren Bereichen, in denen wir unsere Umwelt easy schützen können – jeden Tag. Wir rufen auf zum radikalen Mitführen von Stoffbeuteln zum Einkaufen, auch für Kleider, Elektrogeräten und Co. Wir rufen auf zum Gebrauch von Mehrwegbechern oder sich einfach mal die drei bis fünf Minuten für einen Kaffee to stay zu gönnen. Wir rufen auf zum Kurzstreckenflüge wirklich durch Zugfahrten zu ersetzen und statt Fastfashion – umweltbewusstes, fair produziertes oder Second Hand Schätze zu kaufen, dazu den Müll zu trennen, das Licht hinter sich auszumachen, den Hahn beim Zähneputzen zu zu drehen und ein bis drei Fleisch-Tage die Woche zu streichen. Macht alles oder sucht Euch einen Bereich aus. Macht es, wie es zu Euch passt und wie es Euch gefällt. Aber macht was. Irgendwas. Irgendwas anders, irgendwas besser als letztes Jahr.

Nicht jeder muss ein Aktivist sein. Aber wir alle müssen an irgendeinem Punkt konsequent zu sein. Fangt an!

FOTO: Marcus Werner

5 Kommentare

  1. Hallo Anna,

    Wirklich toll geschrieben und absolut zutreffend! Konsequenz ist genau das richtige Wort..war bis heute selber noch jemand der Lebensmittel zwar fleißig im eigenen Beutel nachhause schleppt, aber bei H&M und co Klamotten kauft und diese im Plastiksackerl mitnimmt. Wird ab heute sofort geändert. Ich danke dir dafür, dass du mich wach gerüttelt hast!

    • Anna Schunck

      Danke DIR fürs schöne Feedback! Hab‘ einen schönen Tag – und ein glückliches, gesundes, konsequentes neues Jahr.

  2. Das hast du wirklich passend geschrieben. Ich möchte in diesem Jahr auch konsequenter sein. Darin mich zu entwickeln, umsichtiger zu sein, nachhaltiger zu denken und mein tun zu hinterfragen. Ihr beide macht großartige Arbeit. Danke dafür.

  3. Hallo Anna,

    Ein wirklich motivierender Post!
    Mir wurde erst vor Kurzem bewusst, in was für einer kurzlebigen Welt wir leben, wo die meisten Vorsätze bis jetzt schon wieder so vergessen sind wie der Müll der Silvesterknaller.

    Danke für diesen tollen Post und macht weiter so!

  4. Pingback: Kleine Schritte: Unser Ökostrom wird jetzt noch besser – VIERTEL VOR

Einen Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*