Plastik ist der Endgegner, das wissen zumindest in der Theorie mittlerweile die meisten. Warum noch mal genau? Zum Beispiel, weil das Zeug meistens aus Erdöl gemacht wird. Und das ist als Rohstoff mittlerweile mehr als knapp. Vor allem aber, weil Plastik sich einfach nicht abbaut. Und nicht meint in diesem Fall quasi wirklich nie. Und wenn’s nicht einigermaßen vernünftig entsorgt wird, dann landet es im Wasser. In schier unvorstellbaren Mengen. Ein Reminder:

Beschreibt jemand das überdimensionale Ausmaß einer Fläche mit „so groß wie drei Fußballfelder“, kann dem einen oder anderen unter uns schon mal das Vorstellungsvermögen versagen. Und jetzt sagt jemand „so groß wie Mitteleuropa“. Das Einzige, was den meisten dazu einfällt, ist da erstmal wohl: Whatt?! Das ist wirklich, wirklich, wirklich groß! Und genau so groß ist der Teppich aus Plastikmüll, der im Nordpazifik zwischen Kalifornien und Hawaii schwimmt.

Ein Fakt, der das Wort Teppich als Beschreibung eigentlich viel zu niedlich und flauschig erscheinen lässt. Denn dieser Fakt ist hart und eklig. Und dieser Plastikteppich im Nordpazifik ist zwar der ausladendste – aber nicht der einzige. Im Südpazifik, Atlantik, Mittelmeer und im Indischen Ozean gibt es vier weitere Inseln oder besser Strudel, die durch kreisende Strömungen von Wind und Wasser die Wegwerfprodukte der Wohlstandsgesellschaft zusammenhalten. Vier Flächen aus Müll, die so riesengroß sind, das man sie vom Weltall aus sehen kann und das zum Teil gleich mehrere Länder darauf Platz finden würden. Wie unglaublich eklig ist das denn?

Vor allem aber ist es gefährlich. Gefährlich für die Meerestiere, mag einem da in den Sinn kommen: Seevögel, die sich in Plastiknetzen verheddern, Meeresschildkröte, die an Eislöffeln, leeren Feuerzeugen, Einmalrasierern oder Zahnbürsten ersticken. Noch verheerender als der Müll, der an der Wasseroberfläche schwimmt, ist der, der dort nicht mehr schwimmt: Plastik baut sich wie gesagt erwiesenermaßen nicht von selbst ab – wird durch Wellenbewegung und Sonneneinstrahlung aber sehr wohl zu kleinen Teilchen zersetzt. Diese sinken ab und treiben mehr oder weniger unsichtbar im Wasser herum, wo Tiere es aufnehmen. Weil sie den Müll mit Nahrung verwechseln. Und weil sie keine andere Wahl haben: Mittlerweile gibt es mehr Plastik in unseren Meeren als Plankton.

Das ist ein Problem ist. Eins, das schon jetzt uns alle betrifft. Denn so gelangen die unfassbaren rund sieben Millionen Tonnen Plastik, die jährlich in den Weltmeeren landen, nicht nur in die Müllstrudel und verkeilen sich massenweise an Stränden von der Nordsee bis nach Asien – sie gelangt in die Nahrungskette! Inklusive der giftigen Chemikalien, die beispielsweise als Weichmacher oder Flammschutzmittel oft im Plastik enthalten sind. Das alles ist im Fisch, den wir essen, im Gieß- oder Grundwasser, auf unserem Obst und Gemüse und so weiter und so fort. Wir vergiften uns damit quasi selbst.

Heißt: Es gibt einen weitreichenden Grund, aus dem immer mehr Initiativen Gebrauchsgegenstände aus Recycling-Plastik herstellen und warum der Trend gerade in kleinen Schritten weg geht vom Einmal-Artikeln wie Coffee-To-Go-Bechern und von Plastiktüten, einen Grund für Neo-Ökos und die Zero-Waste-Bewegung. Und es ist wahnsinnig gut, dass dieses Bewusstsein endlich ankommt. Egal, ob wir uns die überdimensionalen Plastikstrudel und die toten Tiere nun ganz genau bildlich vorstellen können oder wollen, oder nicht. Wichtig zu wissen ist eigentlich vor allem eines: Was wir jeden Tag so wegwerfen ist nicht weg – es ist nur woanders.

TEXT: Anna Schunck
FOTOS: Marcus Werner
DIESER BERICHT IST ZUERST ERSCHIENEN AUF: Refinery29  Bildschirmfoto 2016-08-31 um 16.32.25

Ein Kommentar

  1. Und dann kommen noch all die kleinen Fasern aus der Wäsche unserer Kunstfaserkleidung dazu.
    Beunruhigend.

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