Der VIERTEL \ VOR-Stil lässt sich geschlechterübergreifend und relativ easy zusammenfassen: Jeans und T-Shirt. Wir beide sind Fans dieses einfachen Looks – und wissen doch auch, wie schwierig es mitunter sein kann, ein richtig gutes Oberteil zu finden. Vor allem für Anna, die aktuell ja selbst keine neuen Klamotten kauft, aber dennoch gerade Gefallen an einem neuen Label gefunden hat: an greentee.

Die nachhaltige Women-Brand aus München finden wir gleich aus mehreren Gründen interessant: weil sie in ihren Lookbooks statt mit Models mit Frauen in jeder Form und in jedem Alter wirbt, weil sie explizit nur zeitlose und damit auf Langlebigkeit ausgerichtete Basics herstellt, weil diese Basics ökologisch und GOTS zertifiziert sind  – und weil greentee für all die tollen Teile eine neue Art der Verpackung entdeckt hat: Apfelpapier.

Über all das wollten wir natürlich mehr wissen. Ach so, und Anna hat ihre Top 3 der aktuellen Kollektion außerdem auch mal kurz anprobieren. It was a real good Feeling! Ähnlich wie der Talk mit Designerin und Label-Chefin Darinka Radenkovic:

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Liebe Darinka, seit August gibt es Euch im Einzelhandel – seit Oktober ist außerdem euer eigener Onlineshop an den Start. Was können wir kaufen?

Ein Shirt gepaart mit einem guten Gewissen. Die erste Kollektion besteht aus 15 Teilen und geht vom klassischen T-Shirt bis zum Basic-Langarm. Alles ist aus  zertifizierter Bio-Baumwolle und alles steht unter einem hohen Anspruch ans Design.

Das heißt?

Es gibt verschiedene schlichte aber ganz besondere Farben. Und es gibt immer einen besonderen Twist.

Obwohl Ihr „nur“ Basics macht?

Gerade deswegen. Und gerade weil wir nachhaltige Mode machen. Die muss meines Erachtens immer ein besonders gutes Design haben. Nur dann interessieren sich die Leute auch für die Botschaft.

Und eure Botschaft ist ja durchaus auch: Make it last. Wenn ich mir also jetzt ein T-Shirt kaufe, das eine gute Qualität hat und dann sogar noch in zehn Jahren aktuell ist – macht ihr Euch dann nicht mit eurer Philosophie auch den eigenen Markt kaputt?

Ach, es gibt so unendlich viele T-Shirt-Kunden und Kundinnen! Da ist es primär wirklich absolut unser Ansinnen, dass unsere Kunden oder die Leute überhaupt ihre Teile möglichst mehrere Jahre lang tragen. Und zur Not kaufen zufriedene Kunden ja Lieblingsshirts auch mal in einer zweiten oder dritten Farbe. (lacht)

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Ihr gehört zu den wenigen Labels, die ihre Designs nicht an professionellen Modellen zeigen.

Ja. Auf unseren Fotos sind einfach Frauen, normale Frauen. Wir wollen keine künstliche Traumwelt erschaffen. Wir wollen, dass sich jede Frau in unsere T-Shirts verlieben kann – unabhängig von Form und Alter. Deshalb bieten wir unsere Teile auch von XS bis XL an. Und in Schnitten, die verschiedene Körperteile betonen.

Slowfashion ist aktuell ja glücklicherweise ein Trend-Thema. Muss man sich als nachhaltige Brand trotzdem immer noch besondere Mühe geben, um aus der langweiligen Öko-Schublade herauszukommen?

Schon. Ich denke bei der breiten Masse gilt immer noch das Vorurteil, dass grüne Mode trutschig ist beziehungsweise alternativ aussieht. Wir wollen aber gute Mode machen – und sehen die Ökologie dahinter als selbstverständlich an.

Was hat dich persönlich dahingehend geprägt? Ist Nachhaltigkeit schon lange ein Thema für dich?

Das war ein Prozess. Ich war beruflich lange in der Wirtschaft unterwegs, hab’ im klassischen Konsumgüterbereich gearbeitet und bin da auf Themen gestoßen, die ich mit meinem Gewissen auf Dauer nicht vereinbaren konnte. Zum Beispiel, dass die, wohlmöglich auch noch umweltschädliche, Verpackung, oft teurer ist, als das Produkt selbst. Anschließend hatte ich ein kleines Kinderlabel. Das hat mir gezeigt, wie ich mit dem, was ich mag, Menschen berühren und überzeugen kann. So ist der grüne Lifestyle immer mehr zu einer Lebenshaltung geworden. Ich glaube, wenn man einmal nachhaltig denkt und wirtschaftet, dann wird das schnell zur Grundeinstellung.

