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Frei reden sei nicht so sein Ding, verrät Pete Ceglinksi, bevor er mit einem Mikrofon verkabelt wird: „Ganz ehrlich: Ich mach’ mir gleich in die Hosen“, sagt er mit breitem australischen Akzent – und sieht dabei für Außenstehende eigentlich ziemlich entspannt aus, mit seinem Bierchen in der Hand und einer Trucker-Cap auf den langen Haaren, die von Sonne und Salz ganz blond geblichen sind.

Pete gehört ans Meer. Das sieht man sofort. Und Müll, findet er, gehört da mal so gar nicht rein! Mit seinem Partner Andrew Turton, den er Turtle nennt, hat Pete das Seabin Project gegründet. Und einen Eimer erfunden, der zu Wasser gelassen werden kann, um in Häfen, in Yachtclubs, an Marinas oder anderen kontrollierten Teilen des Oceans, Müll aus dem Meer zu filtern, wie ein automatischer Kescher.

Vor allem: Plastik. Den davon schwimmt so viel in unseren Gewässern, dass Pete in seiner Wahlheimat Mallorca täglich einen ganzen Seabin vollkriegt. Aus dem geangelten Abfall machen er und Turtle und ihr Team dann Material für neue Seabins – die nebenbei übrigens auch flüssige Verunreinigungen, wie etwa durch Öl, aus dem Ocean filtern können.

„Das an sich ist wichtig genug“, so Pete. „Positiver Nebeneffekt ist aber auch, dass die Leute durch den Seabin sehen, wie viel Müll wirklich im Wasser schwimmt.“ Information und Weiterbildung sei mittlerweile ein wichtiger Teil seiner Arbeit geworden. Beim Berliner C-HR Festival im Kaufhaus Jandorf eröffnete Pete gestern die Vortragsreihe – zunächst mit seiner Unternehmensgeschichte.

„Wir wollten etwas Sinnvolles machen, mit flexiblen Arbeitszeiten, wir wollten surfen und reisen“, erinnert sich Pete. „Was wir gemacht haben, war am Anfang eher sowas wie ein Traum. Und dann wurde es einfach größer und größer.“ Kann man so sagen! Nach vier Jahren Entwicklung ist der Prototyp schon jetzt weltbekannt. Im November soll Seabin in Serie gehen. Kooperationspartner ist schon jetzt unter anderem Parley fort he Oceans. Ein perfect Match quasi. Denn auch Parley verwertet das gesammelte Plastik weiter. In Garn zum Beispiel. „Gemeinsam schließen wir einen Kreis“, so Pete.

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Das ihm die Kooperation lieb und teuer ist, merkt man Pete an. Genau wie das Unverständnis darüber, dass andere Initiativen der Vergangenheit nicht mit Seabin zusammenarbeiten wollte. „Keine der großen Umweltorganisationen hat uns geholfen“, so Pete. „Da gab’s wohl Interessenskonflikte und Angst, dass wenn sie für uns werben würden, selbst weniger Geld abbekommen könnten.“ Diese Erkenntnis sei heftig gewesen – und wirklich traurig. Verfestigte aber nur die Seabin-Überzeugung, unbedingt offen, fair und in einem guten Miteinander zu arbeiten – im eigenen Office auf Mallorca und mit anderen. Andere zu motivieren ist generell sein Ding. Jeder könne etwas schaffen, wenn er nur eine Vision hat, sagt Pete.

Sein eigener Sinneswandel kam quasi über Nacht. Nach erfolgreicher Karriere als Produktdesigner fragte er sich plötzlich, warum er eigentlich ständig Wegwerfartikel erfinden muss – solche, die eigentlich halten würden, aber schlicht jede Saison in einer andern Farbe gefragt sind. Er schmiss hin, aß statt jeden Tag Sushi plötzlich nur mit Glück noch mal das Sechs-Euro-Menü beim Asiaten. Seine Kraft und Vision steckte er in die Seabin-Crowdfundingkampagne. „Das war alles unfassbar anstrengend“, erinnert er sich. „Aber das war’s auch mehr als wert.“

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Petes Erkenntnis: „Eine neue, nachhaltige Idee umzusetzen und zu einer Marke zu machen ist gar nicht zu schwer.“ Sein Tipp: „Man sollte kreativ und fröhlich bleiben, viel lachen und sich selbst nicht zu ernst nehmen. Für das, was man nicht kann sollte man sich einfach Hilfe holen – und sich trotzdem auch immer wieder den eigenen Ängsten stellen.“ Klingt nach Herausforderung. Aber irgendwie auch sehr machbar. Danke, Pete.

Wer noch mehr über Petes Weg wissen möchte, der findet seinen kompletten Vortrag vom C-HR Festival ab sofort online auf www.chr-festival.de

Dort gibt es auch das Programm für die kommenden Tage, mit der Dauerausstellung zu Kreativität, Innovation und Nachhaltigkeit und mit weiteren Vortrags-Highlights wie zum Beispiel über die Nachhaltigkeit eines veganen Lifestyles mit Jan Bredack von Veganz am morgigen Freitag oder über die Ursprünge der Kreativität im Digitalen Zeitalter mit Manfred Spitzer am Samstag. Der Eintritt ist kostenlos.

 

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Dieser Bericht erscheint mit freundlicher Unterstützung von C-HR Festival Berlin / Toyota.

 

FOTOS: C-HR Festival Berlin

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