Neuer, besser, cooler: Der Rhythmus, in dem ein Durchschnittsdeutscher sein iPhone austauscht, liegt aktuell bei – Achtung: alle fünf Monate. Dabei sind die alten, oder besser gesagt älteren, Smartphones fast immer noch völlig intakt. Ganz schön sinnlos, ganz schön teuer und ganz schön viel Elektroschrott, der da so produziert wird. Das finden auch die Macher von Back Market, der französischen Plattform für wiederaufbereitete Elektrogeräte, die es seit drei Monaten auch bei uns gibt. Im schönen neuen Shop kann sich jeder, der ein Telefon oder Tablet braucht, ein neues Altes aussuchen. Warum das so gut ist, wie professionell die Produkte aufbereitet werden und wie bei Back Market überhaupt alles läuft? Wir haben die Projektmanagerin für Deutschland, Lisa Sievers, gefragt:

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Liebe Lisa, erst mal ganz generell: Warum ist gerade Elektromüll für die Umwelt so schädlich?

Weil das Recyceln, insbesondere von Tablets und Smartphones, sehr aufwendig ist. Die Geräte bestehen aus vielen verschiedenen Rohstoffen, hauptsächlich Kunststoffe, etwa halb so viel Metalle und ein kleiner Teil Glas und Keramik. Und nicht alles, was drin ist, kann überhaupt wiederverwertet werden. Vor allem Cadmium, Blei und Palladium, lassen sich nicht vollständig recyceln.

Wo landen die vielen vermeintlich alten Geräte, wenn sie nicht wie über Back Market, wiederverwendet werden?

Einige werden bei Sammelstellen abgegeben. Das meiste geht in den Abfall. Laut einem Bericht der Vereinten Nationen von 2014 produziert ein Deutscher im Durchschnitt 21,6 Kilo Elektromüll im Jahr. Von diesen 21,6 Kilo werden knapp 40 Prozent recycelt. Der Rest landet meist auf riesigen Elektroschrotthalden in Afrika. Das hat unter anderem Greenpeace mal bewiesen, indem die Organisation ein altes Handy mit einem Peilsender ausgestattet und dessen Weg nachverfolgt hat.

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Und bis wohin ist es gewandert?

Bis nach Ghana. Dort lag es neben unzähligen anderen Elektrogeräten, die größtenteils vor Ort ausgeschlachtet werden – sprich nach dem geringen Goldanteil darin durchsucht. In einem Handy befinden sich im Durchschnitt auch 25 Milligramm Gold. Verheerend ist, dass die alten Handys, um dieses zu finden, auf den Schrotthalden in Afrika und Indien oft einfach angezündet werden. Das unbrauchbare Plastik verbrennt, mit verheerenden Folgen für die Atmosphäre. Und natürlich auch für die Gesundheit der Menschen, die unwissend daneben stehen.

Apropos danebenstehen: Mein letztes Handy liegt hier ehrlich gesagt gerade ungenutzt neben mir in der Kommode…

Das kenne ich. Und das ist bei vielen Leuten so. Sogar bei denen, die sich ein bisschen mehr mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinandersetzen. Ein nicht unerheblich großer Teil der nicht genutzten Geräte verschwindet in irgendwelchen Kästen und Schubladen. Leider. Denn das ist zwar nicht zu katastrophal für Menschen und Umwelt. Aber schade ist es schon!

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Definitiv. Und dann ist da ja auch noch das weitverbreitete Bestreben, immer das Neueste haben zu wollen. Wie bekommt man die Leute davon weg? Geht das überhaupt?

Da gibt es eine Schicht, die wird man, denke ich, gar nicht erreichen, nein. Wer vorm Apple Store zeltet oder auch nur davor in der Schlange steht, den werden wir nicht auf Back Market kriegen. Aber das ist ok, denn ich denke, das es eben nur eine Schicht ist, nicht das Gross.

Wir erreichen sicher viele andere Menschen, weil wir einfach günstiger als der Neupreis für ein Gerät sind. Und natürlich erreichen wir auch eine Menge Menschen, die sich aktiv dafür entscheiden, anders zu konsumieren oder etwas für die Umwelt zu tun. Wir versuchen viel zu erklären und aufzuklären. Von heute auf morgen wird es sicher kein Umdenken geben. Aber die Leute haben Interesse. Und das allgemeine Interesse wächst. Und mit Hilfe dieses Interesses möchten wir die allgemeine Lebensdauer elektrischer Geräte verlängern.

Dafür lasst Ihr gebrauchte Geräte in regionalen Partnerwerkstätten von allen alten Daten befreien, reinigen und vor allem prüfen. Wer genau führt diese Prüfung aus?

Das tun die jeweiligen Werkstätten nach einem bestimmten Prüfprotokoll. Dabei geben wir allen unseren Partnern strenge Kriterien vor, die eingehalten werden müssen, um die Qualität und Zuverlässigkeit der wiederaufbereiteten Geräte sicherzustellen. In der Regel dauert dieser Test etwa 15 Minuten. Und auch bei der Reparatur müssen die alten Teile bei uns ordnungsgemäß recycelt werden.

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Woher kennt Ihr Eure Werkstätten? Und: Was haben die eigentlich vor Euch gemacht?

Nach denen suchen wir gezielt und verhandeln dann mit ihnen. Alle unsere Partner sind eigenständige Unternehmen, das größte hier ist asgoodasnew. Und was die vor uns gemacht haben? Das Gleiche! Aber sie haben dabei eben ein bisschen weniger verkauft. (lacht) Wir bieten die Plattform und die Möglichkeit des Einordnens für den Kunden, in Bezug auf Zustand und auf Gewährleistung: wir geben jeder Bestellung zwölf Monate Gewährleistung.

Haben potenzielle Kunden trotzdem auch Mal Bedenken oder Vorurteile?

Klar. Aber die können wir ihnen mit dieser Gewährleistung fast immer nehmen. Wer wirklich nicht zufrieden ist, bekommt sein Geld zurück. Das kommt aber kaum vor, da wir bei Back Market neben der Topfunktion auch den optischen Zustand für unsere Kunden bewerten. Wir wollen es dem Verbraucher so einfach wie möglich machen.

Klingt gut. In Frankreich gibt es Back Market schon seit mehr als zwei Jahren.  Wie wird Euer Angebot dort angenommen?

Sehr gut! Auf der deutschen Seite fangen wir erst an, dort gibt es aktuell vor allem Smartphones und Tablets. In Frankreich haben wir mittlerweile auch schon Lockenstäbe oder ganze Geschirrspülmaschinen im Shop. Wir haben uns dort als die Marke für Fair Tech etabliert. Und das wollen wir ganz klar auch in Deutschland schaffen.

Lisas Filmtipp: „Giftige Geschäfte – der Elektromüllskandal“, ARTE

FOTOS: Back Market

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