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Was bedeutet das für dich im Alltag?

Müll zu reduzieren, im Bioladen oder auf dem Markt einzukaufen, statt austauschbar im Supermarkt und alte Autos zu fahren, weil es die eben schon gibt. Kleider kaufen wir auch mal Secondhand, für die Kinder tauschen wir viel mit den Nachbarn.

Wenn man einmal anfängt kommt eins zum anderen. Auch bei unserer Arbeit für greentee. Wir lassen unsere Werte in unsere Brand einfließen. Nur wenn man das tut, bekommt das Produkt auch eine Authentizität. Und ich glaube auch nur so behält man die Kraft dazu, so ein Label aufzubauen und langfristig lebendig zu halten.

Welche Werte sind das?

Ehrlich, zeitlos, kühn.

Gerade die Nachfrage nach Ehrlichkeit ist aktuell sehr stark. Sind euch trotzdem auch Siegel-Zertifizierungen wichtig?

Siegel geben Menschen immer eine gewisse Sicherheit und einfach auch die Möglichkeit zu vergleichen. Ich glaube ganz ohne Siegel funktioniert es nicht. Gleichzeitig glaube ich aber auch, dass die Leute zusätzlich das Gesicht hinter der Marke kennen wollen. Das schafft ganz sicher mehr Vertrauen und damit mehr Markenbindung.

Wo produziert ihr Eure Teile?

Unsere Weberei sitzt in Griechenland. Genäht wird in Polen. Wir könnten uns nicht vorstellen außerhalb Europas nähen zu lassen. Für uns sind die Bedingungen einfach oftmals viel zu wenig transparent und schwer einsehbar, da zu weit weg. Wir sind Europäer und immer so weit fliegen zu müssen, das ist viel zu teuer – und natürlich auch nicht besonders nachhaltig.

Apropos nachhaltig: Ihr habt eine alternative Art der Verpackung gefunden.

Ja. Aus Umweltschutzgründen – aber vor allem auch aus Gründen der Präsentation! Wir wollten eine Verpackung die biologisch korrekt ist, unkompliziert und cool.  Über eine Freundin, die bei einem Verlag arbeitet, sind wir auf Apfelpapier gestoßen.

Wer macht dieses Papier für euch?

Ein Hersteller in Südtirol. Die Basis des Papiers ist der so genannte Apfeltrester. Dieser ist eigentlich ein Abfallprodukt aus der Apfelsaftproduktion. In jahrelanger Forschung hat der Hersteller das Papier daraus entwickelt. Es ist toll! Und auch haptisch ein wahnsinnig schönes Gefühl. Unsere Verpackung ist einer LP-Hülle nachempfunden und hat gleich Tragegriffe mit dran – so spart man sich dann auch noch die Tüte.

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Und wie verschickt ihr eure Teile an Online Shop-Besteller?

Die Basics sind in Zellulose verpackt, die zerfällt. Dann kommt das Shirt in die Apfelpapier-LP-Hülle und wird dann als Warensendung verschickt . Das ist witziger Retro-Style – und spart Verpackung.

Wo wir gerade von Sparen sprechen, hast du selbst einen großen Kleiderschrank?

Ich habe vor allem viele Teile, die ich immer mal wieder aussortiere – und dann wieder neu hervor hole. Manchmal hilft das Motto „aus den Augen aus dem Sinn“ für ein ganz neues Modegefühl – mit Sachen, die man schon selbst hatte. Trotzdem kaufe ich auch immer mal wieder etwas. Ich lebe für Mode, das kann ich  nicht anders sagen. Und ich finde, es geht auch nicht darum gar nichts mehr zu konsumieren. Nur reflektierter wäre gut! Klar dreht sich die Welt auch ohne Mode weiter, aber sie macht einfach Spaß und hilft uns gut auszusehen und uns richtig gut zu fühlen. Und wir haben heute ja so viele Möglichkeiten: Ausleihen, Tauschen, Vintage kaufen und neu Kaufen. Wir haben immer die Wahl. Und wenn wir die bewusst treffen, dann sind wir ja alle schon mal einen Schritt weiter.

Ein Kommentar

  1. Interessantes Interview. Spannende Marke. Das letzte Shirt und auch das letzte Bild gefällt mir sehr gut. Und die Verpackung – der Hammer! Apfelpapier ist mir schon mal in Form eines Kochbuch begegnet. Geniale Sache!

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